Unfall mit Auto von einer Freundin, Rechtsstreit wer zahlt?

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Ich würde das so aufdröseln:

Die Geschädigten sind die Eltern. Denen hat das Auto gehört und die haben es jetzt nicht mehr. Vermutlich liegt auch keine Vollkasko vor, die bezahlt. Personenschäden scheint es keine gegeben zu haben. Die würde evtl. die Haftpflichtversicherung bezahlen.

Das erste Rechtsgeschäft war, dass sie ihr Auto ihrer Tochter geliehen haben. Wer ein Auto für seinen eigenen Zweck ausleiht, haftet für Schäden, die er anrichtet. Sie gibt das Auto nicht mehr zurück, daher müssen sich die Eltern erstmal das Geld von der Tochter holen. Deine Schwägerin hat zunächst mit den Eltern gar nichts zu schaffen. Die Tochter ist als Ausleiherin voll haftbar gegenüber ihren Eltern.

Nun kommt das zweite Rechtsgeschäft: deine Schwägerin hat auf Bitte ihrer betrunkenen Freundin diese nach Hause gefahren. Sie könnte also den Schaden, den sie ihren Eltern begleichen muss, an die Schwägerin weiterberechnen, indem sie diese wiederum in Haftung nimmt. Einen Betrunkenen nach Hause zu fahren, ist ist eine klassische Gefälligkeitsfahrt, bei der grundsätzlich ein stillschweigender Haftungsausschluss gilt. Ohne dass es ausgesprochen werden muss, gilt per Gesetz, dass man bei einer Gefälligkeit nicht haftbar für Schäden bist, die dabei passieren. Schadensersatzansprüche der Tochter laufen zunächst also ins Leere.

Wäre nur noch der Grad der Fahrlässigkeit zu prüfen. Bei grober Fahrlässigkeit gilt der Haftungsausschluss nämlich nicht. Bei leichter Fahrlässigkeit schon. Man muss also noch mal fragen, wie das Aquaplaning zustande kam. Mit Sicherheit war die Geschwindigkeit nicht angepasst, dass ist aber noch nicht grob fahrlässig. Dafür müsstest man schon sehr massiv gegen jede Vernunft gefahren sein.

Ich würde das auch so aufdröseln wobei man aber die Gefälligkeitshaftung noch einmal genauestens studieren müsste.

Wenn die Fahrerin ein "Verschulden" trifft welches über leichte Fahrlässigkeit hinausgeht, dann haftet diese.
Ich nehme mal an, dass es Dunkel war.
Das kann gerade Nachts auch ganz schnell gehen, wenn jemand merkt, dass Nachts auf Autobahnen auch Sichtfahrgebot gilt, denn das hält kaum einer ein. Da käme es jetzt auf das genaue Unfallgeschehen an, welches Angaben bei der Versicherung (schon) gemacht wurden und was nachweisbar ist.

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@privatfoerster

Genau das ist der springende Punkt. Was ist tatsächlich passiert und was ist nachweisbar.

Habe ein Urteil gelesen, da wollte die Vollkaskoversicherung nicht bezahlen. Sie warf dem Fahrer aufgrund des Schadensbildes vor, grob fahrlässig gewesen zu sein. Er sei mit 170 km/h bei Regen gefahren, habe Aquaplaning gehabt und sei deswegen von der Bahn abgekommen. Die Versicherung verlor, da sie nicht eindeutig die Geschwindigkeit nachweisen konnte und die Wetterdaten auch nicht eindeutig hergaben, dass es auf der Strecke einen geschlossenen Wasserfilm gab.

Interessant wäre auch der Zustand der Reifen. Waren die schon reichlich abgefahren, könnte man das dem Halter zuschreiben und grobe Fahrlässigkeit der Fahrerin bestreiten.

Ansprüche der Eltern würde ich generell ablehnen und an die Tochter verweisen. Forderungen der Tochter würde ich mit Hinweis auf die Gefälligkeit pauschal ablehnen und zum Unfallhergang oder Fahrlässigkeit gar nichts sagen. Das kann später nur verdreht werden. Solange kein Schreiben von einem Anwalt kommt, sehe ich da auch keinen Handlungsbedarf. Kommt eines, weiß man wenigstens, wie Forderungen begründet werden und ob das Substanz hat. Dann kann man sich immer noch einen Anwalt nehmen.

