Transsexualität und Ärzte

6 Antworten

Die Psychotherapie ist auch für einige unnötig und eine seelische Vergewaltigung. Trotzdem kommt er nicht um die herum, wenn er eine Angleichung möchte. Da kann er sich auf den Kopf stellen. Also Augen zu und durch. Anders geht es leider nicht. Spreche aus eigener Erfahrung!

Aber ich kann deinen Freund beruhigen! Es sind keine 50 bis 100 Stunden Therapie erforderlich. Für die Indikation zur Hormontherapie ist eine Psychotherapie von einem Jahr gefordert. Wobei die Kassen da etwas großzügig ist und der Therapeut die Indikation schon nach einem halben Jahr stellen darf. Ist eine Ermessungssache. Wie oft er hin muss, liegt im Ermessen des Psychologen. Es ist mir persönlich aber kein Fall bekannt, wo es mehr als zwei Mal im Monat ist. Bei mir war es einmal im Monat, wobei ich aber auch schon 2 Monate pausiert hatte^^. Bei einem Jahr und wären das also 12 bis 24 Mal. Wenn er dann auch die Genitalanpassene Operation haben möchte, muss er mindestens insgesammt 1,5 Jahre in Therapie sein. Wenn er regelmäßig da war und der Therapeut von der Transidentität überzeugt ist, bekommt er dann seine Operationsindikation. Ab dann brauch er dann nicht mehr zur Tharapie zu gehen, er kann es aber freiwillig weiter machen, wenn es ihm was bringt. Für manch einen, ist es eine große Hilfe. Für mich war es eine Qual, aber eine, welche ich ertragen musste.

Liebe Grüße Kim-Sophie (Transfrau)

Hallo Katzentraum,

dieser ganze Kram mit Psychotherapie und so hat echt seinen Sinn. Früher waren die Hormontherapie begleitende psychische Störungen fast der Regelfall. Heutzutage ist man etwas schlauer und weiß, wie dieses Risiko psychischer Störungen bei veränderter Hormonzusammensetzung stark vermindert werden kann. Aber ganz auszuschließen ist es immer noch nicht. Daher ist die psychologische Begleitung während der Hormontherapie, also ein Leben lang, Pflicht in Deutschland. Und sich Hormone in zum Beispiel den Niederlande zu holen, wo sie frei käuflich sind, und diese einfach in sich reinschmeißen ist der nackte Wahnsinn. Da kannst Du gleich von der Brücke springen oder Dir die Pulsader aufschneiden. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass das am Ende sowieso dabei herauskommt, ist sehr hoch.

Die 50 bis 100 Stunden Behandlung bis zum Hormongabe sind aber nur ein Richtwert, an die kein Arzt gebunden ist. Sofern er es der KK und dem MDK gegenüber begründen kann, kann er auch früher mit der Hormontherapie beginnen. Es liegt also viel an dem Psychotherapeuten bzw. an der Psychotherapeutin und seiner / ihrer Überzeugung, ob es sich tatsächlich um Transidentität handelt.

Wird versucht einem davon abzubringen?

In fast allen Fällen nein. Aber es gibt leider etliche nicht so gute und ein paar absolute Barfuss-Psychologen, bei denen bist Du in keinen guten Händen. Deshalb ist es ratsam, sich in einer Selbsthilfegruppe zu erkundigen, welcher Psychologe, welche Psychologin in seiner Heimatstadt oder Umgebung gut ist und sich mit dem Thema Transidentität auskennt. In den SHGs sind diese ÄrztInnen normalerweise bekannt. Bei VIVA TS gibt es eine recht umfangreiche Sammlung in Deutschland ansässiger Selbsthilfegruppen http://www.vivats.de/shg/index.html

Ist der sog. Alltagstest immer noch pflicht? Mann im charakter und in der seele ist die person ja schon da verändert man sich ja nicht.

Ja, ist er. Aber da der Charakter der Person ja männlich ist, dürfte es dieser Person auch nicht schwer fallen, die männliche Rolle komplett zu übernehmen. Klar ist das mit weiblicher stimme und auch noch den weiblichen Merkmalen nicht so einfach. Aber gerade bei diesem Alltagstest entdecken viele vermeintlich Transsexuelle, dass sie gar nicht transsexuell sind, sondern ihre Empfindungen in eine zwar ähnliche, aber trotzdem andere Richtung gehen. Und zu dem Zeitpunkt gibt es immer noch ein hundertprozentiges Zurück.

Natürlich darf man man selbst bleiben; man soll sogar man selbst bleiben. Aber genau aus diesem Grund wird man einigen Klischees gerecht, die dem auch äußerlich angestrebten Geschlecht entspricht. Denn ein Mann wird kaum täglich eine Stunde vor dem Spiegel verbringen und mit Rouge, Mascara und Lidschatten hantieren. Lange Haare sind heutzutage unisex, womit ich dem keine Bedeutung zumessen würde. Aber es liegt immer im Ermessen des Psychologen, ob es ein Punkt ist, der gegen eine FzM-Transidentität spricht oder nicht. Deshalb würde ich diesen Punkt zumindest bei einer der ersten Gespräche auf den Tisch bringen und ihn ggf. ausdiskutieren.

