TRAUERARBEIT: Auf welche Weise kann die Kirche bei der Trauerarbeit begleiten? Gibts Alternativen?

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11 Antworten

Ich kann dir als Geisteswissenschaftler sagen, dass das nicht nur Priester sondern auch Philosophen ( wie ich einer bin) oder Psychologen sein können. Auch eine gute Freundin oder Freund kann das übernehmen. Bin kein Fan von Kirchen. Da sie ja alles nur auf Gott beziehen und daher deinen Blickwinkel beeinflussen. Daher mein etwas subjektiver Rat: gehe zu einem Geisteswissenschaftler. Nach sogenannten philosophischen Spaziergängen und Gesprächen geht es dir besser und du siehst die Dinge mit anderen Augen.

FlyingCarpet 27.06.2013, 23:18

sehe ich auch so.

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McHorst 27.06.2013, 23:24
@FlyingCarpet

Leider habe ich das auch schon festgestellt, dass die Kirche meinen Blickwinkel beeinflusst. War mal bei einem Kurs: "Religion für Neugierige" (evangelisch). Aber ich musste immer mehr mit dem Kopf schütteln, und habe den Kurs frühzeitig und traurig wieder verlassen. Danke für deine Antwort.

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Johnnykassel 27.06.2013, 23:27
@McHorst

Kennst du denn evtl einen Geisteswissenschaftler in deiner Nähe den du darum bitten könntest? Meistens machen wir sowas sogar umsonst, da es auch für uns neue Erfahrung bietet. Aber wenn du das Problem aus völlig neuer Perspektive betrachten willst. Rein logisch und nicht an regeln und Zwänge gebunden kann ich dir nur empfehlen mal mit einem zu sprechen

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McHorst 27.06.2013, 23:30
@Johnnykassel

Ich kenne leider keinen. Ist denn der Begriff "Geisteswissenschaftler" nur ein Überbegriff für das was du mir empfiehlst oder heißen die direkt so ?

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Johnnykassel 27.06.2013, 23:36
@McHorst

Am ehesten wirst du jemanden in der Art als ethiklehrer beobachtet haben. Geisteswissenschaftler haben zumeist Philosophie studiert und können daher nicht aufgrund des Glaubens helfen, der stark beeinflusst ist, sondern anderer mittel. Wie Logik, Gesprächen, Selbsthilfe und Denkanstöße.

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Hallo, McHorst. In genau solcher Sache machte ich allerbeste Erfahrungen mit der Diakonie ( evang. Kirche ) Da bekam ich wirklich eine Diplompsychologin als Ansprechpartnerin, die sowohl neutral gegenüber den Ereignissen war als auch kompetent im Umgang mit Trauernden. Übers Tagesgeschehen konnte ich ebenso mit ihr sprechen - was für mich auch wichtig war. LG + viel Erfolg für dich.

Kirche, meist haben die keine Zeit - zumindest die Katholische. Denke mal in der Klinik gab es Tanztherapie? Wenn nicht, versuche es mal damit. Oder orientalischer Tanz, dann aber mit einer lizenzierten Trainerin.

sunnyhyde 27.06.2013, 23:08

sorry, sie möchte ihre trauer im gespräch bewältigen und nicht mit tanzen. wenn ich mir überleg nach dem tod meines vates tanzen zu gehen wird mir ganz anders....man ist am boden und was man nicht will sind menschen um einen, die sich mit banalitäten umgeben sondern sucht ernsthafte gespräche

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FlyingCarpet 27.06.2013, 23:17
@sunnyhyde

manche Dinge können nicht ausgesprochen werden, in vielen Fällen fehlen auch einfach die Worte. Um sich irgendwie auszudrücken ist Tanz eine gute Möglichkeit. Ich denke der Bereich "Gespräche" ist ausgeschöpft. Und eine Tanztherpie oder Ausdruckstanz ist etwas ganz anderes als fröhliches Herumgehüpfe. Bei großen Trauer hilft meist nur das Gespräch mit Personen, denen genau das gleiche wiederfahren ist. Ein Forum kann da auch schon mal helfen.

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das geht durch Hagiotherapie.

Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Psyche und Geist. Die Geistseele ist der unzerstörbare innerste Kern jedes Menschen. Als Wesen in Entwicklung kann der Mensch Leid erfahren, Irrtümern erliegen und schuldig werden. Diese Erfahrungen verletzen ihn in seiner ganzen Person. Schmerzen und Leiden des Geistes wie mangelndes Vertrauen, tiefe Ängste oder Sinnlosigkeitsgefühle sind Symptome solcher Verletzungen.

Die Hagiotherapie will den Menschen zur Gesundheit des Geistes führen. Wenn dem Menschen bewusst wird, wer er ist, worin seine Würde besteht und was Sinn und Ziel seines Lebens ist, kann er sein Leid überwinden und glücklich und erfüllt leben.

In der praktischen Arbeit hilft die Hagiotherapie dem Menschen in seinem Bemühen, seinen persönlichen Weg zur Quelle des Lebens zu finden, um geistlich gesund zu werden. Indem der Mensch sich seiner Originalität bewußt wird, findet er zu einer neuen, positiven Sichtweise seiner Existenz. Er kann sein Leben bejahen, seine Entwicklungsmöglichkeiten entdecken und ergreifen und wird damit in seiner innersten Persönlichkeit heil.