Kann mir kaum vorstellen, dass die Tochter einen teuren Gutachter beauftragt, den Unfallhergang zu rekonstruieren, um grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen.  Das Unfallauto ist auch schon verkauft, da kann gar nichts mehr begutachtet werden.

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Oha, da kann ich verstehen, dass ihr alle zu Hochform auflauft, um der Schwester deiner Frau zu helfen. Mein Gerechtigkeitsgefühl stand bei mir auch gleich 'Gewehr bei Fuß'!

Da scheint ja einiges krumm gelaufen zu sein, aber immerhin hat die Gegenseite ja durch den Verkauf des Unfallwagens Fakten geschaffen, die sich für Euch vielleicht sogar als günstig herausstellen... warts ab und positiv denken!!  

Also ihr könntet folgendermaßen vorgehen: wenn die Schwester deiner Frau Mitglied in einem Automobilclub wie z.B. dem ADAC bist, steht ihr in solchen Fällen eine anwaltliche Erstauskunft zu. Ich würde so vorgehen: vom ADAC die Liste der regional zuständigen Anwälte geben lassen und dort die Frage stellen (evtl. nicht nur bei einem anrufen..?!)

Dort würde ich den Fall schildern und nach der empfohlenen Vorgehensweise fragen. Die Sache mit dem Gutachten ist ja blöd gelaufen - ich tendiere auch dazu, dass vonseiten der Schwester noch ein zweites Gutachten hätte möglich sein sollen - aber das wurde ja vereitelt und das Beweisstück entsorgt. Rechtlich bewerten kann das der Anwalt. 

Wenn bei der Schwester eine Rechtschutzversicherung besteht, ist es ein leichtes, die Sache dem Anwalt (vielleicht sogar schon dem vom ADAC?) zu übergeben - vielleicht trifft die Schwester ja ohnehin keine Schuld, dann werden die Anwaltskosten der gegnerischen Partei angelastet.

Anderer Ansatz: Hat die Schwester nicht eine Privat-Haftpflichtversicherung? Die wäre doch eigentlich ein Fall für die, zu klären, ob und warum die Schwester haftet oder nicht.

Eine Gefälligkeitsfahrt müsste nach meinem Rechtsempfinden auch irgendwie abgesichert sein - aber da kennt sich vielleicht jemand hier aus, der in Haftungsfragen versiert ist.

Ich hoffe, ich konnte Euch etwas helfen (es war mir wichtig, obwohl ich schon soooo müde bin!)

>Anderer Ansatz: Hat die Schwester nicht eine
Privat-Haftpflichtversicherung? Die wäre doch eigentlich ein Fall für
die, zu klären, ob und warum die Schwester haftet oder nicht.

Private Haftplicht zahlt nicht bei entsprechenden Unfällen mit KfZ.

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Nun, rechnen wir mal. Wiederbeschaffungswert 4.900 € zzgl. Abschleppkosten 600 € zzgl. Gutachten 600 € abzgl. Erlös aus Verkauf 1.100 €, macht bei mir einen Gesamtschaden von 5.000 €. 

Das ist die maximale Summe, die die Eltern fordern können. Über die Gutachterkosten könnte man streiten, aber das macht denke ich das Kraut nicht fett. 

Nun stellt sich die Frage, ob das Fahrzeug evtl. Vollkasko- oder Teilkasko-versichert war. Die Vollkasko würde den Schaden am eigenen Fahrzeug übernehmen. Dafür steigen die Beiträge zur Versicherung. Ob sich das lohnt, ist ein Rechenexempel, das man durchspielen müsste. 

Bei Aquaplaning-Unfällen ist immer die Frage nach grober Fahrlässigkeit zu stellen. Jeder Fahrer hat die Geschwindigkeit den Gegebenheiten anzupassen. Gerade bei Aquaplaning ist meist nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache. Weicht nun die "angemessene" Geschwindigkeit von der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit stark ab, was sehr oft der Fall ist, dann steht der Vorwurf "grobe Fahrlässigkeit" zumindest im Raum. 

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