Trabant kaufen, was beachten?

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4 Antworten

Typische Problemstellen am Trabant (601), nach denen man Ausschau halten sollte, sind ua:

  • Rost am Stahlrahmen, schwerwiegendste Stellen sind Radkästen (durch Duroplastteile verdeckt) und Unterboden, vor allem Quer- und Längsträger, grundsätzlich auch überall, wo Kunststoffkarosserieteile auf Metall anliegt und Spritzbereich der Räder (das sind die schwerwiegendsten Bereiche, Rostgefahr besteht grundsätzlich bei nahezu jedem Metallteil).In diesem Zusammenhang auch die Hohlraumkonservierung überprüfen, die muss alle paar Jahre erneuert werden.
  • Motor geht konstruktionsbedingt nach längeren Standzeiten (>1 Jahr) fest, da sich der Ölfilm verflüchtigt. Entsprechende Modelle nicht anlassen, vorher den Motor manuell nachschmieren und die Lager überprüfen.
  • Ob der Motor richtig eingestellt ist oder läuft, kann man als laie schwer bis gar nicht feststellen, das sollte ein Fachkundiger überprüfen.
  • Schmierung von Bauteilen der Lenkung und Schaltstock, beides sollte leichtgängig mit nur geringem Spiel sein (Lenkung natürlich so "leichtgängig", wie das bei Servoloser Lenkung eben geht)
  • Das Interieur sollte im guten Zustand sein, denn (originale) Ersatzteile sind selten
  • Die Spaltmaße zwischen Türen und Kotflügeln sollten gleichmäßig sein, denn diese Teile wurden als ein Stück gefertigt und dann passgenau ausgeschnitten. Wenn die am Auto nicht zusammenpassen, wurde eines von Beiden mal getauscht (Thema Unfallfahrzeug)

Der wohl größte Teil aller Probleme, die Trabis aktuell so haben, lassen sich eher auf mangelnde Pflege zurückführen (vor allem die Sache mit der LEnkung und dem Schaltstock), der Trabi hat "leider" das Image des unzerstörbaren Kleinstwagens, der er nicht ist.

Zuverlässig ist nur ein gut gepflegter Trabi, und das ist der Knackpunkt: Wenn du lange Freude am Trabi haben willst, musst du darin deutlich mehr Aufwand stecken als in ein modernes Auto. Vorteilhaft ist natürlich, dass man sehr viele Dinge am Trabi selbst machen kann, bish hin zu nahezu allen Arbeiten am Motor, und das mit nur sehr wenig Werkzeug. Literatur gibts zuhauf, die Ersatzteillage ist mit wenigen Ausnahmen hervorragend und nicht selten werden einige Teile (auch Verschleißteile) sogar noch neu gefertigt, Betriebe vorzugsweise in Ostdeutschland regenerieren noch Altteile (vor allem Kurbelwellen, sowas NICHT wegschmeißen, da kann man bares Geld sparen!)

Wenn du lange Freude am Trabi haben willst, musst du darin deutlich mehr Aufwand stecken als in ein modernes Auto

Auch ein modernes Auto wird sehr viel Pflege brauchen, um so alt zu werden wie der Trabi. Und deshalb würde ich jedes Auto gleich Pflegen-egal wie alt, jedes Auto sollte mir so lange wie irgendwie möglich erhalten bleiben :)

LG

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Hallo!

Der Kauf ist preiswert, bis zu 2000 Euro sind schon in Ordnung. "Oldtimerstatus" ist aber eine windelweiche Formulierung, die Leute anlocken soll -----> nur weil ein Wagen 30 Jahre alt ist oder es bald wird, muss er noch lang kein H-Kennzeichen kriegen. Wenn der Zustand nicht mehr original oder substanziell zu schlecht ist, kann man das vergessen.

Zweitaktergemisch bekommt man vereinzelt noch an Tankstellen, aber nicht mehr überall. Man kann es auch mit Superbenzin selbst zusammenmischen, ganz einfach ist das aber nicht.

Problematisch ist die Alltagstauglichkeit eines Trabant 601: Mit 26 PS geht dem trotz seines geringen Gewichts recht schnell die Puste aus, ein Alltagsfahrzeug ist der zumindest im vereinigten Deutschland des Jahres 2017 nicht mehr. In der DDR beim deutlich geringen Verkehrsaufkommen und kürzeren Distanzen sowie meist erheblich geringeren Jahreslaufleistungen mag der 601 super gewesen sein, heutigen Ansprüchen genügt er nicht mehr. Da sollte es schon ein später Trabant 1.1 mit VW-Motor sein, wenn es unbedingt sein muss -----> da entfällt auch das Zweitaktergemisch. Aber auch der ist schon grenzwertig. 

Die Ersatzteillage ist jedoch verhältnismäßig ordentlich, wenn man von Interieurteilen absieht. Gerade in Ostdeutschland kann man noch vieles auftreiben & bei vielen Angeboten sind auch jede Menge Ersatzteile dabei oder gar ein kompletter Trabant zum Ausschlachten. 

