Theoretische Physik lernen?

3 Antworten

Ich könnte mir vorstellen, dass dein Problem ein "zu großes Vorwissen" bzw. ein "zu großes Hinterfragen" ist, also so wie man es von einem (evtl. angehenden?) Naturwissenschaftler erwarten würde. Das Problem an Stephan Hawkings Büchern ist, dass er die Vorgänge beschreibt und versucht, bildlich zu machen. Das ist an sich in Ordnung, weil es ja ein populärwissenschaftliches Buch ist, das die "Geheimnisse" der modernen Physik auch Menschen näherzubringen versucht, die kein oder wenig Vorwissen in Mathe und Physik mitbringen. Leider gibt es dann auch keinen "matheatischen Anhang" oder sowas, bei dem versierte Leser doch noch etwas tiefer einsteigen könneten (z.B. erklärt er ja einfach die komplexen Zahlen als "irgendwie andere Zahlen", dabei könnte man ja auch erklären, dass man damit Wurzeln negativer Zahlen berechnet oder so).

Also zusammengefasst: Stephen Hawkings Bücher sind zum Staunen gedacht. "Schau mal, was es da alles gibt, oder zuminest geben könnte" (Viel ist ja noch reine Theorie, zu denen es keine Ansätze von Beweisen gibt). Verstehene ist in dem Sinne mit solchen Büchern nicht möglich. Denn bei diesen Theorien handelt es sich eben nicht einfach nur um ein paar recht logische Zusammenhänge, und am Ende mus man nur 1 und 1 zusammenzählen und es kommt die M-Theorie raus. Das ist alles wesentlicher komplizierter. So kompliziert, dass man das ohne Mathe nicht hibekommt, und zwar eine gehörige Portion Mathe, die weit über das Oberstufennieveau hinausgeht.

Und das dürfte wohl dein Problem sein (so war es zumindest bei mir damals): Du kommst dir beim Lesen ziemlich dumm vor, weil du eigentlich davon ausgeht, das du am Ende verstehen müsste, wie man auf dies ganzen tolle Sachen kommt. Aber du versteht letztendlich die Erklärungen von Hawking nicht wirklich. Das ist aber nicht schlimm, denn tatsächlich liefert Hawking keine Erklärungen oder Herleitungen, sondern er beschreibt nur, was herauskommt. Und mehr ist wie gesagt ohne enorme (aus Sicht eines Abiturienten) Kenntnisse in Mathe und Physik nicht möglich.

Das heißt: Wenn du "so viel wie möglich" über theoretische Physik erfahren willst, dann bleibt dir nur ein Studium. Wenn du die entsprechenden Vertiefungsrichtungen wählst, verstehst du am Ende eventuell die im Buch erläuterten Theorien zu großen Teilen. Wohlgemerkt am Ende des Studiums, wenn überhaupt. Soll heißen: Nur mal so wird das sehr schwer. Du müsstest enorm viel in Mathe dazulernen und dann die entsprechende Physik dazu, das halte ich ohne Studium für unmöglich. Aber, auch wenn du nicht Physik studieren willst, muss das nicht "Endstation" sein. Ich selbst studiere ein ingenieurwissenschaftliches Fach. Damit bekommt man auch mal ziemlcioh viel MAthe mit, und am Ende kann man dann doch einiges verstehen (wobei es dazu dann schon noch weiter Vorlesungen über Mathe hinaus benötigt). Damit meine ich nicht, dass man am Ende auch nur ansatzweise irgendwas aus dem Buch theoretisch heleiten könnte (naja, einige ganz grundsätzliche Sachen vielleicht schon), aber man bekommt so eine "Art besseres Gefühl" für das ganze Thema. Also: Wenn ich heute mir das Buch nochmal anschaue, dann gibt es immer noch sehr viel, dass ich einfach nur "hinnehmen" kann. Damit muss ich mich abfinden, weil ich für mich nicht die Möglichkeit sehe, mich entsprechend weiter in die Thematik vertiefen zu können. Aber es ist doch so, dass ich einge Themen aus dem Buch doch etwas mehr begreifen kann.

Ein Selbststudium (z.B. für die mathematischen Themen) ist zwar sicher nicht ausgeschlossen. Aber erfahrungsgemäß würde ich sagen, dass das ziemlich schwer ist. Es hilft doch enorm, wenn man eine "Anleitung" hat, welche Themen man jetzt kennen sollte. Denn oft ist es in der höheren Mathematik so, dass Themen die man zuerst als völlig unwichtig für ein anderes Thema eingeschätzt hat, doch benötigt werden. Ohne "Anleitung" ist man da ziemlich aufgeschmissen. D.h.: du kannst zwar versuchen, dir Skripte oder so zu Mathe und theoretische Physik zu besoregn und diese allein durchzuackern. Aber ob du da "nebenher" genügend Zeit und Motivation findest halte ich für sehr fraglich. Zumal das "interessante" wie bei Hawking eben wirklich erst sehr sehr spät behandelt wird.

Sehr schön gesagt. Ich kann Dir als theoretischer Physiker nur eine Antwort geben: Eine unbezwingbare Neugier muss dich vorwärts treiben. Innerlich. In Deinem Leben. Das ist alles so kompliziert, dass man es ohne diese durch Nichts aufzuhaltende Neugier nicht versteht. Genies, wie S.H. können das dann so wundervoll darstellen, aber nicht jeder wird Genie. Ich z.B. auch nicht. Immerhin habe ich eine Fussnote, "Man kann zeigen dass..." und eine Summenformel zum Wissen der Menscheit zufügen dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar, ich konnte als Ergebnis meines Lebens einige winzige Erkenntnisse zufügen.

Wenn Du ernsthaft noch etwas erweitert Dargestelltes lesen wirst, sollte dies im Original in Englisch sein: "The Black Hole War" von Susskind. Du musst es im Original lesen. Sonst wirst Du niemals die heutige Physik verstehen können. Ich stehe hinter Dir. Gruss GH

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arrgh meinte ja schon das es nicht wirklich leicht sein wird die mathemathische Theorie im Alleingang zu lernen. Aber es gibt ganz gute Bücher die von vielen Profs auch als Grundlage benutzt werden für die Vorlesungen.

ich würde dir da empfehlen mal in 'Nolting: Grundkurs Theoretische Physik' reinzuschnuppern, das ist ein Band, das im ersten Teil erstmal mit mathematischen Grundlagen anfängt, also selbst nochmal erklärt was Vektoren sind usw. . Das wird zwar dann ein Zeitintensives Hobby, aber wenn dich das interessiert, wär das sicher ein guter Start anfangen die (theoretische) Physik wirklich kennen zu lernen ;)

Physik teilt man in verschiedene Gebiete ein, da sollte man sich festlegen !

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