Theologiestudium

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

So ungläubig scheinst du nicht zu sein. "Glaube" als eine Art Vorschuss-Kapital ist nicht zuerst eine Bedingung, um Theologie zu studieren. Viel wichtiger ist die Leidenschaft im Verhältnis zu Gott, worin auch das "Leiden" an Gott und seiner Abwesenheit enthalten ist, aber auch die Freude, die Lust und vor allem das Interesse am geistigen/geistlichen Abenteuer.

Ich weiß von vielen "Ungläubigen", die als junge Männer im letzten Weltkrieg waren, die überlebten und Fragen hatten. Sie studierten Theologie (ev.) und wurden Pfarrer. Sie wurden sehr gute Pfarrer.

Über deine Homosexualität kann ich nicht mitreden. Aber wenn die eine geistliche Herausforderung für dich ist, solltest du deine Antwort darauf finden. Theologie ist dafür geeignet.

um zu unser diskussion zurück zukommen: für die wissenschaft "theologie" braucht es also "leidenschaft im verhältnis zu gott"? das soll ein rationales wissenschaftsgebiet sein?

0
@BlackDracula

Theologie ist eben kein "rationales wissenschaftsgebiet". Das solltest du inzwischen begriffen haben, und nicht ständig auf deiner Masche herumreiten, dass man Gott nicht beweisen könne. Geht mir langsam auf die Nerven.

0
@Sonnenschnauz

zufälligerweise ist wissenschaft aber rational - auch kunstwissenschaft, psychologie oder historik

0
@BlackDracula

In diesem Sinne ist Theologie selbstverständlich "rational". Du kannst nicht Exegese, Kirchengeschichte, Systematische Theologie etc. "irrational" betreiben. Du kannst nicht Griechisch, Hebräisch, Latein und Aramäisch usw. "irrational" machen.

Das weißt du selber, provozierst aber immer wieder mit deiner oft geäußerten Unterstellung, Theologen seien irgendwelche Phantasten.

Theologie ist keine "objektive" Wissenschaft wie die Technik oder die Physik. Ihren "Gegenstand" Gott kannst du nicht rational beweisen. Als Theologe bist du von diesem Ggenstand, über den du rational reflektierst, gleichzeitig ergriffen.

Ich denke, das ist genug. Denke darüber nach und höre auf mit deiner Sophisterei. Das geht nun schon zu lange und ist immer dieselbe Leier.

0
@Sonnenschnauz

Was ist denn bitte an Exegese rational, wenn man versucht Dinge aus Texten rauszuintpertretieren, welche eindeutig nicht drin stehen?

0
@NinetiesResult

Es gibt auch in der Psychologie oder den Sozialwissenschaften eine phänomenologische Untersuchungsmethode: das narrative Interview. Dabei entsteht ein Text mit diversen Aussagen. Subjektiven Aussagen.

Was macht der Wissenschaftler?
Er interpretiert diesen Text im Hinblick auf dieses und jenes. Immer jedoch vor dem Hintergrund seiner Untersuchungshypothese und immer begründet, nachvollziehbar.

Natürlich ist das ein Prozess der Ko-Kreation von sozialen Wirklichkeiten und Realitäten.

Dennoch ein durchaus wissenschaftlicher, weil durch methodisches Vorgehen legitimierter. Die Literaturwissenschaftler und Historiker dürften ähnlich vorgehen. Sollte man denen jetzt die Rationalität absprechen? Das wäre einigermaßen absurd und eine unglaubliche Anmaßung naturwissenschaftlich beschränkter Laborratten und Statistik Ratio; es sei denn, wir betrachten diese Dinge zukünftig als "poetische Überschüsse des Lebens". Spätestens dann steige ich aber gemeinsam mit Theologen und noch ein paar anderen auf die wissenschaftspolitischen Barrikaden. Versprochen.

0
@holodeck

"Die Freiheit führt das Volk!" - Tolles Bild von Eugène Delacroix. So stelle ich mir gerne den Kampf gegen die "Beschränkten" vor.

Wir Theologen haben es bei der Exegese ja schon mit vorliegenden Texten zu tun. Dieser Text wird dann in seiner Ursprache (Griechisch, Hebräisch) untersucht, wobei das Vorverständnis des Exegeten so niedrig wie möglich zu halten ist. Dass es auf Null heruntergeschraubt wird, geht aber nicht. Der Exeget erarbeitet dann den "Skopus" (manchmal gibt es auch mehr als einen): Der Text will in einer spezifischen Situation bestimmten Menschen eine bestimmte Botschaft mitteilen.

So etwas geschieht streng wissenschaftlich. Man lernt das im Proseminar, und wenn mkan sich nicht daran hält, haut einem der Professor die Falschaussage um die Ohren.

