Umfrage:was halten die Deutschen von Lenin und Stalin?

21 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Was die Deutschen von Lenin und Stalin halten, hängt von ihrer Bildung und ihrem historischen Wissen ab.

Die Dummen werden beide für Verbrecher halten, ohne wirklich zu wissen wovon sie reden, weil sie von den historischen Umständen und den Zwängen nicht die Bohne verstehen, nicht verstehen wollen.

Die Gebildeten werden das bedeutend differenzierter sehen und beide in ihre Zeit und den historischen Kontext einordnen. Und kaum einer wird zur Kenntnis nehmen, dass Lenin einer der bedeutendsten marxistischen Theoretiker war. Aber gerade das letzte, wird niemanden beeindrucken und da sind wir wieder bei den von mir zuerst genannten.

Gerade als marxistischen Theoretiker hätte ihm aber eigentlich klar sein müssen, dass Russland eigentlich kein geeignetes Spielfeld für ihn ist, auch wenn er und Trotzki sich alle Mühe haben das theoretisch irgendwie zu legitimieren ("permanente Revolution" usw.).

Demnach wird man Lenin vorhalten können am lebenden Objekt Experimente veranstaltet zu haben, die sich, entsprechend seinem Spiritus Rector Marx, eigentlich verbeten hätten, wenn er die reale sozioökonomische Situation Russlands vorbehaltlos reflektiert hätte.

Immerhin sah er seinen Fehler dann ein und reagierte entsprechend (NEP). Dennoch wird man ihm GERADE als marxistischen Gelehrten vorhalten können, im Grunde wider besseren Wissens gehandelt und dadurch mit dem Leben von Millionen Menschen experimentiert zu haben.

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@Schachbrett75

Deine Sorge um die ordnungsgemäße historische Platzierung einer Revolution und ihr Gelingen ... rühren mich an.

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@Schachbrett75

Nun stelle dir mal vor, die deutsche Sozialdemokratie hätte die Revolution 1918 nicht verraten und Deutschland hätte als eines der entwickeltsten Industrieländer gemeinsam mit Sowjetrussland den sozialistischen Weg eingeschlagen. Nun stelle dir die mögliche Wirkung auf die anderen Länder in Europa vor.

Das hätte den langen Bürgerkrieg in Russland verhindert, wahrscheinlich sogar Stalin verhindert und hätte eine ganze Reihe anderer Entwicklungen wahrscheinlich zum Besseren initiiert.

Und den Verrat der deutschen Sozialdemokratie kann man Lenin nun wirklich nicht anrechnen. So blieb aber nichts anderes übrig, als unter diesen extrem ungünstigen Voraussetzungen die Revolution fortzusetzen.

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@SchIaufuchs

Das hat nichts mit einem Befürworten oder Ablehnen der Revolution zu tun, sondern eher damit, das das gesamte Marx'sche Gedankengebäude in nicht industrialisierten Gesellschaften ins Chaos führen muss, weil diese überhaupt nicht in der Lage sein können hinreichende Überschüsse zu produzieren, die für die Transformierung der Gesellschaft nach dem Marx'sche Gedanken notwendig sind.

Jemandem, der sein Handeln mit Marx rechtfertigt, sollte dieser Widerspruch bekannt sein und das müsste ihn normalerweise sehr nachdenklich machen.

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@Schachbrett75

Und jemand, der mit Marx nix am Hut hat, sollte nicht versuchen so zu tun, als sei das anders, und sich besser seine ... Argumente aus seinem eigenen Überzeugungskästchen fischen.

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@Schachbrett75

Du vergisst, dass Lenin nicht ohne Grund von einer sozialistischen Revolution in Deutschland ausging, das immerhin die größte, organisierteste und stärkste Sozialdemokratie aller Industrienationen besaß. Insofern hat der Verrat der rechten SPD-Führung welthistorische Dimension und steht am Anfang vieler der darauf folgenden katastrophalen Entwicklungen. Auch Hitler hätte bereits 1918 verhindert werden können.

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@PeVau

Darüber habe ich mir bereits Gedanken gemacht, zumal ich dem theoretischen Marxismus, wenn wir ihn Mal eher als eobachtung irgendwo an der Schnittstelle von Soziologie, Ökonomie und historischer Betrachtung und nicht als ueberdeterminierten Plan verstehen, an sich aufgeschlossen gegenueberstehe.

Nun, was ist das Ergebnis meiner Überlegung?

Auf die Revolution in Europa zu setzen, wie Lenin und Trotzki das taten, war vom theoretischen Standpunkt her sicherlich sinnvoller, als das was Bucharin und Stalin mit ihrem "Sozialismus in einem Land" veranstalteten.

Praktisch gesehen, bedeutete es allerdings absolut alles auf eine sehr unsichere Karte zu setzen nämlich das die Revolution in Russland und Deutschland zeitgleich stattfindet, siegt und darüber hinaus die Westmächte nicht versuchen würden dagegen zu intervenieren.

Ich gebe Mal zu bedenken: Hätte sich in Deutschland nach der Revolution ein kommunistischer System installiert, wären möglicherweise die Alliierten einmarschiert (Die Franzosen brannten ja ohnehin darauf) und hätten es wieder zu Fall gebracht.

Daher betrachte ich die Erfolgswahrscheinlichkeit als minimal und halte diese Strategie daher für reichlich unverantwortlich.

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@PeVau

Das vergesse ich durchaus nicht. Ich denke nur, dass sie sich in Deutschland nicht hätten halten können, weil neben den restaurative nicht Kräften hiervon verstärktem Maße noch die Entente- Mächte zu berücksichtigen sind.

