Transport von Briefen im alten Rom

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2 Antworten

Art der Transports von Briefen

Bei den antiken Römern gab es kein Unternehmen, das Brieftransport als allgemeine Dienstleistung anbot und organisierte. Die Versendung von Briefen und Paketen zu organisieren, lag gewöhnlich beim Absender.

Wohlhabende Haushalte verfügten in der Regel über eigenes Botenpersonal (z. B. einen Sklaven, der regelmäßig als tabellarius - »Briefbote« - eingesetzt wurde; Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad familiares 14, 18, 2; Petronius, Satyrica 79, 6). Er einem solchen Boten morgens in Rom ein Brief für einen Empfänger im 27 km entfernten Tusculum übergeben wurde, konnte schon abends mit einer Antwort rechnen.

Vor allem über längere Strecke kam es darauf an, Vertrauenspersonen ausfindig zu machen, die den gewünschten Weg bereisten und bereit waren, zusätzlich etwas mitzunehmen.

Da die Leute gegenseitig aufeinander angewiesen waren, wurde eine Bitte üblicherweise erfüllt.

Ein Empfänger von Briefen sorgte seinerseits für die Weiterleitung der an seine Bekannten und Freunde gerichteten Briefe (Marcus Tullius Cicero, Epistulae da quintum fratrem 3, 1, 8).

Es kam stark darauf an, ob es jemanden gab, dem man einen Brief mitgeben konnte, da seine Route passend war. Wenn dazu eine Gelegenheit eintrat, wurde manchmal auch noch rasch ein Brief geschrieben.

Nicht jeder Brief kam an oder in zu erwartender Zeit an. Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad familiares 4, 9, 1; 4, 10,1; Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad Atticum 5, 20, 8 erwähnt Freigelassene von Briefpartnern, die offenbar sorgfältig und vertrauenswürdig waren.

Geschäftlich oder privat Reisende übernahmen in vielen Fällen die Beförderung von Briefen, besonders Kaufleute und Transportunternehmer (z. B. Schiffskapitäne). Auch einfache Leute suchen und fanden Gelegenheiten, ihre Briefe Reisenden mitzugeben, wie in Ägypten erhaltene Papyri zeigen.

Soldaten übergaben Briefe an Kameraden, deren Dienstreise zum Bestimmungsort führte.

Auch professionelle Kuriere boten gegen Entgelt Dienste an. Je weiter die Entfernungen waren, desto aufmerksamer war nach einem zuverlässigen (diligens) Kurier zu suchen (Plinius, Epistulae 8, 3, 2).

Eilige wichtige Mitteilungen wurden manchmal in Kopien mehreren Kurieren gegeben, um das Risiko eines Briefverlustes bei verunglücken oder Raubüberfällen zu verringern. Augustus hat ein staatliches Nachrichten- und Transportwesen (cursus publicus) eingerichtet (Sueton, Divus Augustus 49, 3 – 50). Dieser cursus publicus, der in modernen Büchern auch Staatspost oder staatliche Dienstpots genannt wird, war durch seine gute Infrastruktur etwas schneller. Es gab Fortbewegung, Nachrichtenübermittlung oder den Transport im öffentlichen Auftrag (Beamte, Militär, Güter). Auf Hauptverbindungswegen gab es Stationen, wo Pferde gewechselt werden konnten. Dabei gab es begrenzende Regelungen. Der Kaiser (Princeps) konnte als Privileg die Benutzung gestatten (vgl. Anne Kolb, Cursus publicus. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 3: Cl - Epi. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 245 – 246).

Dauer des Brieftransports

Die Dauer des Transports von Briefen konnte sehr unterschiedlich sein, je nach Entfernung, Wetter, Jahreszeit, Wegeverhältnissen und Art der Fortbewegung.

Boten gingen üblicherweise zu Fuß, es gab aber auch laufende, fahrende oder reitende.

Wenn eine dringende Nachricht übermittelt wurde, bewegte er sich in schnellem Tempo bzw. lief sogar. Über längere Strecken wurden dabei aber eher mit Tieren bespannte Wagen oder Reittiere verwendet.

