Unbeteiligter Erzähler (Erzähltheorie)

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1 Antwort

Ich weiß nicht ob du das meinst aber in Friedrich Dürrenmatts Ein Richter und Sein Henker hat sich Dürrenmatt selber in die Geschichte eingebaut in Form eines Schriftstellers, der während den Mordermittlungen auftritt

christophz 16.06.2011, 20:56

Nein, das meine ich nicht.

Ich suche nach einem Ich-Erzähler, der selbst nur peripher eine Rolle spielt und nicht etwa der "Held" der Erzählung ist, d.h. andere Figuren stehen im Mittelpunkt.

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naitsabeso 16.06.2011, 21:02
@christophz

Dann suchst du m.E. nicht nach einem "Unbeteiligten Erzähler" sondern nach einem "Un-/Beteiligten Beobachter", oder?

Generelle Frage: Bewegen wir uns eigentlich auf Hochschulniveau?

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christophz 16.06.2011, 21:06
@naitsabeso

Doch, ich suche nach einem "unbeteiligten Erzähler". Nochmal: Ich suche einen Ich-Erzähler, der nicht nur einfach als Erzählinstanz fungiert, also nicht als Figur in der Geschichte vorkommt, sondern einen, der die Geschichte in der "Ich-Form" erzählt, aber auch in der Geschichte vorkommt, nur nicht als Haupt- sondern Randfigur.

Hochschulniveau? Ich habe versucht, die Frage so einfach wie möglich zu stellen. Ist es so undeutlich / schwierig formuliert?

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naitsabeso 16.06.2011, 21:15
@christophz

Ich Frage nur, weil auf diesem Niveau die Antwort entsprechend komplex ausfallen darf :)

Du verwendest Stanzels Terminologie. Dieser unterscheidet auf einer Skala heterodiegetische (unbeteiligte Erzähler) von homodiegetischen Erzählern (1. unbeteiligte Beobachter, 2. beteiligte Beobachter, 3. Nebenfiguren, 4. eine der Hauptfiguren, 5. die Hauptperson).

Worauf trifft nun deine Frage am besten zu?Das Problem: Der unbeteiligte Erzähler (heterodiegetische) ist per definitionem eben kein Ich-Erzähler (keine Figur der erzählten Welt), sondern ein Erzähler in der 3. Person.

In Büchners "Lenz" findest du alle Varianten Stanzels in einer Erzählung. Die Erzählsituation wechselt hier ständig.

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christophz 16.06.2011, 21:22
@naitsabeso

Aha, ein Germanist. :) Dann habe ich deine Frage falsch verstanden mit dem Niveau. Ja, Uni-Niveau. Ich: Germanist :)

Ich muss dich leider korrigieren: Du hast zwar recht, dass ein heterodiegetischer Erzähler per se "unbeteiligt" ist, weil er nicht Teil der erzählten Welt ist. Es gibt allerdings auch den Fall, dass ein homodiegetischer Erzähler "unbeteiligt" ist (im Spektrum sozusagen das Gegenteil vom autodiegetischen Erzähler, der Hauptfigur seiner eigenen Erzählung ist.) Dafür suche ich ein Beispiel.

(Siehe Martinez/Scheffel S. 82, falls vom Fach und Buch zur Hand ;-) )

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naitsabeso 16.06.2011, 21:31
@christophz

Ich hätte dich sonst jetzt auch nur auf Martinez/Scheffel verweisen können, weil ich vor einigen Jahren ein Seminar beim Herrn Scheffel belegt habe. Ich persönlich halte diese Art, die "Darstellung" so detailliert unterscheiden zu wollen, für absolut unsinnig und bevorzuge die Erzähltheorie Webers: Weber, Dietrich: Erzählliteratur. Schriftwerk, Kunst, Erzählwerk. Göttingen, 1998.

Tut mir leid, dass ich dir nicht weiterhelfen kann.

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christophz 16.06.2011, 21:50
@naitsabeso

Macht nichts - dafür vielen Dank für die Mühe und den Literaturhinweis, das genannte Werk kenne ich noch gar nicht.

Ich selbst finde die feinen Unterscheidungen gar nicht schlecht, um Nuancen des Erzählens kennenzulernen, leider mangelt es m.E. dem ganzen Theorie-Konvolut an genug Beispielen, die so wichtig wären für die Anschaulich- und Verdaulichkeit.

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