Thema RAF: Zum scheitern verurteilt?

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4 Antworten

Der Plan der RAF war ja nicht, das Volk durch die eigenen Taten zu begeistern, sondern durch Terror den Staat dazu zu zwingen, sein "wahres Gesicht" zu zeigen.

In der Folge sollte die staatliche Repression derart ansteigen, dass die Bevölkerung sich aus bürgerlichem Ungehorsam heraus kollektiv erheben würde. Diese Erhebung sollte sich schließlich zu einer organisierten Revolution umformen.
Das war der Plan. 

Tatsächlich stiegen Sympatien und Rückhalt in der Bevölkerung zu Anfang, als die RAF zwar Anschläge verübte, aber noch durch z.B. telefonische Warnungen selbst dafür sorgte, dass Menschen nicht zu Schaden kamen.

Dies änderte sich schlagartig, als die RAF zur Beschleunigung ihrer Ziele begann, Menschenleben nicht nur zu gefährden, sondern im nächsten Schritt gezielt anzugreifen.

Am plötzlichen Rückgang der Unterstützung durch die Bevölkerung konnte auch die tatsächlich repressive staatliche Reaktion wie z.B. massenhafte Telefonüberwachung, Verletzung des Briefgeheimnisses, Rasterfahndung und "Terroristenerlass" nichts ändern.

Meiner Meinung nach war der Plan der RAF zwar mit der Mobilisierung der Massen als strategisches Ziel begründet, tatsächlich aber fand sich eine Gruppe gewaltbereiter Menschen zusammen, die lediglich ihre sehr verschiedenen persönlichen Motive unter einem politischen Deckmantel vereinigte.
Ich halte die RAF für sehr durchschaubar in diesem Versuch, als Gruppe von persönlich motivierten Gewalttätern eine vorgeschobene politische Wirkung zu erreichen.
Und da die Bevölkerung überraschenderweise auch in ihrer Gesamtheit nicht völlig bescheuert ist, war ihr Plan deswegen zum Scheitern verurteilt.
In einer anderen personellen Besetzung und ohne die Inkaufnahme von Schädigungen anderer Menschen hätte er vielleicht sogar funktionieren können.

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Kommentar von hazo007
25.05.2016, 11:51

Vielen Dank für die aufschlussreiche Nachricht :)

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Die RAF hatte spätestens mit dem Tod der Stammheimer keine politischen Aspekte mehr.
Andreas Baader, der eigentlich Anführer wird häufig mit einem Zuhälter verglichen.
Total selbstüberzeugt und er hat etwas, das die Frauen an ihn bindet.
Baader hat keinerlei politischen Aspekt eingebracht. Für ihn war das ganze eben Rock'n'Roll.
Dennoch irgendwie gestellt. Baader inszeniert sich stark, nennt seine Begleiterinnen F*tzen.
Meinhof träumt von einer besseren Welt, sie will tatsächlich politisch verändern.
So auch Ensslin, die ihren Vater, ein evangelischer Pfarrer, als Verbrecher der NS-Zeit sieht.
Die zweite Generation versucht nur noch die erste zu befreien.
Danach wird alles sinnlose Gewalt, die Bekennerschreiben weisen keine politische Komponente auf.

Die erste Generation konnte sehr gut inszenieren, Folterhaft, etc.
In anderen Bereichen ist nicht von Erfolg zu sprechen.

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Die RAF hatte nicht mal Ansatzweise den Rückhalt in der Bevölkerung, den sie glaubte zu haben. Die "Massen" waren sozial gut abgesichert, die Gesellschaft der BRD wähnte sich im Kalten Krieg auf der sicheren Seite. 

Wie das große "Paradies der Werktätigen" im "Real existierenden Sozialismus" in Wirklichkeit aussah, davon konnte man sich ja nur bei einem Blick über die Mauer überzeugen: Mangelwirtschaft, eine übermächtige Stasi, die die eigene Bevölkerung ausspionierte und drangsalierte und ein politisches System, das jedem Verständnis von Demokratie Hohn sprach.

Aber auch die Führungsfiguren selbst waren mehr als zwielichtig.