Bei einer normalen Reise zu Fuß wurden durchschnittlich 20 – 30 km pro Tag zurückgelegt.

Marcus Tullius Cicero erhielt einen Brief aus Rom noch am selben Tag im ungefähr 52 km entfernten Astura bei Antium (Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad Atticum 12, 139 (37), 1).

Ovid, Epistulae ex Ponto 4, 5, 7 gibt dazu an, daß ein Bote für die Straße Brundisium (heute Brindisi) – Rom (534 km) 9 Tage benötigte, d. h. 59 km pro Tag.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit über Land (verschiedene Arten der Fortbewegung) lag bei etwa 30 römischen Meilen (45 km).

Wenn Tiere als Transportmittel eingesetzt und regelmäßig ausgetauscht wurden, konnte der Transport erheblich schneller sein.

Reiter konnten 100 km und mehr schaffen (bei häufigem Pferdewechsel deutlich darüber). Ein Schiff fuhr bei gutem Wind mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4, 5 – 6 Knoten. Von Rom nach Ägypten konnte eine Nachricht 1 Monat dauern.

Ohne Pferdewechsel gibt es allgemein (also auch nicht auf besonders schwieriges Gelände bezogen) für Reisen antiker Römer durchschnittliche Werte von 36 km am Tag, bei regelmäßigem Pferdewechsel 74 – 87 km am Tag. Bei häufigem Pferdewechsel waren zumindest 100 – 120 km am Tag möglich. Einige antike Texte enthalten darüber hinausgehende außergewöhnliche Spitzenleistungen.

Albrecht 07.12.2013, 07:01

Von Nero Claudius Drusus wird überliefert, mit einem einzigen Begleiter von Mogontiacum (Mainz) aus 200 römische Meilen durch Germanien zu seinem durch einen Sturz vom Pferd schwer verletzen Bruder Tiberius Claudius Nero in 24 Stunden (Tag und Nacht unterwegs) zurückgelegt zu haben (die beiden Quellen weichen darin an, ob reitend oder mit einem Wagen). Wenn hier nicht zum besonderen Lobpreis etwas übertrieben wurde, ist dies nur bei Einsatz hervorragender Pferde und sehr häufigem Wechsel erklärlich (Valerius Maximus erwähnt Pferdewechsel).

Für Gaius Iulius Caesar sind bei bestimmten Gelegenheiten im gemieteten vierrädrigen Reisewagen (raeda meritoria) Geschwindigkeiten von 100 und 120 römischen Meilen pro Tag überliefert.

Der magister officiorum Caesarius reiste im 4. Jahrhundert auf dem cursus publicus von Antiochia nach Konstantinopel (1088 km) in großer Eile in 6 Tagen, d. h. pro Tag legte er in einem Wagen (raeda), der in der Regel mit Maultieren bespannt war, 181 km zurück (Libanios, Oratio 21, 12 – 16).

einige schnelle Reisen:

Livius 37, 7, 11: Tiberius Sempronius Gracchus 190 v. Chr. in Makedonien, konnte auf der Strecke stationierte Pferde benutzen, von Amphissa nach Pella (316 km) in 3 Tagen, ergibt 106 km am Tag

Plutarch, Cato maior 14: Marcus Porcius Cato 191 v. Chr. von Brundisium nach Rom (534 km) in 5 Tagen, ergibt 107 km am Tag

Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 5, 5, 3: Tiberius Claudius Nero, 9 v. Chr. in Germanien (294 km), 24 Stunden, ergibt 294 km am Tag (mit Pferd)

Plinius, Historia naturalis 7, 84: Tiberius Claudius Nero 9 v. Chr., in Germanien (294 km), 24 Stunden, ergibt 294 km am Tag (mit Wagen)

Prokop, Anekdota (Geheimgeschichte; lateinisch: Historia arcana) 30, 3 - 5: 6. Jahrhundert n. Chr. nach Germanien (294 km) in 1 Tag (behauptet, Reiter konnten unter günstigsten Umständen an 1 Tag die Strecke von 10 Tagesmärschen zurücklegen), ergibt 294 km am Tag

außergewöhnlich schnelle Nachrichtenübermittlung:

Tacitus, Historiae 1, 56: 69 n. Chr. von Mainz nach Köln (158 km) in 12 Stunden

Tacitus, Historiae 1, 12, 1 und 1, 18, 1 : 69 n. Chr. von Mainz über Reims nach Rom (2116 km) in 9 Tagen, 235 km am Tag

Informationsquelle:

Anne Kolb, Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich. Berlin : Akademie-Verlag, 2000 (Klio : Beihefte; Neue Folge, Band 2) S. 296, S. 312 – 316, 320 – 332

320: „Die vorgestellten Quellen zur Geschwindigkeit lassen als durchschnittliche Werte das Zurücklegen an einem Tag der folgenden Quellen erkennen: 20 m.p zu Fuss, 24 m.p. mit (nicht oder selten gewechselten) Transportmitteln, 50-60 m.p. mit regelmäßig gewechselten Transportmitteln, für häufig gewechselte Pferden auf kurzen Strecken vielleicht bis zu 200 m. p.“

m.p. = milia passuum (1000 Doppelschritte; 1 römische Meile)
1 römische Meile (mille passus) = 1,48176 km

weitere Informationsmöglichkeiten:

Anne Kolb, Nachrichtenwesen . In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Band 6: Mer – Op. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 2000, Spalte 666 - 672

Anne Kolb, Post. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 10: Pol - Sal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 218 – 220

Wolfgang Riepl, Das Nachrichtenwesen des Altertums : mit besonderer Rücksicht auf die Römer. Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1913. Hildesheim, New York : Olms, 1972 3-487-04218-5

http://www.digitalis.uni-koeln.de/Riepl/riepl_index.html

Pascal Stoffel, Über die Staatspost, die Ochsengespanne und die requirierten Ochsengespanne : eine Darstellung des römischen Postwesens auf Grund der Gesetze des Codex Theodosianus und des Codex Iustinianus. Bern ; Berlin ; Frankfurt a.M. ; New York ; Paris ; Wien : Lang, 1994 (Europäische Hochschulschriften : Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften ; Band 595). ISBN 3-906751-84-8

Karl-Wilhelm Weeber, Alltag im Alten Rom : das Leben in der Stadt ; ein Lexikon. 4., verbesserte Auflage der Paperbackausgabe. Mannheim : Albatros, 2011, S. 280 - 281(Post)

S. 281 Angaben zu Postlaufzeiten

Private Post:

Rom –Tusculum (27 km): 1/2 Tag

Rom – Antium (56 km): 1 Tag

Rom – Arpinum (120 km): 2 Tage

Rom – Neapel/Pompeji: 4 – 6 Tage; 3 Tage: »äußerst schnell« (Marcus Tullius Cicreo, Epistulae ad Atticum 15, 18, 1)

Rom – Athen: 21 – 46 Tage

Syrien – Rom: 50 – 100 Tage

Afrika – Rom: 20 Tage

Brindisi – Rom: 27 – 34 Tage

Patras – Brindisi: 15 Tage

kaiserliche Dienstpost:

Rom - Brindisi: 7 Tage

Rom – Byzanz: 25 Tage

Rom – Antiochia: 40 Tage

Rom – Alexandria: 45 Tage

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Catomaior 10.12.2013, 18:10
@Albrecht

Ich habe extra ein paar Tage mit einer Antwort gewartet, weil ich gehofft habe, dass Albrecht Licht ins Dunkel bringt; aber das ist jetzt nicht mehr nötig. Phantastische Antwort, wie so oft! Habe beim Lesen viel mehr gelernt als ich dem Fragesteller hätte erzählen können. Danke dafür, vor allem für die literarischen Belege!

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bin mir nich ganz sicher aber was is mit Botschaftern, die einzelne Nachrichten übermittelt haben, so wie Phidippedes im alten Griechenland: Marathon ;)

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