Trotz weniger Einkommen mehr Steuern zahlen?

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2 Antworten

Ganz einfach: Arbeitslosengeld wird (wie jede Lohnersatzleistung) zwar steuerfrei ausbezahlt - unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt.

Bei Wahl der Steuerklassen 3/5 seid ihr ja definitiv gemeinsam veranlagt und Dein Gehalt wird da eben eingrechnet. Ein Steuerberater kann Euch das detailliert erklären.

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Ihr erlebt dabei die Wirkung des Progressionsvorbehaltes. Lohnersatzleistung sind sind eine Art steuerfreier Schadenersatz für entgangenen Lohn.

Folgendes passiert: Es werden die steuerpflichtigen Einnahmen (wie Lohn oder Einnahmen im Gewerbebetrieb) genommen. Davon werden die Werbungskosten bzw. Kosten abgezogen.

Dann werden die Sonderausgaben abgezogen. Das sind in der Regel Spenden und Versicherungsbeiträge.

Ferner kommen die außergewöhnlichen Belastungen zum Abzug.

Dieses ergibt das zu versteuernde Einkommen. Diesem Ergebnis zugerechnet werden die Lohnersatzleistungen. Mit diesem Ergebnis wird der Steuersatz (bei Euch der Splittingtarif für Ehegatten) ermittelt. Es wird also für die Berechnung jetzt so getan, als ob die Einnahmen steuerpflichtig wären.

Der sich auf den erhöhten Einkommensbetrag ergebende Steuersatz wird dann auf das zu versteuernde Einkommen angewendet. Bei Lohnsteuerklasse III sind allerdings alle Freibeträge und andere positive Folgen der Zusammenveranlagung bereits eingerechnet.

Hier entsteht jetzt die Nachzahlung.

Ob allerdings ein Wechsel der Lohnsteuerklassen bei Euch sich positiv auswirkt ist im Einzelfall zu prüfen. Früher war dieses problemlos möglich. Weil aber Auswirkungen bei den Lohnersatzleistungen folgen ist das nicht mehr so unproblematisch.

Wenn es erlaubt wäre, dann würde sich nämlich das Arbeitslosengeld I erhöhen. Natürlich sich auch ein höherer Lohnsteuerabzug ergeben.

Danach müsste man prüfen ob eine Zusammenveranlagung günstiger ist oder eben die getrennte Veranlagung. Das kann man allerdings so schon tun.

Eine allgemeine Aussage ist nicht zu treffen. Da die einzelnen persönlichen Gegebenheiten zu unterschiedlich sind. Das wäre Teil einer Prüfung durch einen Steuerberater, wenn Ihr selber das nicht könnt. Was ich einfach unterstelle. So ganz ohne ist das nämlich nicht.

Der Witz an dieser Geschichte kann durchaus folgender sein: Man hat monatlich höhere Lohnersatzleistungen und eine höhere Steuer. Auf das Jahr betrachtet kann dieses aber günstiger sein.

Wichtig ist hier die Beachtung des Wortes 'kann'. Denn wenn dem so wäre, dann hätte sich bereits im Jahr des Krankengeldes vielleicht ein Steuerberater auch an dieser Stelle rentiert.

Die Wirkungsweisen sind gegenläufig. Was den Zusammenhang nicht einfach zu verstehen macht. Glaube also, obwohl ich hier versucht habe zwei mögliche Auswirkungen zu schildern, dass es eigentlich nur dann verständlich ist, wenn man eine Menge Hintergrundwissen über das Steuersystem hat.

Ergänzung: Deine Frage war ja eigentlich, dass Du meintest, bei geringerem Einkommen mehr Steuern zu zahlen. Das ist aber ein Irrtum.

Man kann davon ausgehen, dass die Jahressteuer geringer ist. Allerdings ergibt sich jetzt eine Nachzahlung. Das ist nicht identisch und sollte man nicht verwechseln.

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