Was ist der Unterschied zwischen Psychopath und Soziopath?

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Psychopathie ist eine schwere Form von Soziopathie. Die Begriffe werden oft gleichgesetzt, sind aber natürlich nicht als gleich zu betrachten. Weder Psychopathie, noch Soziopathie sind so gesehen offizielle Diagnosen (nicht im ICD-10 bzw. DSM-V enthalten), viel eher wird als Diagnose die dissoziale bzw. antisoziale Persönlichkeitsstörung gestellt.

Allerdings kann natürlich auch Psychopathie diagnostiziert werden. Dafür gibt es unter anderem die Psychopathie-Checkliste von Robert Hare (PCL-R) - sie ist ein diagnostisch oft angewandtes Verfahren. Die Liste enthält 20 Punkte, die bei einem an Psychopathie Erkrankten in bestimmter Stärke zutreffen müssen, damit die Diagnose gestellt wird.

Darunter fallen:

  1. Trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  2. Erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  3. Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile
  4. Pathologisches Lügen (Pseudologie)
  5. Betrügerisch-manipulatives Verhalten
  6. Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  7. Oberflächliche Gefühle
  8. Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  9. Parasitärer Lebensstil
  10. Unzureichende Verhaltenskontrolle
  11. Promiskuität
  12. Frühe Verhaltensauffälligkeiten
  13. Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  14. Impulsivität
  15. Verantwortungslosigkeit
  16. Mangelnde Bereitschaft / Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen
  17. Viele kurzzeitige ehe(ähn)liche Beziehungen
  18. Jugendkriminalität
  19. Missachtung von Weisungen und Auflagen / Widerruf der Bewährung
  20. Polytrope Kriminalität 

(nach http://www.rechtspsychologie-bdp.de/wp-content/uploads/vortraege3tag/Mueller.pdf)

Allen 20 Punkten wird ein Score zwischen 0 und 2 (von nicht vorhanden bis ausgeprägt vorhanden) zugerechnet, aus dem sich dann ein Gesamtscore ergibt. Ab einem Gesamtscore von mindestens 30 wird in der Regel die Diagnose Psychopathie gestellt.

Es gibt noch eine weitere Checkliste für Psychopathie, die mitunter die Grundlage für das PCL-R darstellt, nämlich die Checkliste nach Cleckley. Sie umfasst 16 diagnostische Merkmale für Psychopathie, ist dem PCL-R aber logischerweise recht ähnlich:

  1. Beträchtlicher, übernatürlicher Charme und durchschnittliche, oder leicht überdurchschnittliche Intelligenz
  2. Abwesenheit von Wahnvorstellungen oder anderen Anzeichen irrationalen Denkens
  3. Fehlen von Angst oder anderen 'neurotischen' Symptomen; beträchtliche Selbstsicherheit, Ruhe, und verbale Fertigkeit
  4. Unzuverlässigkeit, Missachtung von Verpflichtungen, kein Verantwortungsbewusstsein in großen oder kleinen Dingen
  5. Unaufrichtigkeit, Unehrlichkeit
  6. Antisoziales Benehmen, das planlos ausgeführt wird, scheinbar stammend von einer unerklärlichen Impulsivität
  7. Antisoziales Benehmen, motiviert in einem unverhältnismäßig großem Ausmaß
  8. Schlechtes Urteilsvermögen und Versagen, aus Erfahrungen zu lernen
  9. Pathologische Egozentrik. Totale Selbstgefälligkeit, Unfähigkeit zur Empfindung echter Liebe und Verbundenheit
  10. Allgemeine Gefühlsarmut von tiefen und andauernden Emotionen
  11. Fehlen jeder echten Einsicht; Unfähigkeit, sich selbst so zu sehen wie Andere
  12. Undankbarkeit für speziellen Aufwendungen, Freundlichkeit und Vertrauen
  13. Fantastisches und verwerfliches Verhalten unter Alkoholeinfluss, manchmal auch ohne Alkoholeinfluss; Obszönität, Grobheit, Launenhaftigkeit, Spielen von Streichen
  14. Keine Vorgeschichte von echten Selbstmordversuchen
  15. Ein unpersönliches, triviales und schlecht integriertes Sexleben
  16. Führen des Lebens nicht nach Plan oder nach geordneten Wegen, außer es handelt sich um Pläne der Selbst-Vereitelung

(nach https://de.sott.net/article/1018-Der-Psychopath-Teil-7)

Es ist schon leicht ersichtlich, dass es nicht immer einfach ist, aus der Diagnose Soziopathie/dissoziale Persönlichkeitsstörung die Diagnose Psychopathie abzuleiten, zumal es wie gesagt auch keine offiziellen Diagnosemerkmale wie bei anderen Störungen im ICD-10 oder dem DSM-V gibt.

