Umschulung & Rechnungswesen: Muss der Lehrer an die Tafel schreiben?

3 Antworten

Oehm.. Wie soll das gehen.. Buchungssätze ohne Konten? Du bucht 50 Euro von der Aktiva an die Passiva??? Wenn der Stoff als solches grundätzlich aus den Lehrbüchern etc. ersichtlich ist, dann ist das tatsächlich nicht weiter notwendig. < Ansonsten scheint der Lehrer schon eine Ausbildung hin zum modernen eLearing zu haben.. Da gibts das alles nicht mehr. >

Genau. Einen Buchungssatz ohne Konten gibt es nicht. Das wäre wie ein Satz ohne Wörter.

Ein Buchungssatz lautet immer "per Konto (Soll) an Konto (Haben)".

Der Lehrer wird ja kaum gesagt haben "per Achselzucken an Achselzucken".

Wie gesagt, ein paar Beispiele wären hilfreich.

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Der Lehrer ist frei in seiner Berufsausübung. Er kann also da nicht gezwungen werden, was auch nichts bringt.

Da er aber immer auf die Leichtigkeit der Fälle abhebt, gehe ich davon aus: Die Fragen zu den Fällen sind zu einfach.

An dem Beispiel, dass Du zitiert hast werde ich das gleich mal machen und behaupte der Lehrer wird einsehen hier mal Notizen machen zu müssen. Weil er sich verheddern wird.

Die Prüffolge ist immer gleich und damit ich Buchführung auch so langweilig.

Ist der Vorgang betrieblich oder privat? Wenn betrieblich: Stellt der Vorgang einen Ertrag, oder einen Aufwand dar? Was ist mit der Umsatzsteuer? Wann ist der Aufwand im Sinne von Kosten wirksam? Welche Aktiva/Passiva sind betroffen - ggf. Privatkonten als Unterkonten zum Eigenkapital?

In dem ganzen wäre natürlich die Umsatzsteuer-Problematik als witzig zu betrachten und aber ganz besonders das Saldierungsverbot.

Normal sind Krankenhäuser und Ärzte von der Umsatzsteuer befreit. § 4 UStG werden diese Leistungen beschrieben. Was ist aber mit der Cafeteria? Wie kann ich dort einen Vorsteuerabzug haben? Das gehört doch zum Krankenhaus. Ist das nicht frei?

In dem Fall natürlich nicht. Die Prüffolge: Ist das Krankenhaus Unternehmer? Ja. Es erbringt Leistungen gegen Entgelt und will das nicht nur einmal tun. Alle Umsätze eines Krankenhauses sind demnach zu teilen, ob sie umsatzsteuerfrei sind oder nicht.

Nur wenn sie steuerbar und steuerpflichtig bleiben, dann berechtigen sie zum Vorsteuerabzug.

Ist der Fenstereinbau im Zusammenhang mit steuerpflichtigen Umsätzen? Ja. Weil die Kantine eben dieser Unternehmensteil ist. Es kann allerdings passiert sein und das könnte für den Lehrer ein echtes Problem werden: Die Vorsteuer kann nach unterschiedlichen Maßstäben zugerechnet werden.

Man kann eine direkte Zuordnung am Gebäude vornehmen und bei allen Aufwendungen trennen. Da ist ein Behandlungszimmer betroffen - kein Vorsteuerabzug. Ein Labor erbringt vermutlich auch mal Leistungen die umsatzsteuerpflichtig sind. Aufteilungsmaßstab wäre hier dann bei Beschaffungen der Umsatz. Steuerfreier und -pflichtiger Anteil.

Wird die gesamte Fassade des Hauses gemacht, dann kann die Nutzungsfläche genommen werden oder wieder alle steuerfreien Umsätze gegen den steuerpflichtigen Anteil.

Das nur mal so zur Umsatzsteuer.

Bei der ertragssteuerlichen Behandlung: Also was passiert mit dem Gewinn, da wird es dann wieder lustig. Weil die Angaben für eine abschließende Prüfung gar nicht reichen würden, wenn man die allgemeine Vorgabe für Aufgaben nicht kennt. Keine Sonderregelung, wenn da nicht explizit nach gefragt wird.

