Seid ihr für oder gegen die Todesstrafe, mit Begründung?

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5 Antworten

Ich habe eine sehr ambivalente Einstellung zur Todesstrafe. Das stärkste Argument dagegen, das auch mich am ehesten überzeugt, ist, dass sie weder eine echte Korrektur von Justizirrtümern noch von Justizverbrechen (hier: wissentlich gefällte Fehlurteile) zulässt.

Auch so etwas wie tätige Reue durch einen (zu Recht) Verurteilten ist spätestens nach der Hinrichtung ausgeschlossen.

Daneben kann man noch eher weltanschauliche Argumente anführen wie das, dass das Leben generell heilig sei.

Mit diesem lebensschützerischen Argument habe ich es allerdings nicht so, es erweist sich zu oft als unmenschlich, wenn es umgekehrt um den Wunsch eines Menschen geht, lieber früher und gleichsam künstlich herbeigeführt als später und „natürlich“, dafür aber qualvoll zu sterben.

Viele Argumente gegen die Todesstrafe lassen sich im Prinzip ebenso gut gegen andere Strafformen einsetzen, etwa das Argument der Unwiderruflichkeit, denn einen Gefangenen kann man zwar freilassen, aber das Trauma ist perfekt und die Lebenszeit unwiderruflich dahin.

Das Argument der Menschenwürde ist auch so eine Sache. Im antiken Athen wurde nicht die Todesstrafe (s. Sokrates), sondern eher die Freiheitsstrafe als menschenunwürdig betrachtet und spielte praktisch keine Rolle. Es gab zwar ein Gefängnis, in dem man aber nur vorübergehend untergebracht war. Hat was für sich, die Anschauung.

Das mit Abstand schlechteste Argument ist das „genau so schlimm“ - Argument. Mit dessen Logik ist eine Freiheitsstrafe Freiheitsberaubung und eine Geldstrafe Diebstahl. Außerdem macht es verdammt noch mal einen Unterschied, ob jemand getötet wird, weil er seinen Zaster nicht rausrücken will, oder deshalb, weil er jemanden zu Tode gequält hat, der das nicht wollte, und es bei der nächsten Gelegenheit erneut tun würde, und zwar unabhängig davon, ob man Letzteres für gerechtfertigt hält oder immer noch nicht.

Sauer aufgestoßen ist mir das gefühlte zweierlei Maß zugunsten wirklich schlimmer Verbrecher und zulasten von Menschen, die nur wegen ihrer Andersartigkeit hingerichtet werden. Wo zum Henker sind die, die ausgerechnet gegen Saddam Husseins Hinrichtung protest haben, wenn anderenorts Menschen wegen ihrer Homosexualität am Kran aufgehängt werden?

Interessanterweise gibt es ein gleichsam ungewolltes Pro-Argument von humanistischer Seite: Man hört oder liest gelegentlich, Freiheitsstrafe habe einzig den Sinn, die Gesellschaft vor einem Straftäter zu schützen. Nicht, dass ich dem Argument zustimme (dagegen spricht schon die starre zeitliche Befristung dieses „Schutzes”), aber dieser Schutz wäre am wirksamsten durch die Todesstrafe gewährleistet.

Für die Todesstrafe spricht, in diesem Zusammenhang und in dem mit besonders grausamen Verbrechen wie denen der Nationalsozialisten gesehen, auch, dass sie ein wirksamer Schutz gegen spätere Milde darstellt, die in diesem Falle nicht Barmherzigkeit, sondern deren glattes Gegenteil ist.

Ein weiteres Pro-Argument ist die Möglichkeit, sie im Rahmen eines Deals vom Tisch zu nehmen.

Wie Du siehst, bin ich in der Frage mindestens gespalten.

Ich denke nicht dass Leute, die gegen die Todesstrafe sind, nicht darüber nachdenken. Für die einen ist das Leben mehr Wert als für die anderen.

Viele Menschen verstehen auch nicht, dass das Leben so ein einzigartiges Privileg ist, dass man selber nicht einmal seine eigene Existenz ergründen kann. Jemandem alles wegzunehmen was er jemals gewesen ist, muss schon Konsequenzen mit sich ziehen, aber man steht dadurch selber nicht in der Position über das Leben oder den Tod eines vermeintlichen Mörders zu entscheiden.

Zumal ich Morde, die durch Kurzschlussreaktionen passieren (klassisches Beispiel: Der Ehemann haut die Ehefrau um weil Sie Ihn auf die Palme gebracht hat), teilweise in dem Sinne nachvollziehen kann, dass jeder Mensch einen Punkt hat, in dem er keine Kontrolle mehr über sein Handeln hat und man sich bei solchen Impulshandlungen selber dabei zuschauen kann, wie man austickt. Plötzlich fühlt sich der Schlag, der auf einmal loszuckt und den Gegenüber trifft, wie ferngesteuert und automatisiert an. 

