Tragische Literatur

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8 Antworten

Die Frage ist ja eher, wer von den vielen Berühmtheiten nicht zumindest zeitweise psychisch erkrankt gewesen sein soll. Goethe schrieb ja selbst über Ängste (die er auch selbst behandelt hat, z.B. mit Konfrontationstherapie) und Melanchlolie (heute Depression), gleiches bei Schiller, der auch körperlich schwer krank war und furchtbar unter Schmerzen (Koliken) gelitten haben muss. Dazu kommen die ganzen Suchterkrakungen durch Alkohol und Laudanum (in Alkohol gelöstes Opium), was damals eher als normal galt denn als krankhaft. Auch recht gut nachgewiesen waren manisch-depressive (heute bipolare) Zustände bei Dickens und Balzac. Nikolais Lenau galt schon damals unter den Ärzten als schwerer Melancholiker (heute chronisch depressiv) usw.

Das Problem wird sein, dass die möglichen Erkrankungen solcher Autoren nie bewiesen wurden. Außer du findest einen Zeitgenossen der eine Erkrankung/Diagnose offen zugegeben hat. Aber wenn du an die großen Schriftsteller denkst wie zum Beispiel Shakespeare - da wird sicher viel im Nachhinein vermutet, aber beweisen kannst du nichts.

Mireilles 02.11.2012, 21:16

Aber hier mal so eine Liste: http://home.arcor.de/pahaschi/genies.htm

Musst nur gucken wer davon Tragödien geschrieben hat. Und die Liste natürlich mit Vorsicht genießen. Eine richtige Diagnostik hat von denen wohl keiner je erfahren.

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Gchan94 02.11.2012, 21:26
@Mireilles

Sowas habe ich mir auch schon gedacht. Es würde auch reichen wenn du Autoren kennst die sich literarisch mit solchen Themen befasst haben, ohne selbst davon betroffen zu sein.

Danke für die Antwort

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Psychisch krank waren Hölderlin und Conrad Ferdinand Meyer; suizidgefährdet (er brachte schließlich seine Freundin und sich selbst um) Heinrich v. Kleist. Hölderlin hat im wesentlichen Lyrik geschrieben, kommt also kaum in Frage. Tragiker waren die beiden anderen. C.F. Meyer hat tragische Novellen geschrieben; z.B. „Die Hochzeit des Mönchs“, "Der Heilige"; Kleist ist der eigentliche Tragiker; er hat Tragödien in Form von Dramen geschrieben; z.B. Penthesilea, Die Familie Schroffenstein. Auch tragische Novellen waren seine Spezialität: z.B. "Bettelweib von Locarno", "Das Erdbeben in Chili", "Michael Kohlhaas". - „Tragisch“ bedeutet zunächst einmal: Untergang des Helden / der Heldin (also Kleists „Prinz v. Homburg“ gehört nicht zu den Tragödien); dann muss eine („tragische“) Ausweglosigkeit hinzukommen, z.B. der Protagonist wird von einer (bei Kleist meist rätselhaften) unausweichlichen Schicksalsmacht überrollt („Bettelweib“; „Erdbeben in Chili“, "Familie Schroffenstein").

Novalis (Hardenberg) "Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne".

ein paar spontane einfälle dazu: ingeborg bachmann, valerie valere, malcolm lowry, brigitte schwaiger, edgar allen poe, f. scott & zelda fitzgerald, jane bowles, sarah kane, anne sexton, friedrich hölderlin, georg trakl, august strindberg

Phita983 04.11.2012, 14:35

Außerdem Ernest Hemingway: gehörte der "lost generation" an (ergo: hat wie der von MissMaas genannte Fitzgerald und Nathanael West, den man in der Reihe noch ergänzen kann, mächtig gesoffen), litt unter einer bipolaren Störung und hat sich am Ende erschossen.

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Sylvia Plath, da gibts eine Biographie von Anne Stevenson, die zu dem Thema sehr aussagekräftig ist. Cesare Pavese hat Suizid begangen, mehr über ihn weiß ich nicht.

Bremsgirl 04.11.2012, 13:51

Wenn die Autoren nicht selbst davon betroffen sein "müssen", sondern die literarische Bearbeitung des Stoffes ausreicht, fallen mir noch folgende ein:

  • Elias Canetti: Die Blendung (beschreibt serh eindrucksvoll die Entwicklung einer paranoiden Schizophrenie)
  • Cervantes: Don Quichotte
  • Dostojewksi: Der Doppelgänger
  • Albee: Wer hat Angst vor Virginia Woolf (sadomasochistische Kampfehe)

Nicolai Gogol litt auch an Schizophrenie und schrieb mehrere Kurzgeschichten, denen der Bezug zur Realität phantastisch verloren ging.

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Hermann Hesse

MeliS1998 03.11.2012, 21:40

Daumen hoch, vor allem Steppenwolf und Unterm Rad zeigen, dass Hesse mit unserer Welt zu kämpfen hatte!

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