Überschuldet. Wie komme ich raus?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Du hast 60.000 Schulden, plus Zinsen (die können nochmal 60.000 Euro ausmachen!). Eine Verbraucherinsolvenz dauert ca. 6 Jahre. Deshalb geht die Rechnung so:

60.000 Euro geteilt durch 6 Jahre sind 10.000 Euro pro Jahr. Pro Monat ca. 830 Euro plus laufende Zinsen.

Bei einer Insolvenz musst du nur den pfändbaren Anteil vom Netto - einkommen abgeben. https://www.p-konto-info.de/pfaendungstabelle.html Da kannst du ausrechnen, was du höchstens abgeben musst pro Monat.

Vermutlich zahlst du in der Insolvenz deutlich weniger, als wenn du versuchst, diese Schulden (mit Zinsen) abzuzahlen. In der Insolvenz kannst du dir auch deinen Nebenjob sparen.

Wenn die Insolvenz billiger ist, ist sie der richtige Weg. Dafür braucht man sich auch nicht zu schämen. Der Bundestag hat diese Regelung (unter Kohl) extra geschaffen, damit Menschen aus der Schuldenfalle herauskommen und psychisch gesund bleiben / werden. Die Banken sollen ihre Geschäfte machen können, aber sie sollen niemanden kaputt machen dürfen.

Vor allem wirst du erleben, dass du mit einer Insolvenz plötzlich keine Post mehr von Gläubigern erhalten wirst. Alles wird geregelt sein. Du kannst du nachts plötzlich gut durchschlafen. Denn du hast plötzlich alle deine großen Sorgen nicht mehr. Menschen, die nach jahrelangen Problemen mit Schulden ein Insolvenzverfahren machen, blühen förmlich wieder auf. Depressionen verschwinden, man lacht wieder und freut sich am Leben.

Die Sorge, dass dein Arbeitgeber das mitbekommt ist vermutlich unbegründet. Der wird das zwar mitbekommen, aber da muss man wissen: Die Lohnbuchhaltungen der Unternehmen haben bei ca. 10% aller Arbeitnehmer regelmäßig mit Pfändungen /Abtretungen/ Insolvenzverfahren zu tun. Das ist dort Routine. Auch die Buchhaltungsprogramme sind so gemacht, dass die gepfändeten Beträge unproblematisch herausgerechnet und an die Gläubiger gezahlt werden. Bei den meisten Unternehmen spricht man nicht darüber. Kein Arbeitgeber will seine Arbeitnehmer damit in Schwierigkeiten bringen. Deshalb wirst du vielleicht auch bei deinem Arbeitgeber nicht erfahren, wer betroffen ist.

Ein Rat: gehe, wenn es dazu kommt einfach zum Chef oder besser in die Lohnbuchhaltung und spreche mit denen. Sage es wie es ist. Dann ist das Problem gelöst.

Bei einer Insolvenz ist das, was man in seinem eigenen Kopf denkt, das größte Problem. Das macht einen psychisch fix und fertig. Der Rest kann geregelt werden.

(Noch zwei Anmerkungen:

Der andere Weg, nämlich mit den Gläubigern zu verhandeln und Nachlässe zu bekommen, geht i.d.R. nicht. Denn Gläubiger, v.a. Banken, wollen verhindern, dass sich herumspricht, dass man als Schuldner Nachlässe aushandeln kann. Deshalb blockieren die lieber.

Wenn der Anwalt Raten heraushandelt, kann er wesentlich höhere Gebühren einfordern, als wenn er einen Insolvenzfall abwickelt. Oft hat man am Schluss nur noch höhere Schulden. Auch der Umstand, dass der Anwalt von den Gläubigern bezahlt wird, ist nicht gut. Dann wird er im Zweifel auch eher deren Interesse fördern)

 

Mein Problem ist, dass ich Weiterbildung bis 05.2017 mache und mein AG zahlt die Hälfte davon. Es wäre für mich mega peinlich, weil er so viel tut für mich und ich eine gute Position in der Firma habe, auch im Bereich Assistenz und FiBu. Mit besten Willen kann ich jzt nicht IV machen. Ich muss noch bis Sommer durchhalten. Meine Eltern sind bereit mich bis dahin monatlich zu unterstützen, damit ich bis Sommer schaffe.In 4 Monate habe ich 2 kleine Kredite schon weg. Der 3 ist im Sommer abbezahlt. Dann habe ich nur noch 496 und 221 und bei Hausbank 6000 € Dispo. Den Dispo kann ich mit Sommerbonuszahlung und Urlaubsgeld und Steuererklärung zur Hälfte bis Mitte 2017 ausgleichen. So hätte ich dann nur noch 720 € im Monat Schulden. Aber danke dass du mir vernünftige Antwort gibt und alles erläuterst. Ich hätte noch eine Frage. Ich habe ein Auto v. Wert 4500 €. Das Auto gehört mir. Wenn IV melde, dann muss ich das Auto abgeben. Wie kann ich das verhindern oder was kann ich machen? Ehrlich kann ich auch mit dem Bus zur Arbeit fahren, weil ich direkt in München wohne. Nur ich weiß genau, wenn ich später mich woanders bewerbe, z. B. ausserhalb München, dann habe ich keine Chance ohne Auto. Kann ich mein Auto umschreiben oder schenken? An Familienmitglieder ist blöd oder? Habe gelesen, alles was ich in den letzten 2 Jahren verakufe wird genau überprüft. Kannst du mir hier Tipps geben? Danke.

