Übertragungsliebe?

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2 Antworten

Der Psychologe macht gar nichts sondern der Psychotherapeut. Es wird auch keine Übertragungsliebe bewusst herbei geführt. Übertragen tut jeder Mensch das ist nicht unnormales. In einer Therapie wird eine Vertrauensbasis angestrebt da das nunmal ausschlaggebend für den Therapieverlauf ist, mehr nicht. Eine Übertragung vom Klienten auf den Therapeuten kommt sehr häufig vor eine Gegenübertragung vom Therapeuten auf den Klienten ist eher selten der Fall. Der Therapeut versteht sich darauf sich entsprechend Raum zu verschaffen und sich abzugrenzen.

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Um zunächst die Antwort von „Ostsee1982“ ein wenig zu korrigieren: Gegenübertragungsphänomene kommen nicht selten sondern häufig vor und sind Grundlage wichtiger diagnostischer Überlegungen (wie bereits Heimann in ihrem berühmten Artikel gezeigt hat). Eine Übertragungsliebe wird vom seriösen Therapeuten nicht absichtlich herbeigeführt, allerdings ist auch er nicht frei von unbewussten Bedürfnissen, die er seinerseits überträgt. Wenn er sich dieser eigenen Übertragungsanteile nicht bewusst ist, was gerade bei unerfahrenen Therapeuten der Fall sein kann, kann das eine Übertragungsliebe seitens des Klienten noch befördern. Als Beispiel seien Bedürfnisse nach Abhängigkeit oder narzisstischer Gratifikation seitens des Therapeuten genannt, die ein seinerseits abhängiger Klient unbewusst zu bedienen versucht. Natürlich ist eine positive Übertragung von Vorteil hinsichtlich des Arbeitsbündnisses, aber auch (teilweise unvermeidbare) negative Übertragungsanteile können wertvolle und fruchtbare therapeutische Ansatzpunkte bieten. Eine Übertragungsliebe ist somit auch nichts schädliches, solange sie zu irgendeinem Zeitpunkt besprochen, in den Dienst des therapeutischen Prozesses gestellt und aufgelöst werden kann.

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