Es kann nämlich sein, dass die Fenster als nachträgliche Anschaffungskosten/Herstellungskosten zu behandeln wären. Nämlich im Zusammenhang mit einem Anbau. Voraussetzung ist eine Flächenzunahme oder eine enorme über das normale Maß hinaus gehende Qualitätsverbesserung. Letzteres ist immer schwer. Ich würde auch den Einbau von goldenen Wasserhähnen als Reparatur ansehen. Fachleute würden sich jetzt wahrscheinlich einen grinsen, weil ich sogar recht haben könnte.

Also zu den Fenstern. Betriebsausgabe: Klar. Aufwand natürlich! Ertrag? Was ist mit dem Skonto? Das ist kein Ertrag, es ist eine Anschaffungskostenminderung.

Für den Normalfall weiter. Die Fenster ersetzen schon dagewesene Fenster. Also eine Reparatur. Keine Erweiterung keine Verbesserung. Kosten im Zeitpunkt des Aufwands.

Aber in welcher Höhe?

Die Fenster kosten mit Einbau was sie kosten. Also 100% Kosten.

Und hier brauche ich schon das Konto gar nicht zu nennen im Unterricht. Jetzt das richtige Konto zu finden ist Kinderkram. Denn in jedem Kontenrahmen kann das Ding anders heißen. Mir muss nur klar sein: Ich habe in den Kosten zu suchen. Es wird hier nichts aktiviert.

Ob ich das jetzt "Instandhaltung betrieblicher Räume" nenne, das Konto oder aber "Reparaturen" wo dann sogar noch die Kfz-Reparaturen drauf landen ist so lange egal, wie ich nicht auf die Idee komme, dass Konto für Kfz-Reparaturen im Bereich der Kfz-Kosten zu nehmen.

Da hat das nun wohl einleuchtender Weise nichts zu suchen. War ja keine Heckscheibe.

Kommen wir noch einmal auf den Skonto. Früher hatten wir mal eine Begrenzung im Gesetz stehen. Durfte meine ich höchstens 3% sein. Hier hätte man sich äußern müssen: Was habe ich mit den 15% zu tun?

Das ist tatsächlich eine Frage für Juristen! Im Steuerrecht ist man großzügiger an der Stelle und heute.

Komme ich auf die Idee den Skonto als Ertrag zu sehen, dann liege ich schon richtig. NUR es ist keine Einnahme. Daher kann es kein Umsatz sein. Da gibt es übrigens auch Skonto-Konten. Die sind allerdings für gewährte Skonti. Hier gewähren wir nicht, sondern erhalten.

Dann finden wir die nächsten Skonto-Konten im Bereich der Waren. Die Fenster betreffen aber nicht die Waren eines Krankenhauses. Auch nicht des Kuchens, der da gekauft wird. Der behält seinen Einkaufspreis. Also kann das auch nicht richtig sein.

Da es eine Entgeltminderung ist, siehe Kommentar -1-

..., habe ich zwei Möglichkeiten: Wenn der Skonto bei Buchung bereits fest steht, dann kann ich sofort den geringeren Betrag als Kosten buchen. Oder ich mache einfach eine Korrekturbuchung. Verbindlichkeiten an Kosten.

Natürlich auch eine Korrektur der Vorsteuer.

Und zwar den Anteil, den ich auch für die Einbuchung verwendet habe.

Wurden die Fenster als 100% vorsteuerabzugsfähig behandelt, dann habe ich auch die Vorsteuer in voller Höhe zu berichtigen. Sonst hätte ich andere Aufteilungsmaßstäbe für die Betriebsausgaben und die Vorsteuer-Anteile zu berücksichtigen gehabt.

Also zwei Varianten zu buchen: 100% Kosten und Vorsteuer an Verb. und 85% Verb. an Bank wenn die Zahlung erfolgt. Da meine Verbindlichkeiten nicht Null werden: Verb. an Kosten und Vorsteuer 15%

Ansonsten 85% Kosten und Vorsteuer an Verb. 85% Verb. an Bank.

Ich nehme an, dass der Kollege die ganze Herleitung weg lässt. Aber die Frage der Um-Schüler sollte sich auch nicht um die Rechnung oder den Buchungssatz drehen. Das ist reines Handwerk. Es sollte tatsächlich um die Herleitung gehen. Warum Kosten? Wieso Vorsteuerkorrektur? Weshalb kann ich hier trotz des Saldierungsverbotes mit saldierten Beträgen buchen? Siehe Lösungsvariante 2.

