Tschechien zu Großdeutschland.

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Die Revolution 1848/9 wurde niedergeschlagen, insofern beruht die Frage auf einer nicht zutreffenden Voraussetzung. Ist möglicherweise ein gedachtes „nicht“ nicht in den Wortlaut des Fragetextes hineingekommen?

Damals gab es keinen Staat Tschechoslowakei oder „Tschechische Republik“ (offizielle Wiedergabe des jetzigen Staatsnamens in der deutschen Sprache; „Tschechien" ist eine Kurzform dafür und ein schon 1876 belegtes Wort). Im Kaisertum Österreich gab es die Kronländer Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien (Herzogtum Ober- und Niederschlesien).

Für die deutsche Frage gab es damals drei Möglichkeiten:

1) Einbeziehung des gesamten Gebietes des Kaisertums Österreich

2) großdeutsche Lösung: deutscher Nationalstaat, der alle deutschen Gebiete (vor allem entsprechend der Bevölkerung, aber teilweise auch stärker historisch ausgerichtet) einschließlich der im Kaisertum Österreich liegenden umfassen sollte

3) kleindeutsche Lösung: deutscher Nationalstaat ohne Gebiete des Kaisertums Österreich (was eine Vorherrschaft Preußens bedeutete)

Möglichkeit 1) widersprach dem Prinzip eines angestrebten Nationalstaats, weil dann viele Gebiete mit eindeutig nichtdeutscher Bevölkerung dabei gewesen wären. Sie war auch nicht realistisch. Die Möglichkeiten 2) und 3) waren zusätzlich mit einer Machtfrage zwischen Österreich und Preußen verbunden. Um die Frage wurde lange und stark zwischen Anhängern der großdeutschen und der kleindeutschen Lösung gerungen.

Die Nationalversammlung hat zunächst am 27. Oktober 1848 eine großdeutsche Lösung beschlossen. Aufgrund eingetretener politischer Entwicklungen (vor allem die Durchsetzung eher konservativer, für den Erhalt der Monarchie mit einem Kaiser aus der Familie Habsburg eintretende Regierungskräfte im Kaisertum Österreich gegen die Revolutionäre mit militärischer Gewalt und das Verhalten der Regierung) gab es dann aber keine realistische Chance, diese zu verwirklichen.

Am 27. März 1849 wurde in der Nationalversammlung (267 gegen 263 Stimmen) eine Verfassung mit einem Erbkaiser beschlossen (kleindeutsche Lösung). Am 28. März wurde die Verfassung endgültig beschlossen und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. mit 290 gegen 248 Stimmen zum Erbkaiser gewählt.

In der Nationalversammlung in Frankfurt am Main war ein Bestreben stark vertreten, das Gebiet des ehemaligen Königsreichs Böhmen (Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) bei einer großdeutschen Lösung hineinzunehmen (geschichtliche Gründe/Argumente spielten dabei auch eine Rolle), auch wenn insgesamt dort nur eine Minderheit der Bevölkerung Deutsche waren.

Die Tschechen wären mit einer Einbeziehung in einen deutschen Nationalstaat wohl mit großer Mehrheit nicht einverstanden gewesen.

Ein Slawenkongreß vom 2. bis 12. Juni in Prag unter Vorsitz des Historikers František Palacký trat für eine Umwandlung des Kaisertums Österreich in einem föderativen Staat (ein Bund freier und gleichberechtigter Völker) ein. Palacký wünschte eine Abtrennung der böhmischen Krone von Deutschland (dem Deutschen Bund) Vereinigung der Kronländer mit tschechischer Bevölkerung und eine weitgehende Autonomie unter Beibehaltung der Monarchie (Austroslawismus).

František Palacký, der in der tschechischen Nationalbewegung mitwirkte, lehnte eine Beteiligung am Fünfziger-Ausschuß zur Vorbereitung der kommenden deutschen Nationalversammlung, zu der er eingeladen war, in einem Brief ab. Er verstand sich als ein Böhme slawischen Stammes. An den Wahlen zur deutschen Nationalversammlung beteiligen sich nur die Gebiet mit deutscher Bevölkerungsmehrheit.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Gescheitert oder nicht gescheitert hätte und hat das Gebiet des heutigen Tschechiens (vielleicht mit Ausnahmen) zum österreichischen Kaisertum gehört. Vielleicht verwirrt der Begriff der Sudetendeutschen etwas. vor allem auch deshalb, weil das heilige römische Reich (in welchem sehr wohl Deutsche und Österreicher platonisch "vereint" waren) schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr bestand. Zudem hatte das h. r. R. keineswegs mehr die Bedeutung eines Staates wie wir es heute verstehen. Aber ich muss eingestehen, man muss schon sehr genau formulieren. Prag war ja auch nicht die Hauptstadt des deutschen Reiches, sondern die Residenzstadt des heiligen römischen Reiches (deutscher Nationen).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die Revolution ist doch gescheitert?!

Auch die vor allem im Herbst 1848 und bei der Reichsverfassungskampagne im Mai 1849 neu aufflammenden Höhepunkte der Erhebungen, die regional teilweise bürgerkriegsähnliche Ausmaße annahmen, konnten das letztliche Scheitern der Revolution in Bezug auf ihre wesentliche Kernforderung nicht mehr aufhalten. Bis Juli 1849 wurde der erste Versuch, einen demokratisch verfassten, einheitlichen deutschen Nationalstaat zu schaffen, von überwiegend preußischen und österreichischen Truppen gewaltsam niedergeschlagen.

http://de.wikipedia.org/wiki/1848er-Revolution

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von riara
09.10.2010, 19:38

Und was hat das mit der Tschechoslowakei zu tun???

0

Erstens: die Revolution von 1848 ist -leider- gescheitert.

zweitens: Den Begriff eines "Großdeutschland" gab es zu jener Zeit nicht, es war allenfalls vom Deutschen Bund und danach vom Deutschen Reich die Rede.

Im Deutschen Bund war Tschechien noch enthalten (wie Österreich u.a.), im Dt. Reich nicht mehr.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von riara
09.10.2010, 19:37

Wenn man das mit der 'Revolution' erklären will, muss man auf das Hambacher Fest von 1832 hinweisen, die Tschechoslowakei war aber nie Teil nationalstaatlicher Überlegungen, da diese schon Traditionell eher zur österreichischen Donaumonarchie und dem Königreich Österreich-Ungarn gehörte, nicht umsonst war es nach dem 1. WK für eine kurze Zeit ein Teil von Ungarn...

0

Das ist hier ein ziemliches Durcheinander, die Tschechoslowakei gab es nämlich erst 1918, vorher war sie Teil des HRR und zuletzt war Preussen die dominierende Kraft im deutschen Bunf, was ich jetzt gar nicht vertiefen will , sonst wird es noch komplizierter...:-)

Die Tschechoslowakei war niemals Teil eines 'Grossdeutschlands' oder des 'Deutschen Reiches' und wenn man überhaupt von einer deutschen Region innerhalb der Tschechoslowakei sprechen könnte, dann wäre es wohl das Sudetenland mit vielen deutschsprachigen Bewohnern...

Die Slowakei hat es kurz nsch 1918 gegeben, das Land Tschechien entstand erst nach dem Zusammenbruch des OStblocks...nur mal so als Information...:-)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

hätte, wenn und aber interessiert keinen mehr. was denkst du was den osmanen oder den römern alles noch gehört hätte, wenn einige sachen anders gelaufen wären

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von LeoENte
09.10.2010, 17:54

Mich interessiert es, sonst hätte ich wohl nicht gefragt!

0

Was möchtest Du wissen?