Unterschied Libertarianismus und Anarcho-Kapitalismus?

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3 Antworten

Der sogenannte Anarcho-Kapitalismus ist eine Richtung des Libertarianismus. Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Libertarismus

Sogenannt sage ich, weil er dem Anarchismus geradezu entgegengesetzt und ein Widerspruch in sich ist. Schon im Liberalismus gibt es zwei Strömungen,
die früheren Liberalen traten zum großen Teil noch für die Freiheit der
Menschen ein, die neueren neoliberalen nur noch für die absolute
Freiheit des Geldes.

Im Neoliberalismus hat jeder soviel Freiheit, wie er Geld hat. Kein Geld, keine Freiheit. Die intelligenteren Neoliberalen wissen, dass sie den Staat brauchen, auch wenn sie fordern, dass er sich zurückhält und so wenig wie möglich in
die Wirtschaft eingreift.

Sie brauchen den Staat, die Staatsgewalt, sein Rechtssystem und seine Ideologie, um ihre Gewinne zu schützen vor den Habenichtsen, die für sie die Sklavendienste verrichtet haben. Sie mögen es bloss nicht, wenn der Staat für das Wohlergehen seiner Bürger sorgt und ihnen Rechte gegenüber den Geldbesitzern einräumt.

Diejenigen, die sich Anarchokapitalisten nennen, haben das entweder nicht erkannt oder propagieren die Abschaffung des Staates, um keine Steuern zahlen zu müssen. Die nötige Gewalt, um sich die Besitzungleichheiten und Machtunterschiede zu erhalten, würden sie Privatarmeen übertragen.  Wohin das führen würde, kann sich jeder mal ausmalen. Ähnlichkeiten zur Mafia sind unvermeidbar.

Anarchie heißt nicht 'ohne Staat' sondern 'ohne Herrschaft'.
Da Kapitalismus Herrschaft des Geldes ist, kann es garkeinen
anarchistischen Kapitalismus geben. Die Anarchisten waren immer auch
Sozialisten, bestrebt die Ungleichheiten im Besitz auszugleichen und nicht zu erhalten und zu vergrößern.

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Nicht alle Libertäre wollen den Staat komplett abschaffen, viele sind einfach nur für einen sehr kleinen Staat.

Außerdem gibt es auch linken Libertarismus. Diese wollen den Staat und den Kapitalismus abschaffen.

Rechte Libertäre, also rechts im Sinne von freier Marktwirtschaft, die den Staat abschaffen wollen bezeichnen sich als Anarcho-Kapitalisten, wobei der Anarchismus eigentlich für die Abschaffung von Hierachien und Ungleichheit ist und dies im Kapitalismus sicher nicht möglich ist, aber man kann niemandem verbieten sich Anarchist zu nennen.

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Kommentar von Vania96
17.03.2016, 14:19

Ich glaube ich verstehe das Problem. Es ist so, dass Libertarianismus im Allgeminen als Liberalismus bezeichnet wird, wo ich meine Informationen bezogen habe war dies anders. Folglich ist der Anarcho-Kapitalismus eine Strömung im Liberalismus.

Danke für die weitere Information! :)

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Libertarianismus ist eine politische Philosophie, die dem Staat nur die Erhaltung des Ordnungsrahmens zuweist. Diese Theorie fällt in die Zeit des Anti-Feudalismus, als der feudalistisch geprägte Staat sehr willkürlich gehandelt hat. Diese Philosophie ist Ausdruck einer sehr naiven Menschensicht, die glaubte, nach Abschaffung des Feudalismus gäbe es fast automatisch den Himmel auf Erden. Das ist die Ausgeburt einer Kopf-Philosophie mit wenig Kontakt zur Realität.

Anarcho-Kapitalismus ist ein politisches Schlagwort. Da wird freier Wettbewerb und freies Handeln auf Märkten als Anarchie interpretiert und stellt eine Verzerrung der Realitäten dar. Tatsächlich jedoch richtet sich die Forderung nach freien Märkten in der Aufklärung ebenfalls gegen die diktatorische Willkür der Feudalherren im Merkantilismus. Die Rahmenbedingungen für "ungehinderten Wettbewerb freier Bürger" zeigen, dass Forderungen der Fairness und Gleichheit der Marktteilnehmer nichts mit willkürlicher Freiheit zu tun haben. 

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