Tonartendilemma

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7 Antworten

Für Klavier ist das das gleiche. Für Streicher und Blechbläser gibt es sehr wohl minimale Unterschiede. Diese können die Intervalle sauberer intonieren als ein Klavier. Es geht also um kleine Frequenzunterschiede. Da wie Du sagst auch transponierende Instrumente verwendet werden ist die Anzeige der richtigen Tonart theoretisch tatsächlich nötig. Kreuztonarten klingen heller und b-Tonarten dunkler, aber immer vorausgesetzt, dass man Sie denn wie ein Berufsgeiger intoniert.

Hallo,

für Nichtabsoluthörer und in gleichstufiger Stimmung spielen folgende Punkte bei der Wahl der Tonart mit:

Die Tonlage der Instrumente. (Die Instrumente klingen in unterschiedlichen Tonlagen auch unterschiedlich. Wenn man nun also eine Melodie hat, kann man die Tonart so anpassen, daß sich das Instrument, das die Melodie spielen soll, sich möglichst in einem Tonumfang aufhält, der den Gewünschten Klang ergibt.)

Der Tonumfang der Instrumente: Extreme Tonlagen haben in den jeweiligen Instrumenten ihren Reiz. z.B. klingt die tiefste Saite eines Kontrabasses leer gegriffen besonders dick... die Geigen im Flageolett-Bereich sehr schwebend, etc. Wenn man nun ein Musikstück für eine größere Besetzung geschrieben hat, und in einigen Instrumentenstimmen diese Extrembereiche benutzt hat, ist es meist unmöglich, das Stück auch nur einen halbton nach oben oder nach unten zu transponieren, ohne dabei den Tonumfang eines Instrumentes zu übersteigen und die Komposition daher unspielbar zu machen. (Man müsste an manchen Stellen Oktavieren, daraus folgt, dass man auch den Mehrstimmigen Satz verändert, weil dabei andere Umkehrungen der Akkorde rauskommen, etc. Da es für die Instrumentalisten nur reine Übungssache ist, sich in Tonarten mit vielen Vorzeichen genau so sicher zu bewegen, wie in Tonarten mit wenigen Vorzeichen, gibts eigentlich keinen Grund, derlei Kompromisse einzugehen.)

Ein anderer Aspekt sind die technischen Gegebenheiten des Instrumentes. Gewisse Techniken sind auf Instrumenten nur bei gewissen Noten möglich: So kann ein Streichinstrument z.B. auf einer leer gegriffenen Saite kein Vibrato spielen. Der tiefstmögliche Ton eines Streichinstruments fällt also für Vibrato schonmal weg. Eine Posaune kann keinen Triller machen zwischen zwei Tönen, von denen einer mit Zug ganz drinnen und der andere mit Zug ganz draussen gespielt wird. Wenn man nun an einer ganz bestimmten Stelle einer Melodie von einem ganz bestimmten Instrument eine ganz bestimmte Technik haben will, muss die Melodie in der Tonart stehen, in der das dann auch möglich ist.

Der letzte Grund sind Modulationen (eingeleitete Tonartwechsel): Es gibt Modulationstechniken, mit denen man sehr schnell, sehr weit weg von der Ausgangstonart kommt. Wenn man als Komponist also gerne Moduliert landet das Stück, unabhängig von der Ausgangstonart, sicher auch mal in einer Tonart mit sehr vielen Vorzeichen...

Desweiteren gibts auch Absoluthörer, die auch in gleichstufiger Stimmung unterschiedliche Tonarten sehr unterschiedlich empfinden, was dann sicher auch eine Rolle bei der Tonartauswahl in ihren Kompositionen spielt.

arrrgh...ich hab gerade gemerkt, dass ich überhaupt nicht auf die Frage geantwortet hab... :(

Also: In D# Dur fängt keiner an zu schreiben. In gleichstufiger Stimmung ist es nicht nötig und in reiner Stimmung klingt es nicht gut.

ALlerdings gibt es Modulationstechniken mit denen man, würde man enharmonisch korrekt notieren, in D#-Dur landen könnte. Trotzdem notiert man sowas dann oft trotzdem in Eb um die Instrumentalisten nicht unnötig zu überfordern...

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Das ist eine interessante Frage. Wenn man sich damit beschäftigt, gelangt man bald in den Wald der verschiedenen Stimmungen. Sich da nicht zu verirren, ist gar nicht so einfach, das Thema ist schier unerschöpflich und hat Musiker und Mathematiker über Jahrhunderte beschäftigt, weshalb ich nur ganz kurz das Prinzip beschreibe.

Die Physik und die Prinzipien des angenehmen Zusammenklangs von Tönen sind so beschaffen, dass man ein und denselben Ton in anderen Harmoniezusammenhängen anders spielen muss, dieser nicht immer die gleiche Tonhöhe hat, damit der Akkord "rein" klingt. Stapelt man sieben reine Oktaven im Vergleich zu zwölf reinen Quinten übereinander, merkt man, dass die Töne, die man erhält (z.B. his = c), nicht identisch sind, sondern ungefähr einen Achtelton auseinander liegen (pythagoreisches Komma). Außerdem ist es offensichtlich, dass man Tasteninstrumente nicht so stimmen kann, dass die Akkorde in allen Tonarten rein klingen.

