Überstunden werden nicht ausgeglichen oder gezahlt?

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5 Antworten

Habt ihr sonst irgendwelche Tipps wie ich mit der Situation umgehen kann?

Was soll man Dir da raten?

Es gibt für Dich nur zwei Möglichkeiten:

Entweder Du wehrst Dich gegen diese Bedingungen und forderst Dein Recht ein - mit allen möglichen Konsequenzen (denn leider sind "Recht haben" und "Recht bekommen" viel zu oft zwei völlig verschiedene Dinge) -, oder Du nimmst es hin!

Eine Arbeitszeit von 48 Wochenstunden bei einer 6-Tage-Woche ist im rechtlichen Rahmen (anders, als in der unsinnigen Antwort von Bambi201264 behauptet).

Selbstverständlich hast Du Anspruch auf Pausenzeiten entsprechend dem Arbeitszeitgesetz ArbZG § 4 "Ruhepausen": 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 und bis zu 9 Stunden, 45 Minuten bei mehr als 9 Stunden.

Der Chef meinte dazu sinngemäß: Es sei Pause wenn kein Kunde da.

Das ist Unsinn! Pausenzeiten müssen vorher festgelegt werden, und bei einer Aufteilung der Pause muss ein einzelner Zeitabschnitt mindesten 15 Minuten betragen!

Überstunden (die Du unbedingt dokumentieren solltest) müssen Dir selbstverständlich bezahlt werden, wenn es keine inhaltlich korrekt Vereinbarung zu einer Pauschalabgeltung von Überstunden in einem bestimmten und angemessen Rahmen gibt und wenn die Überstunden nicht nur freiwillig und gegen den Wunsch des Arbeitgebers  geleistet wurden (was bei Dir ja nicht der Fall ist).

nachfragte, ob ich eigentlich auch meine Arbeitszeit dokumentieren müsse meinte er nur, das sei bei mir mit dem Lohn abgegolten

Auch das ist allerdings Unsinn, wenn es nicht im rechtskonformen Rahmen vertraglich vereinbart worden ist!

Zu den Überstunden gehören selbstverständlich auch die Vorbereitungs- und Nachbereitungszeiten, auch das Anziehen von Arbeitskleidung, wenn das nur am Arbeitsplatz möglich oder das Tragen außerhalb der Arbeitsstelle (bei Ankleiden zu hause) nicht erlaubt ist.

Ich darf pro Tag maximal 2 Überstunden machen und pro Woche darf die Arbeitszeit maximal 60 Stunden betragen.

60 Wochenstunden darfst Du nur dann arbeiten, wenn du im Durchschnitt von 6 Kalendermonaten/24 Wochen auf 8 Stunden pro Werktag kommst (§ 3 "Arbeitszeit der Arbeitnehmer").

Zur Dokumentation Deiner Arbeitszeiten:

Zunächst einmal solltest Du Dir Deine Arbeitszeiten in einem Kalender notieren, wenn sie nicht gegen die gesetzlichen Bestimmungen vom Arbeitgeber aufgezeichnet werden. Die Quittungen - wenn sie nur von Dir erstellt werden - können auch hilfreich sein, auch wenn aus ihnen nicht ersichtlich ist, wann genau Du Deine Arbeit begonnen und beendet hast.

Im Übrigen gehen die Richter bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung auch von Augenscheinbeweisen aus, berücksichtigen als die Wahrscheinlichkeit von Aussagen, Belegen und insgesamt die ihre Glaubwürdigkeit und die der Parteien überhaupt (da hätte Dein Arbeitgeber schon einmal weniger "gute Karten", wenn er es ansonsten mit der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen nicht so genau nimmt - auch wenn das selbst strafrechtlich nicht relevant ist).

Für eine gerichtliche Auseinandersetzung beim Arbeitsgericht brauchst Du zunächst einmal auch keinen Anwalt (wenn Du Dir das selbst zutraust). Die Rechtsantragstelle nimmt eine Klage (z.B. auf Bezahlung von Überstunden) entgegen; sie nimmt sie auch zur Niederschrift und und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung; Du solltest aber selbstverständlich genau wissen, was Du willst, also wofür oder wogegen Du klagen willst.

Klamottenwechsel ist immer ausserhalb der Arbeitszeit. aber die anderen Sachen sollten als Rüstzeit oder so schon berechnet w erden.

Denn sie m,üssen ja erledigt sein, bevor es losgeht.

Die Belege würde ich als "Nachweis" definitiv aufheben.

Vielleicht kannst Du Dir auch ne kleine Excelliste basteln, in der Du wie bei einem Stundenzettel Datum, Anfangszeit, Endzeit (wie gesagt ohne Kleidungswechsel) dokumentierst?

Dann hättest Du wenigstens etwas in der Hand.

