Theologie an Universitäten? Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich sehe die Problematik genauso wie du, die Kirche ist eine Vereinigung von religiös gleichgesinnten Menschen, die heutzutage leider viel zu viele (und vor allem: der heutigen Zeit längst nicht mehr angemessene) Rechte hat und viel zu eng mit dem Staat verknüpft ist, daher ist es für mcih auch unbegreiflich dass an staatlichen Universitäten die Lehren dieses "Clubs" unterrichtet werden. Sollen sie ihrem Privatvergnügen doch in ihren selbstfinanzierten Anstalten auf eigene Kosten nachgehen!

(P.S.: Hat schonmal jemand an einer deutschen Universität von einem Seminar der Lehre des Islam oder so gehört??)

Ja. Es wird demnächst auch Islamische Theologie an deutschen Unis geben. Vorbereitungen zur Errichtung dieses Studiengangs laufen z.Zt. Ist bis Dato daran gescheitert, dass sich die Muslime noch nicht als ausreichend große Körperschaft organisiert haben. (Zur Errichtung von religiösen Studiengängen/Unterrichtsfächern braucht der Staat nämlich immer Ansprechpartner, da der Staat selbst religiös neutral ist.)

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@Fragenbiber

Dies halten wir für total überflüssig, weil auch die Moslems ja jeden Tag beweisen, das auch sie unfähig sind im Frieden miteinander zu leben. Jegliche Teologie ist von den Universitäten zu verbannen, und dafür die Religionsforschung stärker zu fördern. GALLARIAOY

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@GALLARIAOY

Islamwissenschaften kann man schon ziemlich lange an deutschen Unis studieren. Und warum auch nicht? Man kann ja auch Literatur und Philosophie studieren. Oder sind das auch "Clubs", die ihr Privatvergnügen woanders ausleben sollten?

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@ draiva..ja, die Uni Freiburg bietet Seminare an: Islamwissenschaft!

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Die (christliche) Theologie beschäftigt sich nicht (auch wenn das immer wieder von kirchenfernen Menschen so dargestellt wird) mit der Frage wie man richtig glaubt oder ein toller Christ wird. Die Theologie schaut vielmehr, wie die Bibel entstanden ist und welche Aussagen sie macht (Bibelwissenschaft, was rein gar nichts mit Glauben oder Kirche zu tun hat, sondern auch für Atheisten nachvollziehbar ist); wie sich die Kirche in den letzten 2000 Jahren entwickelt hat, und wie sich das auf die Welt ausgewirkt hat (Kirchengeschichte, was auch nichts mit Glauben zu tun hat, sondern mit Quellenforschung); mit der Frage, was für Glaubensaussagen sich aus der Bibel, menschlicher Erfahrung und christlichen Grundüberzeugungen ableiten lassen (Dogmatik, wo der Glaube/die religiöse Erfahrung (und nicht nur die eigene) zwar reinspielt (reinspielen muss), die Methoden aber wissenschaftlich bleiben); welche Auswirkungen das für das menschliche Miteinander/die Ethik hat; und schließlich, wie sich die Kirche heute entwickelt, welche Methoden sie verwendet um ihre Aufgaben in der Welt zu erfüllen und welche sie verwenden könnte (Praktische Theologie, was ein Mix aus Volkswissenschaft, Psychologie, Rhetorik, etc. ist).

Theologie setzt also den Glauben voraus (weil sie sich auch an ihm immer wieder messen muss und ihn verantwortlich neu ausrichten muss), die Methoden, sowohl in der Forschung, als auch in der Lehre, sind allerdings genau so wissenschaftlich, wie in anderen Geisteswissenschaften auch.

Wobei Glauben ja bedeutet, etwas für wahr annehmen, ohne es zu wissen. Wesentlicher wäre doch, ein Studienfach anzubieten, dass man Wissender wird! Oder? GALLARIAOY

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@GALLARIAOY

Und genau aus diesem Grund lernst Du auch im Theologiestudium nicht, wie man glaubt, sondern Du erweiterst Dein Wissen über Grundlagen, Entwicklung, Bedeutung und Praxis des Christentums.

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Ich studiere selbst evangelische Theologie, deswegen könnte man natürlich denken, dass ich durch meinen Glauben voreingenommen bin. Wenn es aber eine Sache gibt, in der sich alle Theologiestudenten, oder auch Theologen (die ich kenne, aber das sind auch nicht unbedingt wenige) einig sind, ist, dass der eigene Glaube durch das Theologiestudium, gerade bei den Evangelischen, so stark immer wieder historisch-kritisch hinterfragt wird, dass fast jeder, den ich kenne, im Laufe seines Studium mindestens ein Mal "vom Glauben abgefallen" ist, manchmal sogar nach dem abgeschlossenen Studium. Ich halte so eine Behauptung daher, zumindest für die evangelische Theologie in Münster, die zahlreiche kritische Theologen (E. und E. Neste, K. und B. Aland, von denen in unserer Fakultät das berühmte und auf der ganzen Welt verbreitete Novum Testamentum Graece mit seinem Textkritischen Apparat stammt) hervorgebracht hat, für unbegründet und nicht richtig. Genau so, wie es Fragenbiber bereits gesagt hat - wir studieren ja nicht unseren Glauben, fassen uns an den Händen, beten gemeinsam und schmieden große Missionierungspläne...Theologie (sagt schon der Name) ist genau so eine Wissenschaft, wie jede andere, die eben deshalb genau so eine Daseinsberechtigung hat, wie jede andere und hat zunächst nichts mit der Kirche als Institution zu tun (außer, dass man mit einem pfarramtlichen Abschluss "Offizieller" an einer Kirche werden darf). Aber da wir über das Studium reden, finde ich die Frage durchaus berechtigt und kann die Problematik auch bis zu einem gewissen Grad verstehen, die hier als hilfreich bewertete Antwort finde ich jedoch nicht berechtigt und vor allem ausreichend gerechtfertigt. Aber ich bin ein evangelischer Theologiestudent, ich lasse mit mir reden, weil wir eben keinen festgefahrenen Glauben haben, sonst müssten wir unseren Glauben nicht immer wieder selbst studieren und erforschen.... ;-)

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