Über die Bundeswehr bei der Lufthansa Pilot werden? Sinnvoll?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo,

fast könnte man sagen, diese Frage ist so alt wie die Menschheit - oder die Fliegerei. Nein, es ist nicht sinnvoll, sich bei der Bundeswehr zu bewerben, um dann in der Zivilfliegerei anzufangen. Diese Entscheidung musst Du zu Beginn Deiner beruflichen Entwicklung stellen; warum?

Die Voraussetzungen heute stimmen nicht mehr mit denen von vor, sagen wir, 10 Jahren überein und werden auch gegen Ende Deiner militärischen Laufbahn nicht mehr mit den heutigen übereinstimmen, da sie ja immer an die aktuelle Lage angepasst werden.

Ein Soldat geht per Definition hohe Risiken ein und z. B. das Fliegen eines Kampfjets im Konturenflug 30 m über dem Boden und unter Feindbeschuss erfordert einen ganz anderen Typ von Mensch als in der Zivilfliegerei, wo man solche Leute, jedenfalls im "alten" Europa, weniger gerne sieht. Lass Dich nicht durch US-Filme - oder auch die Wirklichkeit dort - beeinflussen.

Ein Militärpilot ist ein Einzelkämpfer, der im Team arbeiten kann, aber er trifft vor Ort eine Entscheidung über Leben und Tod. Und die Aufgabe eines Soldaten ist es, zu töten, nicht, an Paraden teilzunehmen oder in einer Fliegerkombi die Mädels zu beeindrucken.

In einem Airlinercockpit wird aber auf das CRM, dass Crew Ressource Management, in einem Multi Crew Cockpit, sehr großen Wert gelegt, so groß, dass dies sogar ein eigener Punkt in der theoretischen Fliegerausbildung ist. Dort nennt er sich MCC, Multicrew Coordination Concept.

Bei den Transportpiloten sieht es etwas günstiger aus: Sie bekommen die Grundausbildung an der LH-Flugschule in Bremen, inkl. MCC. Und für die Bw-Airbus-Piloten wäre ein Umstieg natürlich am einfachsten, aber warum sollten sie das tun? Auch sie können, ein gültiges Medical vorausgesetzt, bis zum Ruhestand fliegen. Und Politiker fliegen oder Soldaten, die sich nicht beschweren dürfen/können, ist doch einfacher. Die C-160, Orion P3 und A-400M-Piloten haben auch weniger Probleme als Kampfjetpiloten.

LH fordert ja von Militärpiloten "... eine kommerzielle Lizenz, die nicht älter als zwei Jahre ist (Datum Umschreibung)." Dazu gibt es eine Übereinkunft zwischen Luftwaffenamt und Luftfahrt-Bundeamt, aber, und hier kommt der Zeitfaktor ins Spiel, die wurde in den letzten fünf Jahren schon mal überarbeitet und kann auch weiterhin jederzeit geändert - oder sogar ganz gestrichen werden.

Du musst Dich ja bei der Bw für mindestens 16 Jahre verpflichten. Wirst Du Berufssoldat, hat sich der Wechsel sowieso erledigt. Ansonsten ist es nach 16 Jahren nicht einfach, aus einem Betrieb mit strikter Hierarchie in ein Unternehmen zu wechseln, dass auf Zusammenarbeit, kritisches Hinterfragen und der gemeinsamen Suche nach Lösungen (auch unter Zeitdruck) setzt. Die Zeiten, in denen der Kapitän sagte, wo es langging, sind vorbei.

Außerdem ist eine externe Bewerbung als RE (Ready Entry) nicht einfacher, sondern im Gegenteil schwieriger. Neben dem DLR-Test wirst Du von LH-Prüfern einer eingehenden Prüfung - auch im Simulator - unterzogen. Es gibt nur ganz wenige Militärflieger, die das schaffen, meistens ehemalige Staffelkapitäne oder Testpiloten - und deren Zahl ist doch sehr begrenzt.

Also, entscheide Dich VOR einer Ausbildung! Du hast ja noch ein paar Tage Zeit.

Danke für den Stern!

