Unterschied Rettungssanitäter / Notfallsanitäter?

3 Antworten

Jeder hat eine andere Ausbildung, andere Kompetenzen und entsprechend seiner Ausbildung einen anderen Einsatzbereich im Rettungsdienst.

Rettungssanitäter ist eine Qualifikation, die nach den Landesrettungsdienstgesetzen zur Ausübung bestimmter Tätigkeiten im Rettungsdienst berechtigt. Die Qualifikation dauert mindestens 520 Stunden und besteht aus mindestens 160 Stunden Grundlehrgang mit schriftlicher und praktischer Prüfung zum Rettungshelfer, 160 Stunden im Krankenhaus (meist 80 Stunden Anästhesie/OP und weitere 80 Stunden Notaufnahme oder Intensivstation), 160 Stunden im Rettungsdienst an einer anerkannten Lehrrettungswache und mindestens 40 Stunden Abschlusslehrgang mit schriftlicher, mündlicher und praktischer Abschlussprüfung. Die Lehrgänge sind kostenpflichtig, mit circa 1500 Euro für beide Lehrgänge zusammen muss gerechnet werden. Die zum fahren der Rettungswagen erforderliche Fahrerlaubnis der Klasse C1 muss in aller Regel aus selber finanziert werden, hierfür ist ebenfalls mit circa 1500 Euro zu rechnen. Gemäß der Landesrettungsdienstgesetze kommen Rettungssanitäter in der Notfallrettung als Fahrer und zweite Person auf einem Rettungswagen zum Einsatz und betreuen im qualifizierten Krankentransport eigenständig Patienten, die keine Notfallpatienten sind aber dennoch einer fachlichen Betreuung bedürfen, in wenigen Bundesländern können sie auch noch als Fahrer von Notarzteinsatzfahrzeugen zum Einsatz kommen, teilweise jedoch nur solche, mit einer gewissen Berufserfahrung auf dem Rettungswagen.

Der Rettungsassistent war bis 2014 die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst, da der Neubeginn der Ausbildung seit 2015 nicht mehr möglich ist, halte ich mich hier möglichst kurz. Die Ausbildung war zweijährig und bestand aus 1.200 Stunden Fachlehrgang an Schule und Krankenhaus mit staatlicher Prüfung und 1.600 Stunden praktische Ausbildung im Rettungsdienst an einer anerkannten Lehrrettungswache mit einem Abschlussgespräch am Ende, Rettungssanitäter bekamen ihre bisherige Ausbildung angerechnet. Der Rettungsassistent kam und kommt momentan noch als Verantwortlicher auf Rettungswagen zum Einsatz. Die Bundesärztekammer hat 1992 die sogenannte "Notkompetenz" herausgegeben, eine Liste von eigentlich ärztlichen Maßnahmen, die Rettungsassistenten eigenständig anwenden können, wenn der Notarzt nicht rechtzeitig eintrifft, bei deren Durchführung mussten sie sich allerdings auf den rechtfertigenden Notstand (Paragraph 34 StGB) stützen.

Der Notfallsanitäter ist seit 2014 die neue höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst und durchläuft eine dreijährige Ausbildung mit mehr als doppelt so langem schulischen Anteil als Rettungsassistenten. Die Ausbildungsziele sind in Paragraph 4 des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) definiert und entsprechen einem modernen Rettumgsdienst. Den Abschluss der Ausbildung bildet eine zehnteilige staatliche Prüfung. Notfallsanitäter lösen Rettungsassistenten zunehmend als Verantwortliche auf dem Rettungswagen ab und haben erweiterte notfallmedizinische Kompetenzen, so kann der ärztliche Leiter Rettungsdienst für sie standardmäßig in der Ausbikdung erlernte und beherrschte eigentlich ärztliche Maßnahmen freigeben, die sie dann auch außerhalb von Situationen eines rechtfertigenden Notstandes anwenden dürfen.

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter wird vergütet, allerdings ist die Vergütung generell nicht hoch und schwankt zum Teil auch sehr, da das Gesetz nur eine "angemessene Ausbildungsvergütung" vorschreibt, was natürlich sehr dehnbar ist. Hinzu kommt, das zumindest bei mir in der Umgebung nahezu alle auszubildenden Notfallsanitäter bereits Rettungssanitäter mit einer gewissen Berufserfahrung sind, das ist zwar im Gesetz nicht vorgeschrieben, aber da die Bewerberzahlen bei weitem die Ausbildungsplätze übersteigen, nimmt man bevorzugt Bewerber mit Vorerfahrung im Rettungsdienst und das sind die Rettungssanitäter. Mfg.

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Die Ausbildung ist der Unterschied.

Der Rettungssanitäter macht eine 540 Stunden umfassende Ausbildung. Diese ist in etwa 3 Monaten zu schaffen. Es werden Grundlagen der Notfallmedizin vermittelt. Allerdings geht die Ausbildung nicht so weit, dass der Rettungssanitäter erweiterte Kompetenzen im Notfall erhält. So darf er keine Medikamente selbstverantwortlich geben. Den RettSan bezahlen die Leute oft selbst, die Ausbildung kostet aber auch nur um die 1500 Euro.

Der Rettungsassistent existiert als Ausbildungsberuf nicht mehr. Es handelte sich um eine zweijährige Ausbildung mit deutlich erweiterten Kenntnissen der Notfallmedizin. Er hatte mehr Kompetenzen als der Rettungssanitäter, aber war bei der Verabreichung von Medikamenten bzw. anderen ärztlichen Maßnahmen auf ein rechtliches Konstrukt Namens Notkompetenz angewiesen, womit man die vorab genommene Delegation jener Maßnahmen rechtfertigte.