Grundsätzlich lässt sich aber zur Veranschaulichung sagen, dass der Unterschied zwischen Soziopathie und Psychopathie in etwa dem Unterschied zwischen einer schweren Lungenentzündung und Lungenkrebs entspricht. Psychopathie ist mehr, Psychopathie ist schwerer. Jedoch sind sowohl Soziopathie, als auch Psychopathie chronisch. Soziopathen können normalerweise noch in bestimmter Ausprägung gewisse Gefühle sowie Mitgefühl empfinden, was für Psychopathen absolut unmöglich ist. Aber die Abgrenzung ist schwer.

LG

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omg...

Das wird man aber nicht einfach so, oder??

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@latricolore

Psychopath meinst Du? Nein, einfach so wird man nicht psychisch krank, genauso wie man nicht einfach so Krebs bekommt. Auch in der Psyche gibt es bestimmte Auslöser, bei psychischen Erkrankungen oft auch psychosoziale Faktoren wie die frühe Erziehung, familiäre Umstände (exogene Faktoren).

Bei Psychopathie und in der Regel auch Soziopathie kann ich Dich aber sicher beruhigen - in dem Falle sind nämlich fast immer genetische Anlagen vorhanden, da ein großer Teil der Entstehung von Psychopathie auf neurologischen Defiziten wie einer Fehlbildung einiger Hirnregionen zugrunde liegt. Also keine Sorge. ;-)

Wichtig zu wissen ist natürlich auch, dass nicht einzelne Faktoren die Diagnose Psychopathie ausmachen. Zentral wichtig ist das Zusammenkommen aller bzw. fast aller jener Faktoren - denn nur dann ist eine Diagnose gerechtfertigt. Genau deshalb gibt es ja auch den objektiven Beurteilungsmaßstab mit dem Score.

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Beide haben eine antisoziale Persönlichkeitsstörung.

Jeder Psychopath ist auch ein Sozipath, aber nicht jeder Soziopath ist ein Psychopath.

Man kann als Faustregel sagen, dass ein Psychopath die "schlimmere" oder ausgeprägtere Form eines Soziopathen ist.

Soziopathen haben je nach Ausprägung auch Gefühle, können diese aber besser unterdrücken als der "Normale" Mensch. Empathie ist sehr eingeschränkt, aber nicht in jeder Situation. Ich kenne zum Beispiel einen mittelmäßig ausgeprägten Soziopathen, der in fast allen Situationen empathielos ist, außer es geht um Menschen die er liebt.

Und hier liegt auch der Unterschied. Der Soziopath kann lieben, er kann auch Beziehungen führen, und seine Gefühle sind echt.

Psychopathen hingegen täuschen Gefühle nur vor, um Menschen in die Irre zu führen. Sie können schlecht Beziehungen aufbauen, dafür aber exzellent manipulieren.

Der Soziopath manipuliert auch, jedoch ist er viel impulsiver und hat sich im Gegensatz zu einem Psychopathen nicht unter Kontrolle.

Bei beiden kann das Volumen der Amygdala vermindert sein.

Bei Psychopathen ist ihre Krankheit angeboren, bei Soziopathen entwickelt sich die Krankheit, oft nach Traumas.

Dieser Begriff Geist das gleiche es gibt zwar viele die behaupten der eine wäre impulsiv und der andere nicht aber es heißt das gleiche man versteht Gefühle anderer nicht und ist manipulativen

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Das ist sowas von falsch, allein weil Psychopathie angeboren ist und Soziopathie nicht. ???

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Ich hab viel recherchiert und glaubte das auch dich dann fand ich ein Artikel der sagte es würde im gleichen Sinn benutzt
Eigentlich heißt es nicht dasselbe doch es wird als dasselbe verwendet so habe ich es verstanden kann aber falsch sein war mal so ein Artikel und sowieso ist es ziemlich umstritten was was ist im Internet bekommt man viele Artikel die sich wiedersprechen

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Du hast recht. Soziopath u. Psychopath wird im synonym benutzt. Bei verstehen kognitiv das jemand auf eine bestimmte Ebene fühlt, Sie können es jedoch für sich nicht nachvollziehen. Sie müssen jedoch nicht unbedingt manipulativ sein.

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Ah ok danke nenn vielleicht noch deine Quellen falls du sie noch kennst und dann haben wir alle hier was dazugelernt

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