Tips für „Schriftlsteller“?

8 Antworten

Ich empfehle dir, nicht zu versuchen, Schriftsteller zu sein, das bedeutet nämlich etwas ganz anderes, als Dinge aufzuschreiben. Mach dir nicht mit dem Anspruch, etwas Schönes erschaffen zu müssen, das kaputt, um das es eigentlich geht: deinen inneren Frieden, dir die Dinge "von der Seele zu schreiben". Jetzt geht es erst mal nur um dich, dein Werk ist zweitrangig. Das heißt nicht, dass es nicht schön sein darf, es muss nur nicht. Da will etwas aus dir raus, will sich lösen, und du spürst, dass das Schreiben dafür ein guter Weg ist - super, geh diesem Gefühl nach! Wenn du Angst hast, mach es dir so einfach wie möglich: Schreibe in einem geschützten Raum, Tür abschließen, Kuscheldecke um, was dir gut tut. Wenn du Angst hast, dass jemand deine Texte lesen könnte, kannst du sie entweder direkt wieder vernichten (Shredder, kleine Feuerschale (nicht direkt unter dem Rauchmelder und später gut lüften), Datei löschen ...) oder sie z.B. in Geheimschrift schreiben (leicht zu lernen und sehr hilfreich auch für schnelle Notizen: Stiefographie). Oder du benutzt ein abschließbares Tagebuch (kein billiges, die sind leicht zu knacken). Es kann auch helfen, dich parallel mit anderen Übungen zu beschäftigen, Meditation z.B., GfK (Gewaltfreie Kommunikation) oder Focusing. Alles, was dein Selbstbewusstsein stärkt und deinen inneren Frieden fördert, hilft dir auch beim Schreiben.

Ich habe ein wenig den Eindruck, du erwartest, dass alles gleich so klappt, wie du dir das wünschst. Aber auch Schreiben ist Übungssache und gerade Schreibanfänger schütteln nunmal nicht perfekte Literatur aus dem Ärmel. Publizierte Autoren haben stapelweise unpublizierte Texte, die in Schubladen und auf Festplatten vor sich hinschlummern. Bis sie soweit waren, dass sie die Texte schreiben konnten, die du bewunderst, mussten sie viel an sich arbeiten, viel schreiben und vor allem viel überarbeiten. Anders kann man sich kaum verbessern.

Wenn du dich nun frustriert zurückziehst, wirst du dich kaum verbessern. Setz dich hin und fang an, deine Texte zu hinterfragen. Warum gefällt dir nicht, was du zu Papier gebracht hast? Und dann fang an, das Geschriebene zu verbessern.

Zum Überwinden der Einstiegshürde und der Angst vor dem inneren Korrektor eignen sich am besten Schreibübungen. Oft sogar am ehesten solche, die nichts mit dem eigenen Thema zu tun haben. Lern zu beschreiben, fang mit einfachen Sachen an, arbeite dich zu Gefühlen und Eindrücken hoch. Nutz Stichwortgeber und schreib in begrenzter Zeit ohne groß nachzudenken und zu korrigieren Texte zu solchen Stichwörtern. Dadurch lernst du, einen Schreibfluss aufkommen zu lassen und ihn nicht zu unterbrechen. Korrigieren kannst du hinterher.

Ansonsten hilft es sicherlich, sich mit den Grundregeln des kreativen Schreibens vertraut zu machen. Und vielleicht nicht unbedingt eine Autobiographie schreiben zu wollen. Denen fehlt es nämlich in aller Regel genau an diesen Grundregeln. Die meisten Leben haben keinen großen Spannungsbogen, keine Dramaturgie. Wer eine lesenswerte (Auto)Biographie schreiben will, muss schon eine beherrschen.

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung

Der erste Tipp, den ich dir geben kann: Versuche dich nicht in einer Autobiographie. Und Lebenserfahrung hin oder her (davon hab ich auch ne Menge), komm nicht ins Jammern oder nutze die Literatur zur Problembewältigung. Das klappt nicht. Bringe deine Lebenserfahrung ein (das ist ohnehin unumgänglich), aber mit dem nötigen Abstand.

Zum Ergebnis deiner Schreibversuche: In Büchern liest sich alles so natürlich. Der Text plätschert so dahin, als hätte man ihn geradewegs aus dem Ärmel geschüttelt. Wenn man sich allerdings selbst mal hinsetzt und versucht, zu schreiben, stellt man schnell fest, dass das so nicht funktioniert. :)

Schreiben ist ein Handwerk. Das gilt es zu verstehen und zu üben. Wirkung zu erzielen ist kein Zufallsprodukt. Nach ein paar Jahren gezielter Übung erreicht man dann sowas wie Qualität. Was man dabei alles beachten muss, das füllt dicke Bücher. Für die anfängliche Orientierung wäre ein Schreibratgeber daher nützlich.

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