Um was geht es bei Immanuel Kants Kritik der praktischen vernunft/ reinen vernunft/urteilskraft?

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4 Antworten

Es gibt objektiv gesehen keine vernunft. Nur im zusammenspiel mit Menschen, Umwelt etc. lasse sich verhaltensweisen ableiten, die als empfehlung herhalten können, so habe ich das verstanden.

Zumindest bei der Kritik der reinen Vernunft (KrV) kann ich Dir weiterhelfen und Dir in groben Zügen die dahinterliegende Erkenntnistheorie erklären.

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Entscheidend: Hier findet die sogenannte kopernikanische Wende statt: In der Frage, wie der Mensch die Welt wahrnimmt stehen nun nicht mehr die Gegenstände im Mittelpunkt der Wahrnehmung, sondern die Art der menschlichen Wahrnehmung. Dies ist die Wende zum Subjekt.

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Weiterhin versucht er mit der KrV einen Bogen zu spannen zwischen dem Rationalismus (René Descartes) und dem Empirismus (David Hume). Er wird mit dieser Kritik auch als Zermalmer der Metaphysik beschrieben, da er deren traditionellen Themen (Theologie, Kosmologie und Psychologie) aus dem Kreis der möglichen Wissenschaften herausschmeißt.

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Zu unterscheiden sind erstmal 4 Erkenntnis-Ebenen: Die des Dinges an sich, die der sinnlichen Anschauung, des Verstandes und der Vernunft.

Das Ding an sich liegt jeder Erscheinung zugrunde. Es ist nicht beschreibbar und nicht vorstellbar, da es als das der Erscheinung außerhalb von Raum und Zeit zugrundeliegende beschrieben wird, das vollkommen eigenschaftslos ist. Damit ist es nicht beschreib- oder vorstellbar.

Dieses Ding an sich erscheint uns nun mithilfe unserer sinnlichen Anschauung. Diese ist gefiltert durch die Formen der sinnlichen Anschauung: Zeit und Raum. Alles, was wir wahrnehmen, nehmen wir in Zeit und Raum wahr. Anders können wir nicht wahrnehmen. Diese Anschauungsformen sind a priori (d.h.: außerhalb der Erfahrung), es ist nicht anders möglich.

Auf der Ebene des Verstandes werden die unsortierten sinnlichen Anschauungen, gefiltert durch die Anschauungsformen Zeit und Raum (und mit dem dahinterliegende Ding an sich)in Schubladen gesteckt: a priori Verstandesbegriffe werden auf sie angewendet (das sind die Kategorien, welche in 4 große Gruppen zu jeweils drei eingeteilt sind). Auf dieser Ebene kann nun die Wissenschaft auf die Gegenstände zugreifen. Jedoch immer nur so, wie sie uns ersscheinen (Wende zum Subjekt), nicht wie sie "an sich" sind (Ding an sich).

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Nun kommt die Ebene der Vernunft ins Spiel: Um zu "funktionieren" braucht der Mensch, bzw. die menschliche Vernunft verschiedene Voraussetzungen, von denen sie zwar ausgeht, über deren Wirklichkeit sie jedoch nichts aussagen kann. Dies sind die relulativen Ideen der Vernunft: Welt, Seele, Gott.

Die Vernunft muss sich die Idee der Welt vorstellen, um eine mit sich identische und sich durchtragende Außenwelt anzunehmen, die sie nie als Ganzes sieht. Dies ist der Bereich, der in er klassischen Metaphysik mit "Kosmologie" bezeichnet wurde.

Die Idee der Seele ist entscheidend, um von einer Ich-Identität auszugehen, davon, dass jeder Mensch mit sich selbst identisch bleibt, auch wenn er sich verändert. Dieser Bereich gehörte in der traditionellen Metaphysik in die Psychologie.

Und schließlich muss die Vernunft - so Kant - die Idee Gottes annehmen, um - und hier kommt der Anschluss zur 'Kritik der praktischen Vernunft', bzw. zur 'Grundlegung der Metaphysik der Sitten' - die Moral zu verankern (damit diese nicht menschlich begründet ist, sondern vor jemandem).

Da die regulativen Vernunftideen reine Vorstellungen der Vernunft sind, kann der Verstand auf sie nicht zugreifen - d.h., dass sie aus dem Bereich der möglichen Wissenschaften (vor allem der Philosophie) herausfallen.

Damit hat Kant die Themen der traditionellen Metaphysik aus dem Bereich des philosophischen Nachdenkens herausgenommen.

Kurz zusammengefasst (wenn auch in meinen Augen nicht unbedingt verständlicher) hat er die Grundzüge der KrV nochmal in den "Prolegomena einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können".

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Kritisiert wurde im Nachhinein vor allem die Vorstellung des Ding an sich, im Deutschen Idealismus vor allem die regualtiven Ideen der Vernunft. Fichte machte in seinem subjektiven Idealismus das Ich (bei Kant Seele) zum Ausgangspunkt, Schelling im objektiven Idealismus die Welt (neben der Seele) und Hegel im absoluten Idealismus den absoluten Geist (das kommt in Anlehnung an Kant mit der Idee eines Gottes überein).

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Soviel erstmal in der verkürzten Form. Man könnte natürlich noch viel mehr dazu sagen - aber das bekomm ich aus dem Kopf nicht mehr hin und meine Bücher dazu hab ich im Büro.

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Lieben Gruß - und viel Vergnügen morgen bei dem Referat! Kant macht echt Spaß, wenn man sich mit ihm auseinandersetzt.

Also: das wichtigste Werk, da meist gelesene ist die Kritik der reinen Vernunft. Der Text ist zweiteilg gegliedert: Zuerst die Analyse der Vernunft, dann die Synthese. Der Text behandelt in erster Linie die Bedingungen der Erkenntnis und bestimmt die zwei Begriffe Ort und Zeit als die a priorischen Bedingungen, welche unser Verstand einsetzt und ohne die wir nichts denken können und die nötig sind (2. Teil) um überhaupt zu Urteilen über die Welt zu kommen.

In der Kritik der Urteilskraft ist das Hauptthema unsere Fähigkeit zu ästhetischen Urteilen zu gelangen. Wie können wir entscheiden, dass etwas schön oder erhaben ist.

Die Kritik der praktischen Vernunft enthält Kants Moralphilosophie/Ethik. In ihr geht es um die Begriffe qua Bedingungen, die verstandesmässig nötig sind, um zu ethischen oder moralischen Urteilen zu kommen.

Damit ist alles und gar nichts gesagt, fürchte ich.

PS: Guck in Wikipedia nach...

... würde das Lexikon des kritischen Rationalismus hinzu ziehen.

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