Theoretischer Physiker Verbeamtung/Befristung

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4 Antworten

nach dem doktorat muss man für gewöhnliche einige soganannte "post doc" stellen durchmachen. das sind meist auf zwei oder drei jahre befristete stellen, nach dem ablauf dieser zeit musst du dich wieder erneut wieder wo anders bewerben und hoffen dass du irgendwo auf der welt eine neue stelle bekommst. von der bezahlung kann man schon leben, reich wird man damit sicher nicht.

wenn es für dich aufregend klingt, alle zwei jahre in ein anderes land zu ziehen und viel von der welt zu sehen - toll

wenn du z.B. vor hast in der zeit (du wirst dann so um die dreißig sein) eine familie zu gründen, während du keinen fixen job hast, alle zwei jahre wieder nicht weißt wie es weiter geht und du nie länger als ein paar jahre an einem ort sesshaft sein kannst - tja, vielleicht nicht so toll.

eine feste anstellung zu bekommen ist natürlich für jeden wissenschaftler der jackpot. diese anstellungen gibt es (und als ordentlicher professor an einer universität verdient man auch in der tat sehr gut), tatsächliche eine zu bekommen ist allerdings sehr schwierig. (denk dir einfach, wieviele doktoranden ein professor in seiner karriere betreut, und nur eine person kann ihn auf der stelle ersetzen wenn er in pension geht. konkurrenz weltweit).

viele steigen aus der wissenschaft aus bevor sie eine feste anstellng bekommen. als theoretischer physiker ist man in der industrie jetzt nicht so direkt gefragt, man hat ja schließlich nichts konkret anwendbares gelernt. was man als physiker allerdings hat ist eine solide mathematische ausbildung, oft auch gute programmierkenntnisse und jahrelanges training im lösungsorientierten denken. daher kommen physiker in der wirtschaft dann oft dort unter, wo auch mathematiker gesucht werden (klassiches beispiel sind z.B. versicherungen und banken)

prinzipiell würde ich ein physikstudium (und vor allem eine spezialisierung auf theoretische physik im studium) einfach nur aus reinem interesse an dem fach empfehlen. wenn es jemanden nur um die große karriere geht, dann gibt es sicher bessere optionen.

Der Ruf als Hochschullehrer erfolgt zunächst als befristeter Zeitbeamten. Die Entfristung und Umwandlung in eine unbefristete Beamtenstellung ist unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern sowie im Bund geregelt. Die Berufung als beamteter Hochschullehrer ist i.d.R bis zum 55. Lj. möglich, darüber hinaus nur mit einer expliziten Zustimmung des Landesfinanzminister.

Als wissenschaftlicher Assistent kann man Beamter auf Zeit werden. Wie der Name sagt, ist die Stelle zeitlich begrenzt.

Um Professor zu werden braucht man im Normalfall eine Tätigkeit über einige Jahre außerhalb der Uni, um die Befähigung dazu zu erlangen.

Von Professoren an der Uni verlangt man Vorlesungen und wissenschaftliche Forschung. An Fachhochschulen ist die Lehre das wichtigste Element, Forschung geduldet.

Bezahlung: Die Tabellen findest du im Web.

Karl37 02.02.2015, 06:21

Um Professor zu werden braucht es als Erstes die Habilitation, die man nur über ein Forschungsprojekt erlangen kann. Forschungen im Bereich der Physik gibt es in der Industrie kaum oder gar nicht. Hier sind nur die Hochschulen oder die wissenschaftliche Institute wie Max Planck, Helmholtz usw. angesagt.

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jorgang 02.02.2015, 13:15
@Karl37
  1. Die Habilitation ist keine notwendige Bedingung. Wenn sich ein Bewerber durch wissenschaftlich hervorragende Leistung außerhalb der Uni ausgezeichnet hat, dann verzichtet man gern auf diesen Formalismus. Das ist meine Erfahrung aus dem Berufungsausschuss.

  2. Die Industrie betreibt sicher keine Abteilungen mit dem Titel Physikalische Forschung. Aber was tun denn die vielen Physiker in der Industrie? Arbeiten die als Hofkolonne oder als Sicherheitspersonal wie Pförtner? Die arbeiten in der Forschung der Halbleiterindustrie, der Elektroindustrie, der chemischen Industrie wie auch im Maschinenbau bis zu den Schwermaschinen. Und von dort kommen viele Professoren an den Hochschulen und Unis. Wer untersucht denn das Einströmverhalten eines Zylinders? Wer macht die Schwingungsanalyse der Karosserie oder des Schiffsgenerators? Wer hat denn die weißen Leuchdioden entwickelt und wer die CFLs? Was waren die Entwickler der CD-ROMs, Blue Rays, und der HDs? Wer entwickelt die Halbleitertechnologie und die Fertigungsverfahren dazu?

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Mal abgesehen davon, das Professor der theoretischen Physik ein Ziel ist, das ich mir nur als Plan B bzw. C setzten würden, verdient man nicht so viel, wie viele denken. Als Professor kannst du nur als Dozent arbeiten, soweit ich weiß (zumindest gibt es keine Gründe warum du deinen Professor machen solltest und danach in die Forschung gehst. Doktor langt da durch aus.)

Karl37 02.02.2015, 06:25

Eine Leitungsposition als Direktor in einem wissenschaftlichen Institut ist recht ordentlich dotiert und setzt immer eine Professur voraus. Solche Positionen als Physiker gibt es nicht in der Industrie.

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jorgang 02.02.2015, 13:29
@Karl37

Angestellte Physiker werden von deren Vorgesetzten, die nie eine wissenschaftliche Ausbildung haben, vielfach als Fachidioten angesehen, die nur ihre technischen Ziele im Sinn haben, aber zu blöd sind, das Hauptziel, Karriere und Geld zu machen, nicht im Auge haben. Das gilt für Physiker in der Industrie und auch im Gesundheitswesen, wo der promovierte Physiker im Ansehen unter der Oberschwester angesiedelt ist.
Alles ist möglich, nur mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit: Ich kenne auch Ausnahmen, wo Physiker im Aufsichtsrat großer Firmen sitzen, oder gar Eigentümer von großen weltweit bekannten Firmen mit fast 20000 Beschäftigten waren.

Allerdings ist das nicht der normale Werdegang eines Physikers. Die Einstellgehälter von prom. Physikern in der Industrie sind heute bei etwas über 40000 € im Jahr. Mit Glück sogar dauerhaft ohne Zeitvertrag.

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