Hagiotherapie ist eine christliche Einrichtung und möglich in Deutschland, Österreich,Schweiz u.a. Für Deutschland:

http://hagio.de/ansprechpartner

Ansonsten gibt es kirchliche Selbsthilfegruppen für Trauerarbeit. Du müsstest dich an deinem Wohnort und Umgebung erkundigen.

Das hört sich an, als sei es schwierig. Ich bin mir also nicht sicher, ob ich hier einen kompetenten Tip geben kann. Mir hat es in solchen Phasen geholfen, mich nicht nur der Vergangenheit auszuliefern sondern auch den Blick nach vorne zu richten. Was wollte ich schon immer tun, in welche Richtung möchte ich nun gehen - abseits der Trauer um Vergangenes. Neue Tätigkeiten zu beginnen, neue Menschen kennenzulernen, neue Kontexte zu erschließen: das hat mir immer dabei geholfen, meinem Lebne eine neue Richtung zu geben und alte Wunden erst aus einer anderen Perspektive zu sehen, dann vernarben zu lassen, scließlich in eine neue Phase meines Lebens einzutreten. (Allerdings hat es mich auch nie so schlimm erwischt wie Dich.) Viel Glück.

McHorst 27.06.2013, 23:28

Das mit dem Blick nach vorn versuche ich hin und wieder, treffe Vorbereitungen, komme aber nicht zum Abschluss. Dazu ist die Angst vor allem und jeden noch zu groß. :-( Danke dir für deine Antwort.

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Die Kirche hat auch ausgebildete Seelsorger. Du kannst dich ja mal beim Pfarrer oder Pastor danach erkundigen, und auch diese Möglichkeit ausprobieren, zumindest um deinen Familienangehörigen zu entlasten.

Aber Trauer braucht auch Zeit, und das kann man nicht beschleunigen. Das sehe ich so wie sunnyhyde. Dabei fällt mir ein afrikanisches Sprichwort ein ,das ich neulich gehört habe:

Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht ...

Also nichts beschleunigen wollen, du bist auf dem richtigen Weg. Aber es wäre gut, wenn du deinen Familienangehörigen entlasten könntest, denn der kann dir auch in anderen Dingen eine große Hilfe sein, wenn er nicht überfordert wird.

Und noch etwas: in dieser Sache hilft kein Zwang, kein unterdrücken wollen. Du schreibst es selbst ("Wenn ich mich zwinge, diese Süchte zu verhindern, kommt es auch nicht zum Weinen.").

McHorst 27.06.2013, 23:26

"Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht ..."

Ja, ich weiß. Das habe ich schon oft hören müssen. Aber es tut halt so weh :-( Und ich will alles tun, dass ich es beizeiten hinter mich bringe. Danke dir für deine Antwort.

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Wenn du für dich einen Bezug zu Kirche bzw. christlichen Vorstellungen hast, kann dir ein guter Seelsorger (Pfarrer, Priester) vielleicht helfen. Du wirst es nur herausfinden, wenn du hin gehst. Wenn er/sie dir nicht helfen kann, ist auch nichts verloren. Probiere es doch mal. Hängt auch sehr davon ab, ob du mit der jeweiligen Person "kannst", und das kannst du eben auch nur selbst heraus finden. Grundsätzlich ist das eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche.

Naja, es gibt die kirchliche seelsorge aber ob die dir helfen kann mag ich bezweifeln. trauer dauert eben ihre zeit und du hast ja schon den richtigen weg für dich gefunden und gehst zum therapeuten

Die Kirche ist gerade in der Trauerarbeit eine der ersten Adressen: Im Glauben findet man Trost und Halt, man kann sich dem Priester anvertrauen, beten, seinen Schmerz bewältigen, in der Gemeinde Fuß fassen, sich mit Gleichgesinnten austauschen, wieder ins Leben zurückkehren...

Freunde oder einen Partner habe ich nicht

... oder auch diesen dort finden. Wichtig ist: Man sollte beginnen zu leben, der Wille scheint ja da zu sein..

Gibt es in deiner Nähe kein Trauer-Cafe, entweder von der Kirche, einem Hospiz oder einem Beerdigungunternehmen? Ich gehe in so ein Trauer-Cafe seit über einem Jahr und es hat mir wirklich sehr geholfen. Mir ging es ähnlich wie dir mit der Weinerei. Du bist in jedem Trauer-Cafe herzlich willkommen.

Es lohnt sich immer, mit jemandem über seinen Probleme zu reden - aucg der ortspfarrer kann hier eine gute wahl sein, da vor allem im beichtgespräch gut zeit für dich bleibt, andererseits kannst du dich gewiss mal so an ihn wenden. Zudem gibt es in vielen kirchen so gesprächskreise, ich weiß jetzt nicht, wie das bei dir im ort. Auch der gottesdienstbesuch kann etwas helfen, um mit sich selbst wieder ins reine zu kommen.

Viel glück bei deinem vorhaben, niggou97

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