Steht im Vertrag irgendetwas von "Überstunden sind enthalten/ abgegolten" oder so?

Danke für deine Antwort. Wie ich mal gelesen habe gilt das Anziehen der Arbeitsbekleidung sofern dies von der Geschäftsleitung so vorgeschrieben wurde durchaus als Arbeitszeit. Kann mich natürlich auch irren, mir gehts auch eher ums Prinzip, ich habe über 100 Stunden unentgeltlich gearbeitet bisher, da beschwere ich mich nicht übers anziehen :D Im Vertrag steht das Überstunden ausgeglichen/ausgezahlt werden. Eine Ausbezahlung ist nicht möglich da ich schon die maximale durchschnittliche Arbeitszeit von 48 Stunden die Woche erreiche, also muss ich sie abfeiern. Mir ist beides Recht.

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"Danke für deine Antwort. Wie ich mal gelesen habe gilt das Anziehen der Arbeitsbekleidung sofern dies von der Geschäftsleitung so vorgeschrieben wurde durchaus als Arbeitszeit"

So ist es auch.

Ich kenne zB Mitarbeiter aus einem Krankenhaus, da wird diese Zeit mit Urlaub verrechnet, also die bekommen einfach entsprechend mehr Tage Urlaub.

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Erstens mal ist eine wöchentliche Arbeitszeit, die sogar vertraglich vereinbart ist, sittenwidrig.

Zweitens solltest Du Deine Arbeitszeit auf jeden Fall schon mal für Dich selbst dokumentieren und der "Aushilfe" mal auf die Finger hauen.

Klar sagt Dein Chef, das ist mit dem Lohn abgegolten - ich sage, den kannst Du richtig drankriegen.

Suche Dir einen Anwalt für Arbeitsrecht, fordere den Lohn für die Überstunden nach (umziehen und Abrechnung zählt nicht dazu, Pausenanspruch bei acht Stunden/Tag = 45 Minuten mindestens (mehr freiwillig vom AG, bei Deinem sicher nicht), ab neun Stunden nochmal 15 Minuten extra, wobei Pausen PAUSEN sind, keine Bereitschaft oder so).

Hier zu Deiner Info:

http://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/

Klar ist für mich, dass ich mir bei so einem Chef schnellstens etwas anderes suchen würde, trotzdem aber die Nachforderungen stellen würde.

Vielen Dank, ich werde mir das mit dem Anwalt wirklich mal überlegen. Pausen mache ich natürlich auch keine richtigen, wie du sagst, ich bin immer auf Bereitschaft da ich die Anlage komplett alleine schmeisse und wir durchgehend geöffnet haben. Also kommen natürlich dauernd Kunden nach denen ich Ausschau halten muss. Mein Chef meinte ich solle die Zeit in der grad kein Kunde da sei als "Pause" nutzen. 

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@Traubenstampfer

Ja, wie ich mir schon dachte, ist Dein Chef halt ein übler Ausbeuter.

Bei einer vertraglich vereinbarten AZ von 48 Stunden hättest Du Dir das denken können, oder Du warst einfach froh, Arbeit zu finden.

Vielleicht kannst Du mit Deinem Chef reden und es wird dem Gesetz angepasst, aber ich schätze, Du musst wohl gleich zum Anwalt. Hoffentlich hast Du eine Rechtsschutzversicherung...

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@Bambi201264

Ja, wie ich mir schon dachte, ist Dein Chef halt ein übler Ausbeuter. Bei einer vertraglich vereinbarten AZ von 48 Stunden hättest Du Dir das denken können

Die Arbeitszeit von 48 Wochenstunden bei einer 6-Tage-Woche wie in diesem Fall ist völlig rechtskonform und Deine Aussage

Erstens mal ist eine wöchentliche Arbeitszeit von mehr als 40 Stunden, die sogar vertraglich vereinbart ist, sittenwidrig.

völliger Unsinn! Wenn Du schon auf das Arbeitszeitgesetz ArbZG hinweist, hätte Dir das auch auffallen müssen (vorausgesetzt, Du hast es überhaupt gelesen).

Auch Deine Angaben zu Pausendauer sind völlig falsch: bei Arbeitszeiten zwischen 6 und 9 Stunden sind es 30 Minuten, bei Arbeitszeiten von mehr als 9 Stunden 45 Minuten.

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@Familiengerd

Familiengerd: Dein Ton gefällt mir nicht. Ich HABE das ArbZG gelesen, aber nicht auswendig gelernt.

Dann habe ich es verlinkt, damit der Fragesteller sich erkundigen kann.

Ansonsten ist das, was Du schreibst, zwar korrekt, aber weit von der gängigen Praxis entfernt.

Dagegen ist das, was ich schreibe, das, was ich seit 31 Jahren im Berufsleben (Büro) erlebe.

Dir noch einen schönen Tag.