Die Schwierigkeit kommt, wenn ich die Textaussage in die heutige Zeit übersetzen will, z.B. bei der Predigt. Denn da klafft zwischen damals und heute der "garstige Graben" (Lessing), und der Brückenschlag ist nicht einfach.

Deshalb muss ich eine ähnliche Situation wie die damalige im Heute finden. Auch das geht nur wissenschaftlich, indem ich die heutige Situation analysiere, um nicht an den Menschen vorbei zu reden.

0
@Sonnenschnauz

und wozu brauch man dann ein verhältnis zu gott? all dieses interpretieren, übersetzen und analysieren lässt sich auch prima ohne glauben machen.

0
@holodeck

Ich verstehe zwischen dem Narrativen Interview und der Theologie kein Zusammenhang, denn ein solches Interview mit klaren Aussagen ist für mich nicht umbedingt vergleichbar mit der Exegese eines uralten Textes, Charakteranalyse und das finden göttlicher Wahrheiten in einem Text.

Bitte korregiert mich aber, ich habe keine Lust dumm zu bleiben, ändere auch gerne meine Meinung, wenn die Argumentation für mich schlüssig ist, ohne Hirnblockade, wirklich Ahnung in dem Bereich habe ich noch nicht, daher schreibe ich auch keine Antworten. Danke ^^

0
@NinetiesResult

Ich rede nicht über austauschbare Inhalte.
Sondern über qualitative Methoden der Aussagenanalyse.
Narratives Interview und Quellenanalyse sind darin Methoden der Datenerhebung.
Die Analyse selbst folgt den gleichen Regeln der Kunst.

Die im Übrigen immer! den Beobachter und den Kontext einschließen.
Grad deshalb wird ein Großteil der wissenschaftlichen Arbeit darauf verwandt, dessen Vorannahmen explizit darzulegen. Die Auseinandersetzung damit schlägt sich nieder im Interviewleitfaden oder auch in den Untersuchungshypothesen. Klare Aussagen sind nur so klar, wie es die Art der Fragestellung und der Kontext zulassen. Oder sie schlägt sich nieder in der Auswahl der Quelltexte. Auch hier sind der historische Kontext sowie die Absichten von Verfasser und Forscher zu berücksichtigen.

Es ist für die Methode vom Prinzip her wurscht, wie aktuell die Quelle ist. Hauptsache, die Ergebnisse sind jenseits von Beliebigkeit schlüssig und nachvollziehbar.

Dieses Erkenntnisprinzip hat man mir allerdings bereits im Geschichte Leistungskurs, Thema: Quellenanalyse, beigebracht. Nicht erst im Studium.

Insofern: "Göttliche Wahrheiten" finde ich auch bei Proust ;-))

0
@holodeck

In allen wissenschaftlichen Arbeiten werden Hypothesen und Beweisführungen angewendet. Sie beinhalten den "Glauben" als eine Wahrscheinlichkeitsvermutung. Der "Glauben" wird auch personenbezogen, sachbezogen oder auch rechtswissenschaftlich bezogen gebraucht.

"Glaube" dagegen ist das religiös fest verankerte Vertrauen in Gott gemeint.

0

Religionslehrer sollen ja nicht "Gesinnung" unterrichten, sondern die Grundlagen und Auslegungen der christlichen Religion und die Schüler mit den anderen großen Religionen bekannt machen. Dazu muss man nicht gläubig sein. Und die sexuelle Orientierung eines Lehrers ist ausschließlich seine Privatsache.

Und genau deshalb muß man sich damit intensiv auseinandersetzen.

0

Ich bin seit je Atheist und meine genau aus diesem Grunde, daß jemand, der nicht gläubig ist, auch nicht überzeugend Religion unterrichten kann. Ich kann niemandem einen Glauben vermitteln, den ich nicht teile. Das wäre dasselbe, wenn der Deutschlehrer plötzlich Mathematik unterrichten wollte. Das hat absolut nichts mit Moral zu tun.

Hat man als Reli lehrer denn die Aufgabe einen Glauben vermitteln zu müssen ? Wir lernen z.b im Untericht die 10 Gebote im Islam, des Stammes der Ibu und unterhalten uns über verschiedene Philosophen...

0

Im unterricht lernst du aber nicht nur über das christentum, in höheren stufen gehts oftmals gar nicht mehr um die bibel oder geschichte jesu.. vielmehr um gesellschaftliche themen, liebe oder angst.. sterbehilfen, klar das hauptaugenmerk wird bestimmt aufs christentum gerichtet aber nicht nur

0

ein lehrer soll und darf auch keinen glauben vermitteln, sondern nur über religionen informieren!

0
@BlackDracula

Also das bezweifle ich. Wenn das so wäre, dann würden Religionslehrer nicht von den Großkirchen ausgewählt und der Unterricht wäre auch nicht in ev. oder kath. Religion geteilt.

0

Was möchtest Du wissen?