Unterschied Dipol Atombindung und normale Atombindung?

1 Antwort

Moin,

"Dipol-Atombindung"?? Es gibt Dipole und polare Atombindungen, aber was soll eine Dipol-Atombindung sein??

Okay, eine polare Atombindung ist eine Voraussetzung für ein Dipolmolekül, aber da es auch auf die Molekülgeometrie ankommt, ob ein Dipol entsteht, kann man das nicht allein auf die Bindung beschränken, weshalb ich den Begriff "Dipol-Atombindung" zumindest etwas unglücklich finde...

Aber zu deiner Frage:

Im Gegensatz zu einer Ionenbindung, die zustande kommt, weil ein Reaktionspartner Elektronen an den anderen Reaktionspartner übergibt, so dass geladene Teilchen (Ionen) entstehen, ist eine Atombindung eine Bindung zwischen zwei Atomrümpfen (wie der Name ja schon sagt), also zwischen ungeladenen Atomen. Sie kommt zustande, wenn beide Bindungspartner keine Elektronen abgeben, sondern eigentlich aufnehmen "wollen", um bei ihren Elektronen in der Atomhülle eine stabile Edelgaskonfiguration zustande zu bringen. Dazu werden von den Bindungspartnern Elektronenpaare gemeinsam genutzt (manche sagen dazu auch, dass sich die Bindungspartner Elektronenpaare teilen). Wie auch immer, weil dabei also bindende Elektronenpaare gemeinsam genutzt werden, nennt man diese Art von Bindung auch "Elektronenpaarbindung". Und weil es sich bei den Elektronenpaaren fast immer um Valenzelektronen handelt, die miteinander kooperieren, gibt es außerdem noch die Bezeichnung "kovalente Bindung".

Nun ist es aber so, dass die Bindungspartner an den gemeinsam genutzten bindenden Elektronenpaaren ziehen. Jeder Bindungspartner versucht also, das bindende Elektronenpaar zu sich heran zu ziehen.
Das relative Maß für die Stärke, mit der ein Atomrumpf ein bindendes Elektronenpaar zu sich heranziehen kann, nennt man Elektronegativität.

Die Elektronegativität (EN) von Atomen ist unterschiedlich. Das heißt, dass die Atomrümpfe verschieden stark an bindenden Elektronenpaaren ziehen. Das führt dazu, dass das bindende Elektronenpaar nicht genau in der Mitte zwischen den Bindungspartnern liegt, sondern sich mehr oder weniger stark von einem Bindungspartner weg und zu dem anderen Bindungspartner hin verlagert. Der elektronegativere Bindungspartner wird dadurch ein bisschen negativer, weil er immerhin negativ geladene Elektronen zu sich heran zieht. Der andere Bindungspartner wird dann natürlich etwas positiver, weil das bindende Elektronenpaar ja von ihm weggezogen wird. Auf diese Weise entstehen sogenannte "polare Atombindungen", weil im Grunde zwei Pole entstehen: ein positiv teilgeladener Pol und ein negativ teilgeladener Pol. Da der elektronegativere Bindungspartner aber für sich allein nicht stark genug ist, das bindende Elektronenpaar ganz zu sich zu ziehen, entstehen keine echten Ladungen (wie bei der Ionenbindung), sondern nur Teilladungen, die man auf schlau auch "Partialladungen" nennt.

Es kommt nun auf die Größe der Elektronegativitätsdifferenz zwischen den Bindungspartnern an, um welche Art von Bindung es sich handelt. Als Faustregeln kannst du folgendes zugrundelegen:

Eine EN-Differenz von 0,0 bis 0,4 ist eine unpolare Bindung (du würdest das anscheinend "normale Atombindung" nennen).
Eine EN-Differenz zwischen 0,5 und 1,6 ist eine (zunehmend stärker werdende) polare Atombindung (du sagst dazu offenbar "Dipol-Atombindung").
Und eine EN-Differenz von 1,7 oder mehr führt zu einer Ionenbindung.

Um noch einmal auf den Begriff "Dipol" zurück zu kommen, so schrieb ich oben schon, dass eine polare Atombindung die Voraussetzung ist, damit überhaupt ein Dipol entstehen kann. Ob aber ein Molekül ein permanenter Dipol ist, hängt auch von dessen Geometrie ab. Dazu kannst du dir das Molekül vereinfacht als Kugel denken. Führt die Geometrie des Moleküls dazu, dass die vorhandenen polaren Atombindungen so angeordnet sind, dass eine Halbkugel eine positive Partialladung hat, während die andere Halbkugel eine negative Partialladung aufweist, dann ist das Molekül ein Dipol (Beispiel Wassermolekül).
Haben dagegen beide Halbkugeln die gleiche Partialladung, wobei der andere Ladungsschwerpunkt der polaren Atombindung im Zentrum der gedachte Molekül-Kugel oder als Trennlinie der beiden Halbkugeln (auf Höhe eines gedachten Äquators") liegt, dann hat das Molekül im Grunde keine zwei verschieden teilgeladene Pole und ist folglich auch kein Dipol (obwohl polare Atombindungen vorhanden sind; Beispiele wären Tetrachlormethan oder Kohlenstoffdioxid).

Fazit:

  • Atombindung: Bindung zwischen ungeladenen Atomen
  • Elektronenpaarbindung: Bindung kommt durch bindende Elektronenpaare zustande.
  • Kovalente Bindung: Bindung kommt durch kooperierende Valenzelektronen zustande.
  • "Normale Atombindung": Die Elektronendichteverteilung ist nicht größer als sie durch eine übliche Schwankung zustandekommen könnte (EN-Differenz zwischen 0,0 und 0,4).
  • "Polare Atombindung": Ein Bindungspartner zieht stärker an dem bindenden Elektronenpaar, was dazu führt, dass sich die Elektronendichte weg von dem einen, hin zu dem anderen Bindungspartner verschiebt. Dadurch entstehen partiell positiv bzw. negativ geladene Atomrümpfe.
  • Dipol: Molekül, in dem die Elektronendichte über das gesamte Molekül ungleich verteilt ist; es entsteht eine partiell positiv geladene Molekülhälfte und eine partiell negativ geladene Molekülhälfte.

Alles klar?

LG von der Waterkant

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