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@Bambi201264

Dein Ton gefällt mir nicht.

Was Unsinn ist, kann "Unsinn" genannt werden - auch wenn es Dir nicht gefällt!

Und wenn Du sagst, eine vertragliche Vereinbarung von mehr als 40 Wochenstunden sei "sittenwidrig", dann habe ich mich noch zurückhaltend ausgedrückt.

Ich HABE das ArbZG gelesen, aber nicht auswendig gelernt.

Auswendig lernen muss man es auch nicht: das Mindeste ist aber, dass man korrekte Angaben (zu Pausenzeiten, erlaubter Arbeitsdauer) macht, wenn man schon auf das Gesetz hinweist!

Ansonsten ist das, was Du schreibst, zwar korrekt, aber weit von der gängigen Praxis entfernt. Dagegen ist das, was ich schreibe, das, was ich seit 31 Jahren im Berufsleben (Büro) erlebe.

Auch das bezeichne ich mit dem, was Dir als "Ton" nicht gefällt.

Deine 31-jährige Praxis im Büro in allen Ehren: das bedeutet aber noch lange nicht, dass Deine Büro-Erfahrungen für die gesamte Arbeitswelt gelten! Es gibt mehr als genug Arbeitnehmer, die mit ihrer Arbeitszeit die gesetzlichen Grenzen erreichen oder gar überschreiten (freiwillig oder "gezwungen")!

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@Familiengerd

Alles klar, Familiengerd. Du hast Recht und ich hab meine Ruhe.

Übrigens war ich in der Zeit in zehn verschiedenen Firmen und auch zehn verschiedene Branchen und es war überall genau so wie hier.

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@Bambi201264

Erstens beweist das nichts, und zweitens ändert das auch nichts an meiner Aussage, dass viele Arbeitnehmer 48 Stunden - oder gar mehr - arbeiten (müssen).

Alles klar, Familiengerd. Du hast Recht und ich hab meine Ruhe.

Darum geht es wohl kaum!!!!

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Ups, ich wollte natürlich schreiben: ...eine wöchentliche Arbeitszeit von mehr als 40 Stunden...

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@Bambi201264

bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden ist der Chef ein Ausbeuter?

Dir ist aber schon bewusst, daß Millionen Menschen in Deutschland 40 Stunden und mehr in der Woche arbeiten...?

Kann ja nicht jeder Millionär sein.

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@meini77

Meini: MEHR ALS! :) Ich arbeite auch 40 h/w, aber auch nur selten mehr.

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Wenn Arbeitskleidung gefordert ist, und diese am Arbeitsplatz anzulegen ist, ist dies durchaus Arbeitszeit.
Da gibt es relativ aktuelle Gerichtsurteile.

Ebenfalls ist Kasse zählen Arbeitszeit.

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Das mit dem umziehen muss wirklich nicht bezahlt werden, jedoch solltest du künftig versuchen deine Stunden einzuhalten, da es schwer wird im nachhinein diese Zeiten einzuklagen.

Wenn dies absolut nicht möglich ist, dann die Stunden immer aufschreiben und einreichen, falls sie nicht bezahlt oder in Freizeit abgegolten werden, einfach mal im Personalbüro fragen, warum dies so ist, da es in deinem AV doch formuliert wäre.

Der Aushilfe würde ich deutlich sagen, dass du ihr zu spät kommen nicht weiter unterstützt und dies der Geschäftsleitung mitteilen wirst, wenn sie sich nicht bessert.

Beim umziehen kommt es drauf an.

Da gibt es mittlerweile genug Urteile zu.

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"...solltest du künftig versuchen deine Stunden einzuhalten,..."

Das geht wohl kaum, wenn man nicht erst zur Öffnungszeit anfangen kann, zu arbeiten, wenn schon die ersten Kunden vor der verschlossenen Tür stehen.

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Deine Arbeitszeit beginnt, wenn Du die Arbeit aufnimmst - also, wenn Du die Waschanlage vorbereitest. U.U. kann auch das Umziehen zur Arbeitszeit gehören (https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/arbeitskleidung-umziehen-und-duschen-als-bezahlte-arbeitszeit_76_316644.html).

Auch die Tagesabrechnung nach Schließung der Anlage gehört zur Arbeitszeit.

Tip: erstelle mal ab nächstem Montag eine Liste, in die Du Beginn und Ende der Arbeitszeit sowie Pausen notierst und lege sie Deinem Chef vor. Frag' ihn dann, wie die Überstunden abgegolten werden.

Es gibt in der Tat Arbeitsverträge, in denen sinngemäß steht "incl. aller Überstunden" - solche Formulierungen sind aber unzulässig und damit ungültig.

Er sollte das ruhig auch rückwirkend - so genau wie möglich - erstellen, nicht erst ab Montag.

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