Letzten Endes ist ein 601er zwar absoluter Kult, aber im Grunde nur eine Option für echte Fans und Bastler. Für den Alltag sollte man ein robusteres und schnelleres Fahrzeug besitzen, dessen Technik, Pflege und Wartung nicht nur von kundigen Bastlern oder teuren Spezialisten jwd, sondern bspw. von der "Opelwerke um die Ecke" beherrscht wird. Der Trabant 1.1 bringt viele dieser Probleme nicht mit sich, ist jedoch selten zu finden & konstruktiv genauso eng. 

Man kann sowas schon im Alltag fahren-man muss sich einfach bewusst sein, dass man auf der Autobahn nicht rasen kann, sonst sehe ich bei der Leistung kaum ein Problem :)

Zum Mitschwimmen im Normalen Verkehr reicht die Leistung aus. 

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@roboboy

Stimmt auch wieder!

Ich habe neulich für meinen 85-jährigen Nachbarn dessen 1988er VW-Polo 86C Steilheck mit 45 PS zum VW-Händler (Kundendiensttermin) gebracht, das Auto ist zum Mitschwimmen auf dem Weg zur Arbeit oder als Zweitwagen/Rentnerauto für kurze Distanzen vllt. schon heute noch okay, aber auf die Autobahn würde ich mich damit auch nicht mehr trauen.

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@rotesand

Nunja, trauen würde ich mich schon-aber da ist rechte Spur+LKW-Geschwindigkeit angesagt^^

Aber klar-bei 100 ist wirklich Ende der Fahnenstange. Aber ehrlich gesagt: Ein alter T4 Diesel, den man ja noch wirklich häufiger sieht-ist nicht so viel schneller, da fährt man auch nicht schneller als 80/90 mit. Denn sonst wird's richtig ungemütlich^^

Also ja, es geht, wenn man Kompromisse eingehen kann, würde ich sagen^^

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Du solltest die Finger weglassen von solche einem Fahrzeug.

Wenn es schon am Gemisch scheitert und dem Oldtimerzustand/H-Kennzeichen, wirst du an solch einem Wagen zugrunde gehen. Der hört nämlich alle 10 Meter auf zu laufen und dann musst du genügend Wissen haben um die Technik, um den wieder ans Laufen zu bringen.

Dennoch:

H-Kennezichen:

z.b: B-RD 89 H

Das H steht für Historisch und sichert dem Fahrzeug gewisse Rechte:

Fahren in Umweltzonen ohne Umweltplakette

Steuerlich begünstigt (192€).

...

Oldtimerstatus heißt im Prinzip das gleiche-es kann ein H-Kennzeichen bekommen, du kannst Oldtimerversicherungen nutzen,....

LG

Mit einem H-Kennzeichen ist das Fahrzeug als Oldtimer eingestuft und darf damit nicht mehr im regulären Straßenverkehr eingesetzt werden, nur noch für Ausfahrten, Fahrten zu Oldtimertreffen und ähnlichem.

Gemisch kannst Du teilweise noch an Tankstellen direkt tanken, ist aber wirklich sehr selten geworden. Es gibt aber Zweitakteröl zum Selbermischen. Das dann parallel zum Tankprozess reinlaufen lassen oder besser in einer externen Mischkanne vorbereiten und dann in den Tank füllen.

Beim Verbrauch musst Du mit ca. 6l/100km rechnen.

Du kannst auch Super benutzen, Normalbenzin gibt es ja fast nirgends mehr.

E10 solltest Du meiden, da z.B. der Vergaser aus Aluminium ist und damit angegriffen werden kann.


Was solltest Du beachten?

Entgegen landläufiger Meinung ist der Trabi nicht etwa nur aus Pappe oder Plastik, sondern hat einen ganz normales stählernen Rahmen, der dann mit den Kunststoffteilen (Baumwolle mit Kunstharz verpresst) beplankt ist. Dieser Rahmen kann, wenn man nicht aufpasst, schnell versteckt rosten (oder verrostet sein). Sprich: Unter der Verkleidung kann das ganze Fahrzeug so verrottet sein, dass Du keinen TÜV mehr bekommst.

Und ältere Trabis laufen noch auf 6V. Dementsprechend musst Du dann schauen, ob Du z.B. noch Glühlampen bekommst.

Mit einem H-Kennzeichen ist das Fahrzeug als Oldtimer eingestuft und darf damit nicht mehr im regulären Straßenverkehr eingesetzt werden, nur noch für Ausfahrten, Fahrten zu Oldtimertreffen und ähnlichem.

MÖÖÖP. Falsch. Mit einem H-Kennzeichen darfst du stinknormal durch die Gegend tuckern. Deine Aussage gilt für Rote Kennzeichen. 

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@dumbo77

Ich kenne Leute, die fahren verdammt alte Autos täglich-über 50 Jahre alt, aber ich finds Klasse. So bleiben die Fahrzeuge im Straßenbild erhalten, wenn auch nur sehr selten, aber es freut mich immer, wenn man solch ein Fahrzeug noch fahren sieht. Denn oft stehen solche Fahrzeuge nur in Garagen. Dafür sind Autos zu schade. Sie sind zum Fahren gebaut :)

LG

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