Unterscheidet sich das Germanistikstudium in Deutschland von dem in anderen Ländern?

2 Antworten

Natürlich macht es einen Unterschied, ob man eine Sprache "von außen" betrachtet oder "in ihr lebend" mit ihr umgeht. So etwas prägt dann auch das Studium. Weniger von den Unterrichtsfächern her, die mögen ähnlich bis gleich sein als vielmehr von der inneren Empfindung her beim Gebrauch der Sprache.

Grundsätzlich ja. Natürlich wird das immer von der jeweiligen Universität und auch der jeweiligen Sprache abhängen, aber einen Unterschied wird es fast immer geben.

Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Ich habe mal im Zuge meines Germanistik-Studiums ein Erasmus-Semester in Manchester gemacht - da der Austausch natürlich über das Germanistik-Institut lief, habe ich dann dementsprechend in das "German"-Studium dort reinschnuppern dürfen.

Einige der Studierenden dort hatten zwar bereits Deutsch in der Schule, das war grundsätzlich aber keine Voraussetzung für das Studium, da dieses auch grundlegende Deutsch-Kurse umfasst (dazu kann ich nicht viel sagen, da ich die natürlich nicht belegt habe). Im Allgemeinen haben die Kurse durchaus ähnliche Inhalte vermittelt wie jene an meiner eigenen Alma Mater, aber natürlich aus einer externen Perspektive. Für mich überraschend war, dass dort gänzlich auf Englisch unterrichtet wird (mit Ausnahme der Sprachkurse nehme ich an), auch Hausarbeiten mussten wir in Englisch verfassen.

Das Ergebnis war, dass viele Studierende zwar ein passables passives Deutsch-Verständnis hatten, aber relativ große Probleme, Deutsch aktiv zu sprechen oder zu schreiben. Gestaunt habe ich auch ein wenig über das mitunter ein wenig dürftige Grundwissen der Studierenden zur Literaturgeschichte: Eine Studentin fragte mal während einer Gruppenarbeit, als zufällig der Name "Goethe" fiel, ganz blauäugig: "He's important, isn't he?"

Von meinem Zweitstudium Anglistik daheim war ich da andere Dinge gewohnt. Da wird ein CEFR-Level von B2 vorausgesetzt (die Sprachekurse beginnen ca. bei Level B2+ und enden bei C2) und die Unterrichtssprache ist durchwegs Englisch. Das ist aber an sich nicht weiter verwunderlich - da Englisch ja eine internationale Verständigungssprache ist und dementsprechend intensiv an Schulen unterrichtet wird, setzen auch die Englisch-Studiengänge an nicht-englischssprachigen Universtitäten von vornherein mehr Vorwissen der Studierenden voraus.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

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