Thomas Hobbes und David Hume, Moralvorstellung, Staatsbildung

1 Antwort

Thomas Hobbes kann man als einen Ur-Vater der englichen Aufklärung betrachten, dem dann John Locke folgt und dann David Hume. Hobbes ist in zweierlei groß geworden: Ursprünglich noch in der scholastischen, von kirchlichen Dogmen und abstrakter Rationalität geprägten Philosophie und andererseits im vom Bürgerkrieg - auch mit religiösen Ausprädungen - zerrissenen England, von dem er teilweise nach Frankreich fliehen musste. Das war sein Glück, denn dort ist er dem Epikureer Pierre Gassendi begegnet, der erstmals die Reste von Epikurs Werk übersetzt und die der Scholastik vollkommen entgegengesetzte Philosophie Epikurs entdeckt hat. Die danach um sich greifende Idee des Gesellschaftsvertrags geht ja bereits auf Epikur zurück. Man kann vor Locke nur den Hut ziehen, dass er für die englische Philosophie den Mut hatte, seine eigene erlernte Philosophie vollkommen über den Haufen zu werfen und sich dem rationalen Empirismus Epikurs zuzuwenden. Politisch ist er natürlich vom drohenden Zerfall des Staates geprägt und sucht nach Auswegen. Das Gesetz des Gesellschaftsvertrages verlangt bei ihm bereits die Zustimmung des ganzen Volkes, auch wenn dann der Ausführende der König bleibt. Mehr Demokratie konnte sich Hobbes noch nicht vorstellen.

Den nächsten Schritt geht John Locke, dessen Vater ein Zeitgenosse von Hobbes war, d.h. er hätte Hobbes Sohn sein können. Zu Lockes Zeit war die politische Entwicklung schon weiter und für Lockes Umsetzung des Gesellschaftsvertrags konnte er sich nur noch das demokratisch gewählte Parlament vorstellen. Locke wiederum hätte der Großvater von David Hume sein können, Thomas Hobbes also hätte der Urgroßvater von David Hume sein können. Jetzt frag Dich mal, was der Unterschied ist zwischen Deinen Auffassungen und denen Deines Urgroßvaters, der evtl. noch dem Deutschen Kaiser Wilhem zugejubelt hat. Die politischen Umwälzungen damals waren nicht weniger umwälzend. Hume hat die mit Hobbes beginnende und von Locke fortgesetzte Empirische Philosophie kritisch fortgesetzt. Schaut man sich Humes Freunde an, dann ist man im Vorfeld der französischen Revolution und der amerkanischen Unabhängigkeit. Er war befreundet mit den Pariser Enzyclopädisten Rousseau, Diderot, mit Voltaire und Paul Henri Thiry d’Holbach, er war befreundet mit Thomas Jefferson, der die amerikanische Unabhängigkeitserklärung geschrieben hat und bekennender Epikureer war, und er war engestens befreundet mit Adam Smith, Professor für Moralphilosophie und heute eher bekannt als der erste Wirtschaftstheoretiker mit seinem Buch "Wohlstand der Nationen".

Humes Menschenbild könnte man heute empirisch-evolutionistisch nennen. Der Mensch ein Teil der Natur, der sich durch seine kulturelle Entwicklung in Gesellschaften vom Rest der Natur losgelöst hat und daher verantwortlich für die gesellschaftliche Weiterentwicklung. Mit seinen durchaus noch entscheidungsleitenden Emotionen bleibt er aber ein Kind der Natur und sein Verstand ist noch lange nicht so weit, die Dominanz der Emotionen zu durchbrechen. Hier ist ein scharfer Kontrast zu Immanuel Kant, der den Menschen gern als Incarnation der höheren Vernunft gesehen hätte. Für Hume bleibt der Mensch ein den Emotionen verhaftetes Wesen - was auch (siehe die Liebe) sein Gutes hat - und in seiner Gesellschaftsorganisation durch Gesetze Konfliktlösungen suchen muss, die emotionalen Konflikte zu dämpfen. David Hume als kritischer Geist war kein Freund allzu optimistischer Utopien, die so rational daherkommen und im Grunde reine Wunschgebilde sind.

Was möchtest Du wissen?