Tonmeister-Studium zeitgemäß und sinnvoll?

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Hola, ich habe seinerzeit auch mein Diplom als Tontechniker an der SAE absolviert und muß im nachhinein sagen, das Geld war zum Fenster rausgeschmissen. Zwar arbeite ich seitdem als Tontechniker, aber was ich gelernt habe, mußte ich mir in jahrelanger Praxis aneignen. Die SAE vermittelt nicht viel mehr, als es ein gutes Buch auch getan hätte.

Was den Markt betrifft, muß ich deine Befürchtung bestätigen, der ist nämlich ordentlich überfüllt. Hätte ich keinen eigenen PA-Verleih, käme ich nicht über die Runden. Selbst meine Studioarbeit ist eher ein teures Hobby, als ein Broterwerb.

Kleines Beispiel; Vor ein paar Monaten bekam ich eine Anfrage eines Berliner Labels, die die Produktion mehrerer Kammermusik-CDs umfasste. Man sagte mir es gäbe schon einen Stammtechniker, der aber auf Dauer zu teuer sei, weswegen man nach einem anderen Ausschau hielte. Nun ist mir über dubiose Wege eine Rechnung des Kollegen in die Finger Geraten; 280,- Tagessatz incl. Equipment und Studio! Und das ist ein hochqualifizierter Tonmeister, kein "Rock`n'Roll Mischer". Ich habe seine Arbeiten gehört, absolut amtlich.

Soviel zur Marktlage. Und seitdem das Arbeitsamt in üblich weltfremder Manier mit teuren Ausbildungsplätzen an der SAE um sich wirft, wird es immer hässlicher. in Leipzig verdient im Livebetrieb ein Rigger (Traversenbauer, Lampenaufhänger, Ausbildung braucht ein paar Tage, soweit ich weiß) inzwischen mehr, als ein Tontechniker.

Viel Glück, wenn du´s trotzdem versuchst, is ja auch ne herrliche Arbeit. Aber Finanziell stehen die Chancen sehr schlecht.

Hallo AllMighty666,

vielen Dank für die informative Einsicht in Dein Berufsbild.

Darf ich demzufolge daraus schließen, dass es eigentlich schier egal ist, ob man eine Ausbildung zum Tontechniker, Audioproduzenten oder Tonmeister (inkl. Notenkenntnisse) hat, um am Markt an Jobs heran zu kommen, da man letztendlich ohnehin von potentiellen Auftraggebern gehaltsmäßig "gedrückt" wird?

Zählen prinzipiell nicht letztendlich vorzeigbare Referenzen aus der Praxis mehr als irgendwelche Zertifikate und Diplome sündhaft teurer und ominöser Institutionen? Haben es doch nicht auch schon viele in der Musikbranche ohne jegliches Aufsuchen solcher Schulen geschafft! Und da "Tonmeister" ohnehin keine geschützte Berufsbezeichnung ist, kann sich quasi doch jeder Audiofreak, der Apple Logic + Pro Tools vernünftig produktiv bedienen kann und damit produktiv ist, nennen!? Schließlich interessieren sich die A&R's renommierter Labels letztendlich nur für die Qualität der eingesandten Demos und fragen nicht nach dem persönlichen Qualifikationen!?

Ich bin im Übrigen auch der Meinung, dass die ARGE zunächst einmal die Marktlage und offene Stellenangebote prüfen sollte, bevor sie willkürlich Gutscheine an SAE & Co. verteilt. Ein Blick auf den Arbeitsmarkt in meiner Region weist zumindest gegenwärtig keinerlei Stellen auf, dass Unternehmen händeringend nach Tonechniker suchen. Und nach seiner Ausbildung gelegentlich nur freiberuflich tätig zu sein, birgt sicher doch auch irgendwie gehaltstechnisch ein nicht minderwertes Risiko!?

MfG

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@IQFreak

Hallo nochmal, jein, ich meine, das sind schon komplett andere Berufsfelder, allerdings sind alle 3 überlaufen. Am ehesten punkten kann man noch als Tonmeister, denn da trauen sich die ganzen "halbgaren" ncht wirklich ran, bzw. wird hier ein fachlicher Mangel sehr schnell offenbar. Aber, wie gesagt, selbst hier wird gedumpt.

Live sieht es am schlimmsten aus, da hier fast ausschließlich der Preis entscheidet. Man sagt sich, das Publikum merkt doch eh nicht, daß der Mann hinterm Pult nichts kann, also warum das doppelte zahlen.

Sicher zählen die Referenzen mehr, als ein Schein. Ich kenne auch einige sehr gute Tontechniker, die nie eine Schule besucht haben. Mein Diplom hat noch keinen anderen Zweck erfüllt, als gut auf der Visitenkarte auszusehen. Allerdings ist er dann von Belang, wenn man es (z.B. beim Radio) mit Leuten zu tun hat, die fachlich gar nicht die Kompetenzen besitzen, dein Können einzuschätzen.

Was die ARGE betrifft; daß ein Tontechniker eine Festanstellung bekommt, ist ein seltenes Glück. Das weiß jeder, nur eben die ARGE nicht.

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Lernen ist immer gut! Versuche öffentliche Bildungsstätten zu finden, die nicht auf Dein Geld aussind. Dass man keine Chance mit dem gewählten Beruf hat, hat man in den 70ern u.a. Lehrern gesagt. Für Dich als Musiker kann ein tieferes Verständnis der Technik nicht schaden.

Schnapp Dir ein Uni, Tu, Theaterwissenschaft)Vorlesungsverzeichnis und schau ob darin etwas angeboten wird, das Dir nützen könnte.

Duch das ganze Homerecording etc. geht da nicht mehr viel

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