Unternehmensbilanz interpretieren?

Bilanz - (Steuern, Unternehmen, BWL)

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Das Unternehmen steht schlecht da.

Zwar wurde das letzte Jahr mit einem Jahresüberschuss abgeschlossen (8.449,87), aber die ahben aus vorangegangenen Jahren ja einen Verlustvortrag von über 120.000,- und insgesamt ein negatives Eigenkapital von 25.188,88.

Das Unternehmen ist eine GmbH also eine Kapitalgesellschaft (sieht man daran, das sie ein Stammkapital hat), also wäre sie eigentlich Pleite.

Somit gibt es nur zwei Möglichkeiten, dass die Überschuldung lt. Bilanz (eben das negative Eigenkapital nicht zum Konkurs führt.

Entweder in dem Anlagevermögen sind bei den Sachanlagen große stille Reserven enthalten (z. B. eine Maschine die abgeschrieben ist, aber noch einen Marktwert hat, der das ausgleiht, oder ein Gesellschafter bürgt für die Schulden (sind ja auf der Passivseite nur in einer Summe und nicht aufgeschlüsselt.

Auf jeden Fall steht das Unternehmen nicht gut da.

Vielen Dank für deine Antwort. Das war auch mein erster Eindruck als absoluter Laie. Ich habe nur noch eine Frage: Ist das nicht eigentlich Insolvenzverschleppung? Oder lässt sich das aus der Bilanz nicht sicher ableiten, da wie du sagtest unter Umständen verwertbare Maschinen vorhanden sind. Liege ich weiterhin richtig, dass ein Verlustvortrag bei späteren Gewinnen ein Vorteil ist?

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@linuxmaverick

Die Frage "Insolvenzverschleppung" ist der Punkt, den ich mit der Überschuldung angesprochen habe.

Die erste ausserordentliche Gesellschafterversammlung muss der Geschäftsführer einberufen, wenn die Hälfte des Stammkapitals verbraucht ist.

Die zweite, wenn es völlig verbraucht ist, denn dann verkündet er, dass es entweder frisches Geld gibt, oder er meldet Insolvenz an.

Wenn dann aber die Gesellschafter sagen: Geld haben wir nicht, aber wir geben der Bank Sicherheiten. Oder der Gesellschafter gibt kein Stammkapital, aber "Eigenkapital ersetzendes Fremdkapital(ist etwas halbseiden)" dann darf der Geschäftsführer weiter machen.

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@wfwbinder

Bei einer bilanziellen Überschuldung - wie bereits mehrfach angesprochen - von 25.000 Euro, einem eingezahlten Kapital von 70.000 und einem Gewinn von 8.000 (wobei man ja wohl alles in den Gewinn geworfen hat, was nach Handels-/Steuerrecht geht) braucht man schon richtig gute Nerven. Allerdings bedauerlich, dass man die Erlöse nicht kennt und auch den Anlagenspiegel. Vielleicht wurden sogar Sonderabschreibungen o.ä. genutzt um diesen Verlustvortrag zu erzielen.

Was mich noch wundert sind die immateriellen Vermögensgegenstände von 4,50. Was soll sich denn da verstecken? Mich lassen solche Zahlen erst einmal stutzig werden. Und bei den Rückstellungen wird es dann noch einmal komisch. Wer bildet für 19,50 eine Rückstellung? Und für Abschlusskosten ist keine gebildet? Bastelt sich da selber eine Bilanz aus einem Scherenschnittbogen?

Die Bilanz sieht - da kann man sich wohl schnell einigen. Bei den Verlusten könnte es sich um Anlaufverluste handeln. Wenn da wenigstens zur Glättung Teile hätten aktiviert werden können... Aber bei so einer Bilanz muss man ja mit allem rechnen und darf nichts erwarten.

Auch glaube ich nicht, dass bei 12.000 Sachanlagen so große verdeckte Rücklagen bestehen. Wie gesagt, an der Stelle bin ich auf dem Weg in die Kirche. Reine Glaubensfrage. Da ist keine Immobilie dahinter o.ä.

Wenn er eine Überschuldungsbilanz aufstellen müsste, dann dürfte er ja auch nur in Werte nehmen bei einer kurzfristigen Veräußerung. Also leicht über dem was eine Insolvenzverwertung bringen würde.

Jetzt kommt noch die nächste Sache zum Thema Insolvenz: Wenn er die Überschuldung sieht, dann wäre er eindeutig in der Krise. Die könnte er ja nicht mal durch einen Rangrücktritt bei eigenen hingegebenen Darlehen heilen. Nur bei Verzicht gegen Besserungsschein.

Also das ist schon der Hammer, was hier vorliegt. Außerdem muss er ja die Insolvenz an zwei Fronten im Griff haben: Die Überschuldung und die Liquidität.

Bei 150.000 wird nicht alles fällig gestellt sein. Bei 10% darf man ja Probleme haben (wenn ich das richtig sehe von den ernsthaft fälligen Beträgen). Bei nicht einmal 2.000 Euro Barmitteln gibt es doch da die nächste Schieflage. Die wiederum nur dann nicht so wild wäre, wenn 100.000 Gesellschafter-Darlehen gegeben wurden. Dann wäre er mit Forderungen und Bargeld vielleicht in der Lage, dass er die bedienen könnte.

Eine Bilanz, für die man nicht verantwortlich sein möchte und vor Geschäften sollte man als Leistender schon ein Gespräch führen, wie das mit der Bezahlung denn laufen könnte...

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