Unfall - wie verhält man sich richtig, wenn man auf seinem Schaden nicht sitzen bleiben will?

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3 Antworten

Nach einem unverschuldeten Unfall - einem Haftpflichtschaden - musst du als Geschädigte(r) deinen Schaden beziffern. Das geschieht durch ein Gutachten eines von dir beauftragten Kfz-Sachverständigen (bei einem offensichtlichen Bagatellschaden < 715 € mit Einschränkungen). Du hast das Recht selber einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen deines Vertrauens mit der Erstattung eines Gutachten zu beauftragen. Die Kosten, die für dieses Schadensgutachten anfallen gehören zum Schaden und sind von der gegnerischen Versicherung zu erstatten. Die gegnerische Versicherung hat kein grundsätzliches Besichtigungsrecht.

Das von dir beauftragte Gutachten dient zur Beweisicherung und müsste unter anderem die folgenden Angaben beinhalten:

  • Wiederbeschaffungswert (WBW): Das ist der Wert deines Autos unmittelbar vor dem Unfall.
  • ggf. Restwert: Das ist der Wert deines Autos, in dem Zustand wie er sich nach dem Unfall (bei der Besichtigung) befindet.
  • Reparaturkosten
  • Reparaturdauer
  • Wiederbeschaffungsdauer
  • Wertminderung
  • Wertverbesserung
  • Umbaukosten
  • usw.

Die Daten des Verursachers legst du bei deinem Sachverständigen vor. Anhand des Kennzeichens des Verursachers kann dein Sachverständiger dann abfragen wo dieser versichert ist. Wenn du ihm eine Abtretung in Höhe des Gutachtenhonorrares unterschreibst, dann brauchst du auch nicht in Vorkasse zu treten.

Nachdem dir das Gutachten vorliegt kannst du direkt die Reparatur des Schadens in der Fachwerkstatt deiner Wahl beauftragen. Ausnahme hiervon ist ein wirtschaftlicher Totalschaden mit Reparaturkosten die mehr als 30 % über dem Wiederbeschaffungswert liegen. 

Für die Zeit, in der du dein Auto aufgrund des Unfalls trotz Nutzungswille und -möglichkeit nicht nutzen kannst steht dir nach Wahl ein Mietwagen oder Nutzungsausfall zu.

Dann solltest du dir Gedanken machen, ob du die weitere Abwicklung mit der gegnerischen Versicherung selber vornehmen willst oder direkt einen guten Fachanwalt für Verkehrsrecht damit beauftragst.

Hallo LilibethQuak,

unter folgendem Link kannst Du Dir ein dreiseitiges Dokument vom ADAC herunterladen, auf dem all Deine Fragen beantwortet werden.

https://www.adac.de/_mmm/pdf/2013-Unfallbericht-Was_tun_nach_Unfall_34443.pdf

Dieses Dokument kannst Du auch für ca. 2,50 ~ max. 10,00 Euro vom ADAC oder dem Schreibwarenhandel mit durchschreibender Form des Unfallberichtes herausholen. Soweit ich weiß, kann man das Dokument aber auch kostenlos von seiner Versicherung bekommen.

Ich persönlich habe mir das Teil vom ADAC doppelt ausgedruckt, Blaupapier dazwischen gelegt und mit 4 Büroklammern fixiert.  Das Blaupapier hat den Vorteil, dass es etwas deutlicher durchdruckt als das die zukaufenden Unterlagen tun. Außerdem habe ich schon einmal die Daten:

  • zu meiner Person,
  • zu meinem Fahrzeug und
  • zu meiner Versicherung

eingetragen. Das erspart schon mal im Falle eines Unfalles Zeit und nerven.

Passiert dann ein Unfall, muss ich nur noch wenige Sachen zutragen bzw. ankreuzen und dem Unfallgegner geben, damit dieser seine Daten einträgt. Ein Durschlag behalte ich, ein Durschlag behalt der Unfallgegner.

Das meiste war jetzt aber mehr ein Tipp um für zukünftige Unfälle vorbereitet zu sein.

Wie Du jetzt nach dem bereits geschehenen Unfall verfahren solltest, ist wie gesagt auf den Seiten 1 und 2. des Links zu entnehmen.

Den wichtigsten Tipp, mit dem Rechtsanwalt hat ja schon Handwerksbursche völlig richtig angeführt.

Schöne Grüße
TheGrow

Ganz ehrlich:

Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich die Sache einem Anwalt übergeben. Der wickelt deine Ansprüche professionell ab. Und wenn die Unfallgegnerin den Unfall beweisbar verursacht hat, zahlt deren Versicherung auch deine Anwaltskosten.

Deshalb:

Warum solltest du dich selbst um die juristische Abwicklung kümmern, wenn dir dies ein Profi abnimmt, ohne dass du mit eigenen Kosten belastet wirst?

LilibethQuak 05.11.2015, 20:14

Da ich aber keine Verkehrsrechtsschutz habe, gehe ich da natürlich ein gewisses Risiko ein auf noch mehr Kosten hängen zu bleiben. Allerdings denke ich, dass es schon sinnvoll ist.

Wichtig ist für mich aber, dass mein Auto so schnell wie möglich wieder ganz ist, ohne dass ich wochelang auf eine Kostenerstattungszusage warte.

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Handwerkbursche 05.11.2015, 20:28
@LilibethQuak

Gerade deshalb empfehle ich ja anwaltliche Hilfe. Damit geht's einfach schneller und für dich stressfreier.

Was die Anwaltskosten betrifft: Verkehrsrechtsschutz ist zwar immer nützlich, aber kein "Muss". Will heißen: Besteht eine Rechts- und Beweislage eindeutig zu deinen Gunsten, erstreckt sich die Haftung der Unfallgegnerin auch auf deine Anwaltskosten. In diesem Fall (und nur in diesem Fall) bestände für dich mE kein Kostenrisiko.

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TheGrow 05.11.2015, 20:49
@Handwerkbursche

Sehr guter Tipp mit dem Anwalt und gute Erklärungen zu dem Tipp. Gab von mir:

  • ein Danke und
  • einen Pfeil nach oben und
  • einen Daumen nach oben

Schöne Grüße
TheGrow

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Handwerkbursche 05.11.2015, 20:51
@TheGrow

Vielen Dank!

Hab' ich bei deiner sehr guten Antwort natürlich ebenso gemacht :)

LG & noch einen schönen Abend.

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