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@iqballeenah

Ich verstehe. Vielleicht schaffst du es auch ohne Insolvenzverfahren. Wichtig ist dabei: große Disziplin und keine neue Schulden. Schulden sind Mist.

Verkäufe und Schenkungen werden genau überprüft. (Muss man alle angeben im Rahmen einer Verbraucherinsolvenz)

Ein Auto kann man dann behalten, wenn man es beruflich braucht, z.B. um zum Arbeitsplatz zu kommen. Es darf aber nicht zu viel Wert sein.

Weitere Möglichkeit: Ein Auto das man geliehen hat, kann man natürlich auch in der Insolvenz haben, egal ob man es beruflich braucht oder nicht. Wenn deine Eltern dich sowieso unterstützen, bietet sich folgende Möglichkeit an: Du verkaufst deinen Eltern dein Auto für 4500 Euro. (tatsächlicher Wert des Autos.) Der Kaufpreis wird nicht ausgezahlt, sondern mit den bisherigen Zahlungen der Eltern an dich verrechnet. Die Eltern überlassen dir kostenlos das Auto zur Nutzung. Du kannst das Auto weiter auf dich als Halterin zulassen und versichern. (Eigentümer muss nicht auch Halter sein.)

(schriftlicher) Kaufvertrag über Auto.

1. Das Auto aaaa (genaue Bezeichnung, Baujahr, Km-Stand) wird hiermit von xxx (dein Name, Adresse) an yyyy (Name Elternteil, Adresse) verkauft und übereignet.

2. Der Kaufpreis beträgt 4500 Euro.

3. yyy habt an xxxx ein zinsloses Darlehen in Höhe von 4500 Euro gewährt. Das Darlehen wurde durch verschiedene Zahlungen an xxxx in den vergangenen drei Jahren ausbezahlt. Zum Zwecke der Rückzahlung des Darlehens wird hiermit vereinbart, dass die Darlehensforderung mit dem Kaufpreis aufgerechnet wird.

Datum Unterschrift.

Die Zahlungen der Eltern an dich sollten dokumentiert werden (Kopien Kontoauszug, ...) außer bei Barzahlungen

Viel Glück!

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@Hugito

Vielen lieben Dank Hugito !!! Ja es wird hart, aber ich geben mein Bestens!!! Sehr hilfsreife und kompetente Antwort. Top :)

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@Hugito

Muss ich so ein Vertrag notariell beglaubigen lassen oder reicht die Unterschrift von beiden Personen? Warum schreiben viele Leute, dass alles was ich innerhalb der letzten 2 Jahren verkauft habe,wird vom Insolvenzverwalter überprüft und wenn was im Gange war ist sogar strafbar ????  Nicht dass ich später noch mehr Ärger und Sorgen habe. Habe mal ausgerechnet, wenn ich PI anmelde: 1740 € -467 Pfändung  €= 1273 € bleibt übrig. 1273 € - 767 € Miete - 70 € Telefon - 18 € GEZ - 15 € home tv - 38 € Strom - 40 € Versicherung - 50 € Tanken - 50€ Rücklage = 225 € für Essen, Hygieneartikel,Kleidung und sonstiges (Apotheke,Reparatur Auto, Wohnung).Wie soll ich 6 Jahre lang das schaffen? Ich kann kein Cent sparen. Es geht mir mehr um Kosten, die plötzlich kommen. Auto geht kaputt, Waschmaschine, man braucht neue Schuhe usw. Wenn ich Steuererklärung mache, dann wird doch auch komplett gepfändet? Ich bekomme noch von AG Bonuszahlung mit einem zusätzlichen Gehalt und Urlaubsgeld 550,00 € im Sommer. Wird das dann auch komplett gepfändet? Danke im Voraus.

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@iqballeenah

Der Vertrag muss nicht notariell beglaubigt werde (er würde auch mündlich gelten). Zu Nachweiszwecken ist aber Schriftform sinnvoll. (In einer Insolvenz wird geprüft, ob man vor der Insolvenz wertvolle Sachen aus der Insolvenzmasse herausgenommen hat um zu verhindern, dass die Gläubiger das Geld bekommen. Z.B. wenn jemand sein teures Auto verschenkt und dann Insolvenz anmeldet. Der Insolvenzverwalter kann diese Schenkung anfechten. Wenn du alles was vorgefallen ist, z.b. den Verkauf des Autos, in der Insolvenz angibst, dann machst du dich nicht strafbar.)

