Unterschied zwischen den Ausbildungen: Psychotherapeut: verhaltenstherapeutisch und tiefenpsychologisch/psychoanalytisch.?

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2 Antworten

Grundsätzlich durch Theorie und Praxis, wenn man die  allgemeinen Prinzipen (quasi das Grundfundament) ausklammert (und so ist ja auch die Ausbildung, erst gemeinsam der verfahrensunabhängige Teil, der verfahrensabhängige).

Verhaltenstherapie (VT) umfasst zahlreiche Schulen der Psychotherapie, die sich im Wesentlichen an der Lern-, Emotions- und Motivationstheorie und ihren Weiterentwicklungen orientiert.Sie ist im Vergleich stark technisch und planend ausgerichtet (salopp sprechen einige von "prall gefüllten Werkzeugkoffer der VTler"). Angebunden ist die heute stark an die akademische klinische Psychologie (die die Psychoanalyse weitgehend ausschließt)

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist ein deutscher Alleingang. Ich denke man könnte es etwas polemisch formulieren, dass es Ärzten (für die war es mal gedacht) möglich sein sollte, psychoanalytisch begründet arbeiten zu können (ähem), ohne eine (Vorsicht bissig!) "richtige" Ausbildung zu machen. Gleiches dürfte heute auch für Nicht-Ärzte gelten. Oft ist es ein Ausweg für solche, die wissen, dass sie nicht verhaltenstherapeutisch arbeiten möchten, aber eine Kassenzulassung anstreben und die nicht den steinigen (und extrem teuren) Weg einer analytischen Ausbildung gehen möchten. Gleiches gilt für Therapeuten, die eigentlich lieber Gesprächstherapeuten wären. Da ist die  TP oft "das kleinere Übel". Das Ganze ist sicher weniger technisch als die VT (Werkzeugkoffer braucht man nicht, es reicht eine kleine Tasche). Der Ansatz, den Patienten schnell in die Lage zu versetzen, seine Symptome rasch zu beseitigen, ist sicher weniger ausgeprägt. TP ist i.A. auch stärker beziehungsorientiert. Beziehungskonflikte in denen nach Theorie die aktuelle Symptomatik ausgelöst wurde, sind auch das Medium, in dem gearbeitet wird. Die psychoanalytische Theorie bleibt im Therapeutenkopf und da auch eher oberflächlich. Das Arbeiten ist oft ganz konkret, die Zeiten von vielen Deutungen von unbewussten Prozessen sind heute deutlich zurück gegangen. 

Die Analyse ist eben eine Ausbildung in Psychoanalyse (PA) (hier auch als Wissenschaft, nicht nur als Behandlungsmethode), ganz zentral ist dabei sicher die mehrere hundert Stunden umfassende Lehranalyse (oft noch zusätzlich zur "normalen" Selbsterfahrung TP durchgeführt). Am Ende darf man im Kassensystem formal TP und AP (Analytische Psychotherapie) anbieten. Tatsächlich dürfte ein Analytiker vorwiegend unter TP psychoanalytische Kurztherapien durchführen (zwischen 12 und 50 Stunden), während Langzeittherapien von 240 Std. auf der Couch eher eine Ausnahme darstellen, aber natürlich bei Indikation angeboten werden können. Sehr "im Kommen" sind moderne Ansätze von Analysen mit modifizierter Behandlungstechnik (so zwischen 80 und 160 Std.), die sich v.a. bei schwereren Persönlichkeitsstörungen und chronischen Depressionen sehr wirksam zeigen (die Behandlungen sind auch größtenteils manualisiert).

Der wissenschaftliche Beirat Psychotherapie hat vor Jahren angeregt, TP und AP (na ja, vor allem TP) abzuschaffen und eine psychodynamisch motivierte einheitliche Ausbildung zu schaffen (im Grunde schon wie eine in Psychoanalyse, aber vielleicht mit noch stärkerer Gewichtung auf die Versorgung mir Psychotherapie). Der Beirat hat insofern EIN psychoanalytisches Verfahren (statt zwei) vorgeschlagen, nämlich die Psychodynamische Psychotherapie. Dies wurde aber (noch) nicht umgesetzt.

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Es sind unterschiedliche Therapie-'Schulen' - also Therapieformen, unabhängig davon ob für Kinder/Jugendliche oder Erwachsene.

Was GENAU möchtest du denn wissen?

Denn der exakte Unterschied zwischen den Schulen ist auf vielen Seiten sehr gut und unterschiedlich detailliert erklärt, daß muss hier nicht in eigenen Worten wiederholt oder gar kopiert werden.

Also, gibt es KONKRETE Fragen?

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Kommentar von Fuehldichgut
19.06.2016, 08:59

Oh ja... ich habe es wohl etwas wage formuliert. ;) Steht bei beidem am Schluss eine staatliche Zulassung? (sodass man beispielsweise eine eigene Praxis eröffnen kann)

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Kommentar von Seanna
19.06.2016, 09:03

Ja. Sowohl Verhaltenstherapie wie auch tiefenpsychologische Therapie und Analyse können mit der Kasse bei genehmigtem Antrag abgerechnet werden. Probatorische Sitzungen auch ohne Antrag. Ebenso darauf aufbauende Weiterbildungen (zb. Traumatherapie).

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