0

Hallo,

die Lufthansa stellt seit 2011 keine Bundeswehr-Piloten mehr ein (Ready-Entries werden ja sowieso auf Ewigkeiten nicht benötigt und für Luftwaffe gibt´s Einstellungsverbot).

Hi,

"für Luftwaffe gibt´s Einstellungsverbot". Nun, zumindest bis 2012 galt das nicht:

Laut Brigadegeneral Günter Katz, Leiter des Stabes "Ausbildung des fliegenden Personals“ im Kommando Einsatzverbände der Luftwaffe, hatte die Bw 2012 rund 2.000 Bewerber, davon blieben 86 übrig, davon wurden 24 Jetpiloten. Katz: "Je mehr Bewerber, desto besser, denn dann können wir uns die Besten auswählen.“

(Quelle: Interview in „Karriereguide 2014 - Luftfahrtberufe“, Seiten 51-53)

Das klingt für mich durchaus zukunftsorientiert. General Katz hätte doch bestimmt einen Einstellungsstopp angesprochen.

Dass im Rahmen des Projekts "Luftwaffe 2020" weniger Piloten benötigt werden, ist klar, aber ein Einstellungsverbot? Es reicht doch, die Anforderungen zu erhöhen. Dann können die neuen Bewerber in Ruhe studieren und sich dann der Fliegerei widmen.

Damit ich aber in Zukunft den Möchtegern-Himmelsstürmern bei uns im Ort nichts Falsches erzähle: Gibt's da bei der Luftwaffe oder sonstwo eine Info zum Einstellungsstopp? Auf der Luftwaffenseite habe ich nichts gefunden.

Und auch bei LH steht immer noch (heute) das Angebot für Bw-Piloten als Ready Entry - und andere auch - ohne einen Vermerk auf einen Einstellungsstopp, im Gegenteil: Die Dioptriengrenze für REs wurde auf +/- 5 angehoben.

0

Seit wann muss man bei der Lufthansa seine Ausbildung selbst bezahlen? Das letzte Mal als ich auf der Homepage war, wurde damit geworben dass die Ausbildung nur im Fall von Abbruch zurückgezahlt werden musst, ansonsten jedoch zu Kosten des Arbeitgebers fällt.

Als Offizier im Fachdienst (OffzMilFD) wirst du in der Regel mit Ernennung zum Leutnant Berufssoldat bzw.die Ernennung beinhaltet deine Einverständnis dafür. Ich würde mir bei diesem Schritt nicht all zu viele Gedanken darüber mache, was ich nun alles mit meiner Ausbildung zivil tun könnte.

Die Bundeswehr braucht eine gewisse Sicherheit ihre Schützlinge zu halten. Ein Fluglotse hätte sonst auch keinen Grund nach seiner Ausbildung beim Bund zu bleiben und nur 1/4 vom zivilen Gehalt zu verdienen.

Hi, natürlich muss man einen Teil der Ausbildungskosten - nicht alles - selbst bezahlen und das sind aktuell rund 70.000 Euro. Die kann man bar hinlegen oder als Kredit aufnehmen. Der Vorteil der LH-Ausbildung ist, dass LH einem Bewerber diesen Kredit gewährt und ihn bei Zustandekommen eines Arbeitsvertrages über Ratenzahlung wieder einfordert.

Aber auch das steht auf der Hommage der LH-Piltoenseite. Das Verfahren gibt es schon seit mittlerweile 60 Jahren.

Und Pilot bei der Bundeswehr wird man nicht nur als Offizier im Militärfachlichen Dienst (OffzMilFD). Die Broschüre "Fliegerischer Dienst (PDF, 716 kB)" führt nämlich auf:

  • Bildungsvoraussetzungen für die Einstellung in die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes

  • Bildungsvoraussetzungen für die Zulassung zur Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes

und geht dann auf die Unterschiede ein. Und die Bundeswehr sollte es eigentlich wissen ;-)

3
@rudim1950

Ich nehme meine Antwort zum großen Teil zurück und hab mich da auch nochmal etwas schlau gemacht... Hab da mit der Umstrukturierung von NH-90 und CH-53 wohl was ganz verkehrt verstanden :P

Aber Daumen hoch für die inhaltlich gute Korrektur

0

Was möchtest Du wissen?