Nun zu deiner Rechnung: Soweit ich sehe, hast du das richtig ausgerechnet. Es wird wenig übrig bleiben. Vor allem würde es Sinn machen, nach einer günstigeren Wohnung zu schauen. Wenn du später weiter außerhalb arbeitest, wie du geschrieben hast, bietet sich das vielleicht an.

Aber schaue doch diese Zahlen an: Bei einer Insolvenz sind monatlich 467 Euro weg = in 6 Jahren 33.624 Euro. Wenn du deine Schulden alle zahlst, dann kannst du auch nichts ansparen und musst 60.000 Euro plus Zinsen zahlen. Eine Insolvenz macht also schon Sinn.

Urlaubsgeld ist glaube ich überhaupt nicht pfändbar. Bonuszahlungen erhöhen einfach das monatliche Entgelt, so dass man das aus der Pfändungstabelle ablesen kann, was davon weg ist. Steuerrückerstattungen aus der Zeit des Insolvenzverfahrens (ca. 1 Jahr) kann der Insolvenzverwalter einziehen. In der folgenden "Wohlverhaltensphase", ca. 5 Jahre, darf man die behalten.

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@Hugito

Ich habe jzt 6000 € Dispo und VISA bei Postbank. Am 11.11.16 habe ich Termin bei Schuldnerberatung in Caritas. Wie funktioniert Eröffnung eines neuen Konto bei anderer Bank? Gehe ich einfach online z.B. bei Sparkasse und eröffne ein neues Girokonto oder muss ich gleich ein P-Konto beantragen? Kenne mich gar nicht aus. Meinst du muss ich das jzt schon machen oder erst nach dem Termin bei SB? Wenn jetzt und sofort, dann auch gleich meinen Arbeitgeber neue BV mitteilen für Gehaltsüberweisungen? Ich entschuldige mich für so viele Fragen aber bin echt verzweifelt und weiß nicht was ich jetzt machen soll.

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@iqballeenah

Du kannst jederzeit ein neues Konto woanders beantragen. Bei manchen Banken geht das online, sonst sich einen Termin geben lassen.

Ob Du jetzt schon ein neues Konto / oder ein P - Konto aufmachen solltest, das würde ich erst mit der Schuldenberater/ in  besprechen.

(Du wirst das schon schaffen. Das Wichtigste ist, dass du darauf achtest, deine psychische Stabilität und Gesundheit zu erhalten.) 

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Wie Du weiter unten schreibst hast Du in 4 Wochen einen Termin zur Schuldnerberatung, solange mußt Du versuchen durchzuhalten.

Lege Dir in der Zwischenzeit alle Unterlagen zu Deinen Schulden und zu Deinem Einkommen, sowie zu den laufenden Ausgaben zum Lebensunterhalt zurecht. Ebenfalls solltest Du Dir Gedanken machen ob Du nicht einge Sachen verkaufen kannst um einen möglichst hohen Betrag in bar zur Verfügung zu haben. Eventuell kann die Schuldnerberatung damit Vergleiche aushandeln.

Solltest Du nicht an Barkapital kommen ist eine Privatinsolvenz durchaus wahrscheilich, das kommt aber darauf an wie die Gläubiger auf die Anschreiben der Schuldnerberater reagieren. Zudem ist das Finanzgefüge, das Du in Deiner Frage offenbart hast, ohnehin kurz vor dem Kollaps. Eine PI ist kein Weltuntergang, kann aber durchaus dafür sorgen daß man wieder ohne finanzielle Probleme wieder einigermaßen beruhigt schlafen kann.

Da ist wirklich Hilfe von einem Fachmann (oder Fachfrau) angesagt. Die schreiben hier aber nicht. Den Termin solltest du auf jeden Fall wahrnehmen.

Bei so vielen Gläubigern und einer so hohen Summe wird es wohl auf eine Privatinsolvenz hinauslaufen. Ansonsten bewegst du dich immer im Kreis in einer endlosen Spirale aus Zinsen und Zuschlägen. Da kommst du nur mit arbeiten und zahlen nicht wieder raus.

Aber warte mal ab, was der Beratungstermin so ergibt.

Bleibt mir nichts anderes übrig. Vlt lohnt sich mit Ingdiba zu telefonieren und sagen, ich habe offene Schulden bei VISA Karten von anderen Banken und benötige Krediterhöhung oder Ratenpause und weiter zahlen zu können, sonst muss ich PI melden? Was sagt ihr dazu?

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Damit verschiebst du das Problem nur bzw. verlagerst es, löst es aber nicht. Noch mehr Schulden machen um hohe Schulden abzubezahlen funktioniert nicht langfristig. Es laufen immer wieder neue Zinsen auf  die sich über die Jahre wieder aufsummieren.

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