Der Notfallsanitäter ist ein recht neues Berufsbild. Es ist eine dreijährige Ausbildung, die man in der Regel als richtiger bezahlter Azubi bei einem entsprechenden Arbeitgeber macht. Der Notfallsanitäter lernt noch einmal mehr notfallmedizinisches Krams und ist schon ziemlich gut spezialisiert. Er hat ein eigenes Arsenal an Maßnahmen, die er nach bestimmten Algorithmen anwenden darf, auch wenn kein Arzt ananwesend ist. Doe Durchführung dies se r Bestimmungen variiert etwas und ist Ländersache.

Also unser RettSan Ausbilder hat uns zu den Kompetenzen etwas anderes beigebracht und selbiges steht auch von einem Fachanwalt in unserem RettSan Lehrbuch. Natürlich kann ein RS weniger Maßnahmen als ein Rettungsassistent, aber die rechtliche Grundlage "rechtfertigender Notstand" ist für beide Berufsbilder die Selbe. Es stimmt nicht, dass RS gar keine "Notkompetenz" üben dürfen, Paragraph 34 StGB definiert ja keine bestimmten Qualifikationen, die etwas dürfen oder nicht dürfen. Natürlich kommen für einen RS nicht alle von der BÄK für den Rettungsassistenten genannten Maßnahmen in Betracht, weil sie aufgrund des geringeren Ausbildungsumfanges natürlich weniger können, aber das RS gar nichts erweitertes dürfen, das ist rechtlich nicht (mehr) korrekt.

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@Rollerfreake

Wenn wir ganz streng sind, war es auch nie ganz korrekt. Rechtgertigender Notstand zieht schließlich immer und bei jedem egal welcher Berufsgruppe. Dennoch konnte, zumindest bei uns, ein RettSan nie die "Notkompetenz" in Anspruch nehmen. Und inzwischen gilt ja die "Regelkompetenz" des NotSan, so dass der ihn in der Regel begleitende RettSan in Delegation handeln kann und keine eigene Kompetenz benötigt. Ich gebe zu, ich habe vereinfacht.

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@DorktorNoth

Okay danke dir. Bei uns wurde es so gelehrt, das auch der RettSan die Notkompetenz in rechtfertigendem Notstand in Anspruch nehmen kann, allerdings machten der Ausbilder und der Fachanwalt im Lehrbuch unterschiedliche Angaben, was denn die geeigneten "Notkompetenzmaßnahmen" für den RettSan seien, alles aus der Empfehlung kommt ja wegen der kürzeren Ausbildungsdauer des RS nicht in Frage. Der Ausbilder sagte leitliniengerechtes Adrenalin bei der Reanimation und gemäß der deutschen Gesellschaft für Neurologie Midazolam bei anhaltendem Krampfanfall und bei sicherem Zugang ggf. noch Glucose seien geeignet, der Anwalt schreibt wiederum dass das nicht in Frage käme und stattdessen Salbutamol und Nitrospray (Nebenwirkungen sind mir bekannt und ich denke, die von Salbutamol oder Nitrospray sind schwerer zu beherrschen als z. B. Adrenalin bei der Reanimation). Basismaßnahmen sind selbstverständlich immer vorrangig. Da du/Sie glaube ich Arzt sind, wäre ich für eine Einschätzung was "geeignet" ist dankbar. An der LRW an der ich ausgebildet wurde, die Schule ist daran angegliedet, gibt es diese Medis auch auf den KTW, naja, kann man diskutieren, aber das will ich nicht.

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Wie fit ist ein Rettungsassistent oder Notfallsanitäter?

Ich würde gerne wissen, wie fit ein Rettungsassistent/Notfallsanitäter hingegen zum Notarzt ist. Ob ein Rettungsassistent (oder wie sie vermutlich irgendwann heißen werden "Notfallsanitäter"...) auch im Notfall alleine klar kommen würde, wenn Beispielsweise der Notarzt gerade nicht verfügbar ist, weil er schon einen dringenden Einsatz hat... z.B. wie bei uns in Offenbach am Main (Hessen) gibt es nur zwei Notärzte, die ja vllt. beide Unterwegs sein könnten, und dann trotzdem einer gebraucht wird aber nun eben vorerst keiner kommt. Braucht man da eigentlich Angst haben als Patient das man abnippelt weil kein Notarzt verfügbar ist sondern nur ein Rettungswagen mit einem Rettungsassistent und Rettungssanitäter?

Des weiteren würde ich gern wissen wie groß das medizinische bzw. Notfallmedizinsche wissen vom Rettungsassistent ist, ein Freund von mir meinte der bei der Freiwilligen Feuerwehr ist das der Rettungsassistent der Spezialist der Notfallmedizin ist und im Fall der Fälle auch ohne Notarzt zurecht kommen würde... Ich Zitiere mal was er gesagt hat: "Soweit ich weiß ist der Rettungsassistent ein Spezialist in der Notfallmedizn und würde wenn es Hart auf Hart kommt auch ggf. für ne kurze oder auch etwas längere Zeit ohne Notarzt zurecht kommen da er ja die Rechte Hand des Notarztes ist und das auch schon großes medizinisches Wissen erfordert."

Stimmt das so? Kennt sich hier jemand ein bissi aus? :)

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