Desweiteren bekräftigt das Argument, dass komplett unschuldige Individuen durch menschliches Versagen und Falschaussagen zum Tode verurteilt werden, meine Anti-Todesstrafe Einstellung.

Zumal ich Morde, die durch Kurzschlussreaktionen passieren …, teilweise in dem Sinne nachvollziehen kann, dass jeder Mensch einen Punkt hat, in dem er keine Kontrolle mehr über sein Handeln hat….

Das sind dann allerdings keine Morde. Morde sind als vorsätzlich definiert, wobei auch das Warum mit darüber entscheiden kann, ob es einer ist oder nicht.

Beispiel: Der Ehemann haut die Ehefrau um weil Sie Ihn auf die Palme gebracht hat)

Das kommt für mich darauf an, was unter „auf die Palme bringen“ zu verstehen ist. Das wie in dem einen Loriot-Sketch reicht da meines Erachtens nicht aus. Ich kann zwar nachvollziehen, dass der Mann am Ende sagt „morgen bringe ich sie um“, aber für's Tun hätte ich weniger Verständnis.

Etwa anders verhält es sich mit dem Fall, den Schirach in „Verbrechen“ schildert. Gegen Mobbing und dergleichen bin ich ohnehin so allergisch, dass mir bei entsprechenden Schilderungen Tarantinische Szenen in den Sinn kommen… 

Das letzte Argument finde ich überzeugend, wobei der Unterschied zu anderen Strafformen darin besteht, dass es keine Chance auf Wiedergutmachung gibt.

Mir kommt der Fall Debra Milke in den Sinn, die zum Tode verurteilt wurde aufgrund der erstunkenen und erlogenen Aussage eines Polizisten, der sich einen Namen als „Closer“ machen bzw. diesen Ruf verteidigen wollte.

Wenn es denn überhaupt ein todeswürdiges Verbrechen gibt, gehört so ein Verhalten unzweifelhaft dazu.

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Hei

ich bin gegen die Todesstrafe. Nicht aus religiösen oder ethischen Gründen, nein - sie ist zu human für manche Verbrechen.

Eine Spritze, Genickschuß oder so und das wars dann für einen, der schwerste Verbrechen an Menschen begangen hat?

Ich wäre dafür unseren Strafvollzug dahingehend zu ändern. Solche Verbrecher müssen eingesperrt werden, zeitlebens. In einer Einzelzelle, ohne Kontakte, sie bekommen genügend Essen und Trinken, ärztliche Versorgung, aber eben nicht mehr. Keine Bücher, kein Fernseh, kein Handy, Internet oder sonst was zur Unterhaltung. 24 Std. / Tag (Nacht) mit sich alleine beschäftigt. Hofgang, klar, aber völlig alleine. Aber auch keine körperliche Folter.

Meiner Meinung nach eine nachhaltigere Strafe als der schnelle Tod durch Hinrichtung.

sodele, jetzt fallt über mich her :)

Aber hier ein bsp. : in USA sind so ungf. 80 % der verbrecher unschuldig. In ländern z.B. im osten gibt es ungerechte Gesetze. Wer denonstriert wird bestraft

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@arjanebrahimi

okay, dann nochmals zur Klärung was ich meine.: nachgewiesene oder gestandene schwerste Verbrechen gegen den Menschen (nicht Staat, Insituttionen etc.)

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Bei gemeingefährlichen Triebtätern, die sonst immer wieder töten oder vergewaltigen halte ich das durchaus für angemessen.

Das große Problem ist nur: wann kann man sich sicher sein, dass man den richtigen auf dem Stuhl zu sitzen hat?

Es ist ja leider schon oft vorgekommen, dass Unschuldige hinter Gittern saßen oder sogar nach der Hinrichtung die Unschuld bewiesen werden konnte.

Endlich eine normale person..... danke aber das habe ich im Text schon. ^^

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@arjanebrahimi

Du hast nach unserer Meinung gefragt und genau das habe ich geschrieben ;)

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Deswegen n danke. :D

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sollte für den täter freitod als wahl geben, bei lebenslänglich, aber  nicht generell, die meisten länder in denen die gefänginisse überfüllt sind haben haufenweise unschuldige hinter gittern und in ländern wie deutschland ist das von der anzahl der schwerverbrecher her vollkommen unnötig

Aber: manche bedrohen das wenn jn nicht die todesstrafe nimmt seine familie evt daran leidet. Wie z. B. In Stalins Zeit

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@arjanebrahimi

wenn du schon im knast sitzt, ordnen die ehr deinen tod an (gangsster) der staat scheißt da eher auf dich, bezog micha ber jetzt auf deutschland, hier ist sowas ja eher unüblich

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