Deswegen entstanden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Stimmungen, um Unreinheiten so gut wie möglich auszugleichen. Seit dem 19. Jahrhundert verwendet man in westlicher Musik hauptsächlich die gleichstufige Stimmung, bei der das Frequenzverhältnis zwischen allen Halbtönen der Oktave gleich ist (man unterteilt einen Halbton in 100 Cent). Auf einem Streichinstrument kann man jedoch nach wie vor reine Intervalle spielen, die den Intervallen auf Tasteninstrumenten nicht ganz entsprechen. Manche Violonisten verwenden deswegen auch einen anderen Finger Satz für ein es als für ein dis, das auf dem Klavier durch die selbe Taste erzeugt wird.

Da man jedoch wie gesagt seit Anfang des 19. Jahrhunderts die gleichstufige Stimmung verwendet, haben sich unsere Ohren an diese Stimmung gewöhnt, die Geiger passen sich daran an (genaueres könnte wahrscheinlich ein Violonist sagen).

Somit ist also Musik, die in Es und in dis steht, klanglich gleich, die absichtliche Wahl einer Tonart wie Dis-Dur für Tasteninstrumente also fragwürdig.

Es gibt wenige Gründe dafür, Musik in solch eher ungewöhnlichen Tonarten zu notieren. Konzertharfen sind in Ces-Dur beheimatet, weshalb sie in b-Tonarten besser klingen sollen. Wenn sich eine Passage oder Musikstück auf einen anderen Teil bezieht, kann es zudem musiktheorethischer korrekter sein, beispielsweise Ces statt H zu wählen.

Hallo Yasi1890, zwar bin ich weder Musiktheoretiker, Klassiker, Musiklehrer, Musikprofessoren etc., aber ich glaube, das es und vor einiger Zeit in der Schule erklärt wurde. Wenn man ein Stück z.B. mit einem # (oder mehreren) komponiert, ist es normal, die die anderen Stimmen, trotz anderen Stimmungen auch #-e und keine b's als Vorzeichen (ganz am Anfang) haben (tut mir leid, wenn mir die Fachbegriffe fehlen). Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte und nicht vollkommenen Quatsch geschrieben habe.

Hallo Yasi

Deine Frage ist spannend. Nur ich kenne kein Stück, das in Dis-Dur oder Ais-Dur geschrieben ist.... alle nur Es-Dur oder Bb. Hast du ein Beispiel in Dis-Dur? Wäre kompliziert zu schreiben mit his, cisis, eis.... etc.

spontan fällt mir nichts ein, aber wenn ein Stück in C#-Dur gespielt wird und z.B. eine Stimme für die Trompete herausgeschrieben wird oder so.

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Auf dem Klavier ist das egal, die Töne sind ja nicht modulierbar, auf vielen anderen Instrumenten ist das nicht so.

Ja schon, aber auch auf einer Geige oder einem Waldhorn ist ein Eb und ein D# das gleiche, oder nicht? Wenn man nach dem mechanischen Aufbau geht, ist ein Ton ja nur eine einfache Bezeichnung für die Anzahl Herz.

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@Yasi1890

Da die "b" und "#" bei den verschiedenen Tonarten an andere Töne gesetzt sind, springen dabei je unterschiedliche Paralleltonarten heraus. Die sind warscheinlich sehr wichtig für das komponierte Lied.

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Hallo Yasi 1890, ich verstehe nicht, warum Dis-Dur sollte eine der interessantesten Dur-Tonleitern sein. Obwohl theoretisch möglich aber überhaupt nicht benutzt, weil wir einfach in enharmonischen Es-Dur spielen. Auch transponierende B- und Es Intrumente haben kein Grund in Dis-Dur zu spielen, weil Ausgangstonart musste Eis- oder His-Dur sein und das ist Unsinn.

Bis Du sicher, dass nicht um Dis-Moll (die paralele zu Fis-Dur mit 6 Kreuzen) fragen wolltest?

Jup, ich rede von Dis-Dur mit den vielen Kreuzen - und genau deswegen ist es interessant! Eine D-Dur-Tonleiter mit lediglich 3 Kreuzen ist doch langweilig ;-)

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@Yasi1890

D-Dur ist mit 2 Kreuzen (f#, c#). Mit 3 Kreuzen ist A-Dur.

Dis-Dur musste man eventuell mit folgenden Stufen spielen: d# e# fx g# a# h# cx d#

Tonleiter Dis-Dur gibt es nur theoretisch (mehr als sieben Kreuze).

Deine Frage: "Warum KOMPONIERT jemand ein Lied in dieser Tonart?".

Ich kann deine Frage nicht vertehen, weil niemand komponiert in DIS-DUR oder Du hast wirklich solche Noten gesehen?

Am Rande: Wenn D-Dur wirklich so langweilig ist, dann könnte man es in Cisis-Dur transponieren.

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