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@Schachbrett75

Dein Verantwortungsgefühl für das, was passiert wäre,

"hätte sich in Deutschland nach der Revolution ein kommunistischer System installiert",

spricht für deinen Bürgersinn.

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@SchIaufuchs

Darf ich dich fragen, was du für ein Problem hast?

Wenn wir über Lenin reden und ihn bewerten, gehören die ihn prägenden Einflüsse einmal dazu. Und die sind vom theoretischen Standpunkt her einmal problematisch, weil er mit denen gemessen an seiner Klientel deutlich aus dem Rahmen fällt.

Lerne bitte eine Diskussion über historische Begebenheiten von einem Austausch politischer Meinungen zu trennen.

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@Schachbrett75

Das ist nicht ganz richtig! Lenin hat gemerkt, dass es nicht funktioniert und mit Trozki die NEP entwickelt. Stalin hat die Reformen dann zurückgenommen.

Nach Wiki: Die Neue Ökonomische Politik (Abk. NEP; russisch НЭП - Новая экономическая политика, NEP – Nowaja ekonomitscheskaja politika) war ein wirtschaftspolitisches Konzept in der Sowjetunion, das Lenin und Trotzki 1921 gegen erheblichen Widerstand in der eigenen Partei durchsetzten. Ihr Hauptmerkmal war eine Dezentralisierung und Liberalisierung in der Landwirtschaft, im Handel und in der Industrie, die der Wirtschaft teilweise auch marktwirtschaftliche Methoden zugestand. Die NEP blieb bis 1928 reale Politik und führte zu einer Verbesserung der Versorgung und zu relativen gesellschaftlichen Freiheiten.

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Findest du es nicht ein wenig überheblich jeden mit einer abweichenden Meinung als ungebildet zu bezeichnen? Ich frage mich auch was diese ständigen Relativierungen sollen. Gerade an Stalins Verbrechen gibt es aus historischer Sicht nichts zu rütteln. Das hat auch nichts mit westlicher Propaganda zu tun, wie du hier an einigen Stellen suggerierst. Katyn und die "Stalinischen Säuberungen" reichen eigentlich um die Bezeichnung Verbrecher zu rechtfertigen.

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pevau jemand hat meine tags unter der frage geändert

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pevau bei jedem log in ändern sie sich

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  • es verwechseln sogar viele Lenin mit Stalin, weil Lenin recht kurz in der Geschichte abgehandelt wird, Stalin mehr.
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Danke für den Stern!

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bitte/pozhalusta aber warum steht plötzlich übernacht was von 1wk und 2 und hitler und mord das hätte ich niemals als tag (thema) genommen

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@IVanhoefER112

Irgendjemand wird wohl gemeint haben, das passe zu der Frage.

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Egal, wie man auch Lenin und Stalin "als glänzende Theoretiker" feiern mag - die Toten welche sie "durch die Praxis" zu verantworten haben, entwerten jeglichen theoretischen Verdienst!

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"Die Dummen werden beide für Verbrecher halten"

Ich bin nun wirklich nicht gerade dumm und halte beide trotzdem für Verbrecher.

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mit welcher begründung ist lenin ein verbrecher

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Vielleicht sind wir noch zu nahe dran an der Geschichte dieser beiden. Generell würde ich sagen, daßman Stalin den Verbrechern wie H*tler zuordnen kann,- wie allerdings die geschichtliche Entwicklung, die Lenin sehr stark beeinflusst hat, ´sein wird, kann man jetzt noch nicht beurteilen.

Generell würde ich sagen, für alle Menschen, die unter Diktatoren ums Leben gekommen sind, ist es kein Unterschied. Das gilt für alle Opfer, egalob es sich um Opfer von Revolutionen, Kriegen oder anderen menschengemachten Katastrophen handelt.

Spätere Generationen werrden vielleicht(hoffentlich) neutraler beurteilen können. Dann werden sogar Politiker wie Napoleon zu nationalen Helden. Dass das nicht auch für die beiden erstgenannten Diktatoren irgendwann gilt,- kann ich nur hoffen. Aber wo dann ein Lenin in der Beurteilung landet? Wenn ich mir heute die Liste der Friedensnobelpreisträger ansehe (Arrafat z.B.), zweifle ich an der Weisheit der Menschen- und die Sichtweise ändert sich leider auch mit der jeweils gültigen, nützlichen Betrachtungsweise.

Lenin setzte auch Gewalt zur Durchsetzung des Kommunismus ein. Er unterdrückte politische Gegner und errichtete das Machtmonopol der KP. Immerhin kritisierte er die Brutalität Stalins, der dann doch sein Nachfolger wurde, nachdem Trotzki und andere Konkurrenten rücksichtslos aus dem Weg geräumt worden waren.

Stalin übertraf die Gewaltbereitschaft Lenins deutlich. Er entfesselte eine Vernichtungskampagne gegen Altkommunisten, Offiziere und Großbauern, ließ Millionen umbringen oder an Hunger sterben, schürte eine paranoide Hexenjagd auf angebliche "Feinde", inszenierte peinliche Schauprozesse und ließ sich im Zuge des Stalinkultes als übermenschlicher, weiser Führer des Proletariats feiern.

Beide sind abschreckende Beispiele, wie man Politik nicht machen soll. Sie sind auch letztendlich vollständig gescheitert. Ihr Kommunismus war eine blutige Sackgasse.

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