Ich würde als Umschüler folgendes tun: Ich würde die Frage noch einmal im Unterricht besprechen wollen und die Fragen je nach Verlauf des Vortrages Vorwärts oder Rückwärts stellen.

Am Ende hoffentlich beim richtigen Ergebnis würde ich wegen der Komplexität um ein paar Notizen bitten: Schließlich ist der Sachverhalt so Komplex, dass man für die Nacharbeitung sich das nicht alles merken kann. Hier reicht der nackte Buchungssatz nicht aus. Da sollte der Pauker dann Verständnis haben, eben weil der Fall augenscheinlich nicht mehr so eindeutig und einfach ist.

Sollte es immer noch nicht funktionieren - Also kein Kompromiss zwischen Klasse und Lehrer entstehen, dann sollte man sich fragen ob es eine Lehrer-Alternative gibt. Nur ganz genau überlegen. Man hat schon Lehrer-Wechsel erreicht und kam vom Regen in die Traufe.

Wenn der andere Lehrer keine Ahnung hat, dann nutzt mir ein Tafelbild gar nichts.

Falls also kein Kompromiss möglich ist, würde ich mit Protokoll und Schilderung zum Direktor gehen. Zum guten Ton gehört allerdings: Nach dem Testfall den nächsten Unterricht abwarten. Hat sich der Lehrer umgestellt - Bedanken.

Hat er es nicht getan, dann sollte man ihn darauf hinweisen, dann man bereits vor der letzten Stunde beschlossen habe, dass man es so probiert ihn zu überzeugen. Wenn es allerdings keinen Kompromiss gebe, dass man dann aus Angst zum Direx gehen werde. Eben um einen solchen Kompromiss zu erreichen. Ggf. eine Moderation durch den Direx zu erlangen.

Also: Deinem Kumpel und seinen LeidensgenossInnen viel Spaß beim "langweiligsten" Fach der Welt und viel Erfolg.

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@Dirk-D. Hansmann

Hervorragende detaillierte Vorgehensweise!

Das ist halt der Unterschied zwischen Steuerberater und Buchhalter. ;-)

Ich habe den Vorgang stark vereinfacht beurteilt, weil man in der Schule (und auch häufig in den späteren Weiterbildungen) häufig das Standardschema an Voraussetzungen vorgesetzt bekommt: Unternehmereigenschaft, vollumfänglich zum Vorsteuerabzug berechtigt, grundsätzlich alles betrieblich veranlasst.

Ich grübelte auch über nachträgliche Anschaffungskosten. Da aber zum einen so ein komplexes Thema kaum in einer Umschulung vorkommt, und im Sachverhalt nur von dem Austausch einiger Fenster gesprochen wurde, bin ich von Instandhaltung ausgegangen.

Ich wollte auch zunächst nur von Betriebsaufwand sprechen, aber so global denken Lehrer meist nicht, die wollen da meist schon ein etwas spezifizierteres Konto hören, wie es im Kontenrahmen hinten im Schulbuch benannt ist.

Hab mich zunächst ein klein wenig gewundert, dass es eine Klinik ist. Aber den Gedanken an §4(21) gleich wieder verworfen. So was vertracktes in einer Umschulung?

Also entweder wollte der Lehrer etwas sehr sehr vertracktes mit vielen vielen Interpretationsmöglichkeiten präsentieren, oder aber er war sich nicht bewusst, welche Büchse er da öffnete.

Wie der Lehrer gestrickt ist, könnte man anhand seiner Musterlösung erkennen. Wenn die Lösung ein "einfacher" Buchungssatz ist, hat er tatsächlich nicht die komplexen Folgen seiner Aufgabenstellung bedacht (die ich im Detail gar nicht bemerkt oder sogar leichtfällig ignoriert habe, aber von dir sehr schön auf den Punkt gebracht worden sind).

Mit Hinblick auf deine zahlreichen Randkommentare: Diese Aufgabe hätte mich in der Prüfung zur Verzweiflung gebracht. Allerdings wären in der Prüfung sicherlich alle relevanten Rahmenbedingungen detailliert abgegeben worden.