Für die Stimme gibt es zwar die Möglichkeit einer OP, aber die ist mit ENORMEN Risiko behaftet. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei etwas schief läuft, was im Extremfall sogar zur Stummheit führen kann, liegt bei etwa einem Drittel. Die Hormone bringen auch keine wirklich bemerkenswerte Stimmveränderung. Deshalb sollte man versuchen, die Stimme alleine durch Training die dem dann auch irgendwann äußerlichen Geschlecht anzupassen. Es gibt einige Anleitungen dazu im Internet (Videos). Zur Vertiefung der Stimme kann ich Dir leider jetzt kein Link geben, da ich selber als MzF-Transidente nur Interesse an einer höheren Stimme und somit auch nur URLs solcher Videos habe.

Also, ohne PsychologeIn und Arzt/Ärztin geht bei einer Hormontherapie überhaupt nichts. Meist ist auch noch ein/e Endokrinologe/in beteiligt. Um da nicht an die falschen zu geraten, suche Dir Rat in einer Selbsthilfegruppe. Die ist auch für andere Sachen sehr gut. TS/TI-Foren können ebenfalls vielfach bei Fragen helfen. Transmann e. V. wurde hier ja schon genannt.

Gruß Kira-Bianca

"Daher ist die psychologische Begleitung während der Hormontherapie, also ein Leben lang, Pflicht in Deutschland."

Wer verbreitet solchen Unsinn?

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@BadHairDays

Das ist kein Unsinn, sondern Tatsache. Jedoch auf solchen kurzen, eine Antwort einfach nur als Quatsch darstellenden Kommentar antworte ich nicht weiter. Das ist mir zu dusselig!

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@KiraBianca

Die psychotherapeutische Behandlung ist nur erforderlich um festzustellen, ob es sich um Transidentität handelt oder es andere Ursachen hat und um die Menschen psychologisch auf ihrem Weg zu begleiten. 1,5 Jahre sind von der Krankenkasse vorgeschrieben, bevor sie einer genitalangleichenden Operation zustimmt. Danach kann man, wenn man will, die Therapie weiterführen, brauch es aber nicht. Eine lebenslange Pflicht besteht auf keinem Fall!

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@Apophis170464

Hallo Apophis,

danke für die Korrektur. Meinen bisherigen Informationen nach besteht während der gesamten Behandlung, also eben dauerhaft, die Pflicht, sich zumindest ab und zu beim Psychologen blicken zu lassen, wobei natürlich die Intensität im Laufe der Zeit immer mehr abnimmt.

Jedoch lasse ich mich mit einer ausreichenden Erklärung, wie sie jetzt von dir gekommen ist, durchaus verbessern. Denn wenn niemand allwissend ist, wie kann ich es dann sein? ;). Nur @ BadHairDays: Einfach etwas als Unsinn hinzustellen und keine weiteren Angaben zu machen, ist Unsinn! :-P

Gruß Kira-Bianca

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@BadHairDays

Pflicht ist es natürlich nicht,aber es gibt Menschen die diese lebenslange therapeutische Begleitung brauchen.Das ist ein Teil derer die an einer Geschlechtsidentitätsstörung leiden und auf keiner Seite wirklich zu Hause sind.Die immer mit ihrer eigenen Zerrissenheit zu kämpfen haben.Das hat aber nichts mit der Transsexualität im engeren Sinn zu tun.Transsexuelle Menschen leiden am auseinander gehen von Körper und Seele.wenn der Körper der unveränderlichen Seele angepasst ist,ist das Problem dieses Menschen gelöst.Durch Hormongabe und OP sind Körper und Seele eins.Wozu sollte da noch eine therapeutische Begleitung von Sinn sein.Sicher auch nach der Anpassung können Probleme auftreten,aber vom Grundsatz her keine anderen wie sie alle anderen Menschen auch haben können.Diskriminierung und Ausgrenzung ist schließlich kein ausschließliches Problem bei TS.Das gibt es tausendfach der verschiedensten Gründe wegen .Hautfarbe,Religion,Volkszugehörigkeit,ja sogar die Haarfarbe kann da als Diskriminierungs Grund herhalten.

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"Die Hormone bringen auch keine wirklich bemerkenswerte Stimmveränderung" Stimmt so nicht! Bei Frau zu Mann, ist das richtig. Aber bei Frau zu Mann verändert sich die Stimme durch das Testosteron erheblich. Und zu deiner Aussage eines erheblichen Risikos durch eine Stimmband Operation, kann ich nur sagen, dass dieses auch nicht der Fall ist. Früher schon, aber heutzutage sind die Risiken minimal. Man solle natürlich zu einem Spezialisten gehen, welcher Experte auf dem Gebiet ist. Ich habe die Stimmbandoperation in der Charité Berlin machen lassen, wie viele von meinen transidenten Freundinnen auch und wir sind alle sehr zufrieden :-)

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@Apophis170464

Ist das Risiko der Stimmband-OP jetzt tatsächlich so gering? Meine Zahlen sind etwa 1 bis 1,5 Jahre alt und da bestand eben noch das jeweils Drittel: 1/3 klappt gut bis zufriedenstellend, 1/3 bringt keine nennenswerte Änderung, 1/3 hinterlässt nicht unerhebliche Schäden an der Stimme.

Es würde mich freuen, wenn das Risiko minimiert ist. Denn ich bekomme das mit dem Stimmtraining einfach nicht gebacken und habe mich schon damit abgefunden, dass ich diese OP ungeachtet dem hohen Risiko machen lassen muss. Aber die Berliner Chartié kommt da für mich keinesfalls in Betracht. Diese "Klinik" ist für mich nicht existent - Du weißt, warum. Da können sie in anderen Bereichen noch so erfolgreich sein.

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