Unter 50% der Stimmen aber mehr als Hälfte der Sitze, warum?

6 Antworten

Weil z.B. aufgrund der 5%-Hürde die Stimmenanteile der kleinen Parteien bei der Sitzverteilung wegfallen. Wenn nun auf alle Parteien über 5% nur 90% ALLER Stimmen entfallen, werden diese 90% und deren Anteile auf 100% der Sitze hochgerechnet (wie im Dreisatz in der Schule).

Woher ich das weiß:Hobby – Kommunalpolitik und Themen bis auf Landtagsebene

Dieses kleine Detail ist, zumindest bei der aktuellen wahl wo viele mögliche Koalitionen sich um die 50% schwelle bewegen, sehr relevant.

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@TimHutecht

So ist es. Leider scheinen sich ein nicht unerhebliches Maß an Wählerinnen und Wählern damit nicht auseinander zu setzen, was es aktuell bedeutet, eine Kleinpartei ohne jegliche Chance auf de 5% zu wählen. Genauso wenig ist es - leider - von Interesse - ob man mit seiner Stimme an eine "Klientelpartei" mit einem "Hauptthema" und dem Zwang zu grotesken Koalitionszwängen seine eigene, idealistische Meinung nach den Koalitionsverhandlungen nur noch als "Brei" zurückbekommt. Man muss nur nach Israel blicken, wo extrem rechts mit extrem links koalieren muss (und 6 weiteren Parteien), damit man regierungsfähig ist => und das Ergebnis kann in der praktischen Politikarbeit dann nur Stagnation sein.

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@TimHutecht

5 (Fünf) nicht 50 %. bei den Parteien, 50 bei den möglichen Koalitionen.

Auch eine Einzelpartei kann mit 47 % der Stimmen eine Mehrheit haben.

Aber diese Zeiten sind wohl (vorübergehend) vorbei.

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@Felix968629

Wenn es komplizierter werden soll, dann kommen natürlich noch die Sitze aus Erstimmenvergabe mit Überhangs- und Ausgleichsmandaten zum Tragen, die auch einer "Minderheitskoalition" nach Stimmen zu mehr Sitzen verhelfen kann.

Und ja - analog unseren europäischen Nachbarn verschwindet auch in Deutschland offenbar der Wählerwille zu einer Volkspartei. Man hat lieber seine Meinung als kleinen Anteil in einem "Koalitionsbrei" als schon ausgewogen in einem Programm einer Volkspartei. Schade.

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@oklein

So ist es.

Spricht alles für ein Mehrheitswahlrecht mit 601 Wahlkreisen.

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@Felix968629

Da bin ich kein Freund davon, denn es würde auf eine Personenwahl pro Wahlkreis hinauslaufen. Wenn aber in einem Wahlkreis von einer Partei mehrere wirklich gute Kandidaten zur Verfügung stehen, kommen die anderen eben nicht über einen Listenplatz ins Parlament.

Mir gefällt das grundsätzliche System der Mischung aus Direktmandat und Liste gut. Zur Eindämmung könnte ich mir allenfalls vorstellen, dass man tatsächlich die Sitze im Bundestag auf eine Obergrenze festlegt (598 + 50 als Beispiel). Diese 50 zusätzlichen Sitze für Ausgleich und Überhang werden dann gequotelt aufgeteilt und somit kann das Parlament niemals größer werden.

Eine Vergrößerung der Wahlkreise (und damit Reduktion der Sitze) ist - gleichbedeutend zur Personenwahl - m.E. nicht zielführend. Die Abgeordneten hätten dann noch weniger Zeit, sich um die zu vertretenden Bürger des Wahlkreises vor Ort zu kümmern, was die Politik noch weiter von der Bevölkerung abrücken würde.

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@oklein

Der Bewerber sollte tatsächliche Bezüge zum Wahlkreis haben, dort bekannt sein und auf jeden fall einen aussagekräftigen Lebenslauf auf Dauer im Netz haben.

So könnten nicht irgendwelche Luschen, Bonzen oder Quotenpersonen hochgepuscht werden.

Quote bezieht sich dabei nicht auf die heutige Frauenquote. Es gab schon immer diverse Quoten, die eher der Qualität der Bewerber abträglich waren.

War selbst 25 Jahre aktiv (SPD).

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@Felix968629

Da haben wir etwas gemeinsam, allerdings bin ich beim "Marktbegleiter" aktiv 😀 - kommunal ja sowieso meist egal und bei uns (4.440 Seelen-Dorf) gibt es nur Freie und CDU.

Was ich als Mitgliedsbeauftragter tatsächlich feststelle ist ein parteiinterner kritischer Diskurs und eine deutliche Verjüngung bei mir im CDU-Umfeld. Der MdL und - hoffentlich - auch der zukünftige MdB sind im Vergleich zu den letzten 25 Jahren CDU auch außerhalb des Wahlkampfs massiv im Wahlkreis unterwegs und unterstützen uns wirklich erstaunlich bei Verwaltung und anderen Beteiligten - was übrigens auch vor Ort sehr motiviert.

Demzufolge gab es bei uns einige Wechsel im Personal (und wird es noch geben), damit eben keine "Luschen, Bonzen oder Quotenpersonen hochgepuscht werden". Leider wird das zu wenig wahrgenommen und wir machen mitunter den gleichen Fehler wie die SPD seinerzeit - wir verkaufen uns schlecht.

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@oklein

Ja, wenn die Umsatzwerte so heftig sinken, dann müssen mittlerweile sogar CDU Kandidaten vor Ort ran.

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@Felix968629

Haha. Nein ich meinte mehr die letzten 2-3 Jahre. Aber ggfs. ist das auch Corona geschuldet, denn etliche Ü60 sind verm. nicht PC-affin bzgl. Online.Meetings.

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Moin,

es gibt Parteien, die unter 5% der Gesamtstimmen erhalten. Diese senden keine Kandidaten in den Bundestag. (Das sind oftmals gesamt ca. 5% aller Stimmen)

Außerdem ist das "Gerechne" mit Erst und Zeitstimmen recht kompliziert. Erst wenn alle Kandidaten die Gewählt sind steht fest wie sich die genauen Mehrheitsverhältnisse einstellen!

Es ist sogar möglich, das bei dieser Wahl 10% der Stimmen an Parteien gehen, die nicht im Bundestag vertreten sein werden! ...

Wenn 20 Parteien jeweils 4% bekommen (Logischerweise Zweitstimme) und keine Direktkandidaten entsenden sind 80% aller Stimmen ohne Gewicht! (Da ist die Grenze unseres Wahlsystems deutlich Überschritten!)

Grüße

Woher ich das weiß:Recherche

Manche Parteien kriegen so wenig Stimmen, dass sie keinen Sitz kriegen.

Ihre Stimmen zählen somit zu dem 100%, aber nicht mit in die Sitzverteilung

sollte nicht sein, aber die Koalition darf sich auch anteilig die Stimmen aller Parteien einheimsen, welche an der 5 % Hürde gescheitert sind.

siehe Bundestagswahl von 2013: damals wurden 15,7 % der Stimmen aufgeteilt.

Hast du von den 100% schon die Splitterparteien abgezogen, die an der 5% Hürde gescheitert sind?

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