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@Kleinalrik

Hey, ich bin kein Steuerberater! Nicht unter den Tisch fallen lassen.

Habe ich doch nicht weiter gemacht, als mir damals klar wurde: Der Markt wird überschwemmt. Und heute haben wir egal wo man guckt etwa gleich viele Steuerberater und Zahnärzte in den Gelben Seiten... Da ist kein ausgewogener Markt.

Darum mache ich Unternehmensberatung. Also nur nicht, dass wir uns falsch verstehen.

Aber zu der Aufgabe: Es ist richtig, in einer Prüfung würde ich mich auch nur zu der Vorsteuer äußern. Und natürlich eine aussagekräftige Kontenbezeichnung wählen. In der Regel wird ein Kontenplan ja vorgegeben.

Mir ging es aber mit der Aufdröselung darum: Bring den Lehrer an die Leistungsgrenze, irgendwo wird er straucheln. Jemand aus der Klasse sagt, ich habe nachgearbeitet. Damit ist klar, dass die einzelnen Fragen nicht das wesentliche sind. Er wird zu irgend einem Zeitpunkt nervös.

Ich gebe ja auch alle Jubeljahre mal Kurse, für die eigene Fitness im Hirn echt gut. Aber da kommst Du einfach zu einem Punkt ins Schwimmen. Dann ist es zwangsläufig. Du fragst wegen des Sachverhaltes nach. So ist unser Hirn gebaut. Dann muss er aufschreiben. Nicht irgendwo, sondern an der Tafel.

Und dann kann die Klasse sagen: So, der Sachverhalt wurde für Sie kompliziert. Bei uns fängt das früher an. Bitte unterstützen sie uns mit der Tafel. Das war der ganze Hintergrund.

Die nachträglichen Anschaffungskosten sind natürlich klar, dass die wegen der Aufgabenstellung gar nicht gefragt sein können. Und von jemanden der eine 1 haben will, würde ich die Sache mit der Vorsteueraufteilung bzw. direkte Zurechnung in einem Satz erwarten.

Schönen Tag!

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Vermutlich sind die einzelnen Aufgaben so offensichtlich, dass auch ein Anschreiben an die Tafel nichts mehr bringen würde.

Ein paar Beispiele wären ganz hilfreich.

Ich habe mir eine Beispiel-Aufgabe schicken lassen und so wie ich das sehe würde es wohl reichen zu wissen zu welchem Konto die einzelnen Buchungssätze gehören... Aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung von der Thematik.

Thema: Buchung von Preisnachlässen mit Steuer / Übungen

Bei Warenlieferungen, die wir z.B. für die Cafeteria kaufen, muss bei gewährten Preisnachlässen auch die Vorsteuer korrigiert werden.

Arbeitsauftrag: Klären Sie, warum die Vorsteuer korrigiert werden muss. Erstellen Sie für die folgenden Belege sämtliche Buchungen (Eingangsrechnung, Gutschrift, Überweisung mit bzw. ohne Skontoausnutzung)

Aufgabe: "Die Klinik plant in der Cafeteria einige Fenster zu erneuern. Bei der Anlieferung wird festgestellt, dass das Fenster "Single" geringfügig am Rahmen beschädigt ist. Man einigt sich auf eine Gutschrift über 15% (auf den Listeneinkaufspreis) für dieses Modell. Berücksichtigen Sie die Skontonutzung!"

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@Naseweis84

Mein Ansatz wäre:

Die Vorsteuer muss nach §17 UStG korrigiert werden, da sich durch den Nachlass das Entgelt verändert hat, welches nach §11 UStG Bemessungsgrundlage für die USt. ist. Vorsteuer darf maximal nur in Höhe der tatsächlichen Berechnung des Lieferanten abgezogen werden, §15 UStG.

Eingangsrechnung:

per Inst. Gebäude per Vorsteuer an Verbindlichkeiten L+L

Gutschrift:

Per Verbindlichkeiten L+L an Inst. Gebäude an Vorsteuer

Zahlung:

per Verbindlichkeiten (saldiert) an Bankgiro an Skontoerträge.

Halte ich allerdings für einen Anfängerkurs ein wenig zu schwierig.

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