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Kommentar von Sowjetunion208
18.05.2016, 19:44

Nun die DDR scheiterte am Ende an ihrem Sozialismus der zu konservativ war und auf den Kommunismus hin arbeiten sollte 

Das der Kommunismus ab diesem Punkt des 20 Jahrhunderts nicht mehr Existenzfahig war bedachte keiner 

Ebenso eine Flaute wie Honecker und Breschnev als Elite die com Sozialismus absichtlich oder unbeabsichtigt so viel verstanden und lebten wie ne Kuh das Eier legen 

Sie versuchten in diesem konservativen Sozialismus alle gefügig zu machen,  was es in diesem System und im nachfolgenden Kommunismus gebraucht hätte,   das ging eben nur mit absoluter Gewalt und Kontrolle 

Dazu kam das Honecker und Co sich selbst teils wie die,,  kapitalistischen ungeheuer " aufführten 

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Kommentar von Pudelcolada
19.05.2016, 01:04

@ LordFantleroy:

Die RAF entstand aus den organisierten Studentenprotesten und der APO. Von daher startete sie durchaus mit dem Gefühl, einer Massenbewegung anzugehören.

Niemals hat sie ein einziges Mal das Ziel geäußert, auf einen Staat ähnlich der DDR hinzuarbeiten. Das hat ihre Mitglieder andererseits nicht von einer Zusammenarbeit mit DDR-Behörden abgehalten.

Aber es war nicht ihr Ziel, ähnliche Zustände herbeizuführen.
Ebenso war es nicht das Ziel von studentischen Protesten oder Studentenorganisationen allgemein, die DKP mit SDAJ ausgenommen.

Das Ziel der RAF war ein ganz anderes, nämlich durch Anschläge (zunächst unter Ausschluss der Gefährdung von Menschenleben) den Staat zu staatsterroristischen Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung zu bewegen, zu zwingen.
Als Reaktion darauf erhoffte sich die erste RAF-Generation einen organisierten Widerstand und in der Folge einen organisierten Aufstand der Bevölkerung, die ja dann die eigene Unterdrückung wahrnehmen und anerkennen müsste.
Ich persönlich halte diesen Plan inhaltlich ja für Schwachsinn.
Das ist aber nur meine Meinung, ganz emotionslos.

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Und ein persönliches Wort zum zweiten Teil Deiner Antwort:

Ich bin ja immer wieder amüsiert, wie stark und lange sich das Totschlagsargument der 5. Kolonne halten kann.

Also antworte ich Dir dasselbe wie vor etwa dreißig Jahren ein Kollege aus meiner damaligen Klasse unserem stock-konservativen und teilweise reaktionären Geschichtslehrer, der als ehemaliger Panzersoldat der anscheinend schönsten Zeit seines Lebens nachtrauerte.

Das hintere Drittel unserer 9. Klasse begab sich gemeinsam jedes Wochenende auf die gleiche Großdemonstration, wir wollten die Gesellschaft positiv verändern, etwas bewirken.
Wir waren jung und idealistisch, radikal und wenig kompromissbereit.

Aber wir waren weit davon entfernt, eine RAF anzuhimmeln oder eine DDR zu vergöttern.
Genau das warf uns aber dieser Lehrer in seiner unnachahmlichen Selbstherrlichkeit vor. Unsere eigene Sichtweise interessierte ihn einen Sch***ß, genausowenig ein Austausch von Argumenten.
Ständig pöbelte er uns mit seinem Soldatenton an und unterstellte uns Moskauhörigkeit, als ob jeden Abend Breschnew persönlich bei uns anrufen würde. Sogar finanzielle Unterstützung unterstellte er uns.

Als er uns eines Tages wieder besonders laut anschrie, weil wir sein stundenlanges Heldengefasel der 6. Armee nicht ertragen konnten:
"Dann geht doch alle nach drüben, ihr Kommunistenschweine, Ihr werdet schon sehen, was euer Erich dann mit euch macht!"
stand mein Kollege auf und meinte:
"Herr B., was in der DDR passiert, wissen wir und wollen es nicht.
Wir sind ja noch nicht mal Kommunisten, jedenfalls nicht alle.
Alles was wir wollen ist, dass es in unserem Land besser wird.
Und dazu gehört als erstes, dass ehemalige und dumme Panzerfahrer keine Kinder mehr unterrichten dürfen.
In Sozialkunde haben wir gelernt, wie wichtig mündige Bürger sind, und an ihnen sehen wir, warum.
In Deutsch lernen wir, wie wichtig es ist, die eigene Meinung begründen zu können, und auch da sehen wir an ihnen, warum."

Dann setzte er sich wieder. Es war ein beeindruckender Auftritt.
Lass es einfach mal einen Moment wirken...

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Nun, ich würde behaupten, dass das Ansichtssache ist. Meiner Meinung nach war deren Plan zum Scheitern verurteilt, da sich Feuer nicht mit Feuer bekämpfen lässt. Allerdings hatte der Aspekt der Aufmerksamkeit sowohl positive als auch negative Auswirkungen.

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