Theaterstück selber schreiben - Literaturkurs

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1 Antwort

Du brauchst eine Ausgangssituation ("Exposition": Wer ist wann wo?) Dann brauchst Du einen Konflikt (Jemand will etwas und es geht nicht oder jemand muss etwas und will es nicht). Während man versucht, den Konflikt aufzulösen, wird er gerade dadurch immer schlimmer. Die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung und der Konflikt wird aufgelöst. Schluss.

Damit es nicht langweilig wird, sollten die Hauptfiguren sich verändern. Nebenrollen können (und müssen oft) einfarbig bleiben (die neugierige Nachbarin, der ungeschickte Diener, der dumme Polizist usw.), aber die Hauptrollen sollten eine wichtige Veränderung durchmachen (etwas entscheidendes lernen, den Mut verlieren, neuen Mut finden, sich verlieben, vom Liebenden zum Hassenden werden usw.)

Fang beim Schreiben mit dem Höhepunkt der Geschichte an: Was soll kurz vor Schluss passieren?

Nehmen wir an, bei Eurem Stück ginge es um eine Katze und einer Maus:
Sollen sich Katze und Maus am Schluss vertragen? Sollen sie sich ineinander verlieben und heiraten und Kinder bekommen, die "Käuse" oder "Matzen" genannt werden (darüber könnte man sich wieder streiten, das wäre dann der allerletzte Schluss des Stückes)? Soll die Maus die Katze besiegen? Soll sich herausstellen, dass die Maus ein verkleideter Hund ist, der Katzen frisst? Soll die Katze die Maus fressen und sich dann vor Einsamkeit das Leben nehmen (vielleicht mit einer Mausefalle?)

Anschliessend - nachdem Du eine Idee für die Hauptszene kurz vor Schluss hast - überlegst Du Dir, wie die Geschichte anfangen könnte. Und wie Du von diesem Anfang dann auf allerlei verschlungenen Wegen und Umwegen zu Deiner Hauptszene kommst.

erstmal ganz lieben Dank !!!

das problem ist halt nur, dass wir einzelne gruppen sind komplett ohne zusammenhang (den sollen wir ja herstellen...) die stücke sind bzw sollen nur 10 minuten lang sein ... es soll keine richtigen hauptfiguren geben (die Lehrer wollen das alle gleich viel machen und es nicht 3 gibt die alles machen und der rest eigentlich nix ...)

die idee mit der ausgangssituation ist aber sehr hilfreich !

hast du vielleicht dazu eine idee oder ideen wie man daran gehen könnte ... auch nach dem gleichen Schema ?

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@Puawai

Hey hey :) Viel Engagement springt einem da entgegen!

Aber etwas stößt mir auf: du beschreibst in deiner Frage ausschließlich "WIE"s - beim Schauspiel - und das müsste Heffenberg besser wissen als ich :) frag ihn nochmal geht es aber auch um die anderen "W"s - WER WARUM WAS WO - du hast nur geschrieben - wie du dies oder jenes bewerten willst. Über eine Grundsituation müsstet ihr euch aber Gedanken machen. WER seid ihr, z.B. und was ist euer Ziel, wenn ihr den Rahmen bildet. Offensichtlich wollt ihr kaum privat die Gruppen der anderen an- und abmoderieren… Seid ihr Feen, auf die Erde gekommen, mit welchem Ziel? Seid Ihr Steinzeitmenschen, Menschen aus der Zukunft, Aliens, seid ihr Forscherinnen und das ist euer Forschungslabor, in das das Publikum heute Abend einen Einblick erhält? So etwas nennt man "Grundsituation, und aus dieser Grundsituation heraus ergeben sich die "Wie"s wie von alleine.

Google doch mal "klassische Heldenreise Drehbuch schreiben" . Dort müsste sich in der Theorie ein ziemlich guter Ansatz für eure Aufgabe finden.

LG und viel Spaß bei dieser schönen Aufgabe...

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@Puawai

charcutiere hat es schon geschrieben: Ihr braucht ein Ziel.

Beim Schauspiel geht es immer darum, dass jemand etwas will. Dadurch kommt die Geschichte voran, dadurch entstehen Probleme, dadurch entsteht Spannung oder Komik, dadurch kommt es am Schluss zur Auflösung.

... wir hatten schon ein paar Ideen z.B. das wir die Gruppen auf die Bühne stellen wie schaufensterpuppen und sie beurteilen, kritisieren, (ab)werten und sie somit vorstellen und schon ein bisschen in ihr Thema "einweisen" . Ich würde dabei gerne ein wenig Gesellschaftskritik mit einbringen - politische Probleme etc. einbinden /darauf aufmerksam machen ...

Das ist statisch. Da will niemand etwas. Das wird keine Geschichte, das kommt nicht voran, das steht auf der Stelle.

Nimm eine der Anregungen von charcutiere, z.B. die Aliens:
Es gibt eine galaxisweite Föderation ausserirdischer Völker. Durch die im 20. Jahrhundert begonnene lichtschnelle Ausstrahlung von Radio- und Fernsehwellen wurde man auf die Erde aufmerksam. Es wurde der Antrag gestellt, die Menschheit auszulöschen, da sie einerseits wegen ihrer Aggressivität eine Gefahr für die anderen Völker darstellt und andererseits nichts wertvolles für die Völkergemeinschaft beizusteuern hat.
Eine Jury von Aliens ist auf der Erde gelandet und hat sich ausgerechnet Eure Schule ausgesucht, um sich zu informieren und anschliessend eine Entscheidung zu fällen.
Jede der Gruppen zeigt einen Aspekt der menschlichen Existenz und kämpft damit um das Überleben der Menschheit. Die Aliens können nach jeder Szene Kommentare abgeben, es kann Ankläger und Verteidiger geben.
Wenn Ihr die Szenen und Kommentare geschickt kombiniert, sollte die Rahmenhandlung immer mehr auf ein schreckliches Ende zusteuern (möglichst mit überraschenden Wendungen zwischendrin, vor allem unmittelbar vor und/oder nach der Pause) und am Schluss eine tolle Auflösung finden.

So. Ein bißchen was müsst Ihr Euch aber auch selbst ausdenken.

;-)

Viel Spaß und Toi-toi-toi!

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@heffenberg

Lies noch mal, was ich am Anfang schrieb:
"Fang beim Schreiben mit dem Höhepunkt der Geschichte an: Was soll kurz vor Schluss passieren?"
und
"Damit es nicht langweilig wird, sollten die Hauptfiguren sich verändern."

Die Hauptfiguren sind die Figuren der Rahmenhandlung - falls Ihr Euch für Aliens entscheidet also die Aliens.

Ein Alien, der anfangs die Menschen verteidigt hat, könnte nach und nach zu der Ansicht kommen, dass sie doch besser unschädlich gemacht würden.
In der letzten Szene könnten Aliens in die Szene einsteigen und der von Anfang an oberböse Ankläger-Alien könnte dadurch zum Entschluss kommen, den Menschen doch noch mal eine Chance zu geben.

Es könnte jemand aus dem Publikum kommen und sich als getarnter Alien outen, der auf der Erde Asyl gefunden hat oder als ein berühmter intergalaktischer Poet hier ist, um japanische Haikus zu studieren.

Auf jeden Fall müssen die Figuren etwas wollen und sie müssen dabei auf Schwierigkeiten stoßen und es muss sich etwas (bzw. besser jemand) verändern.

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@heffenberg

Also erstmal an euch beide einen fetten Dank ! Sehr viele Anregungen/ Ideen/Tipps die mir/uns (denke ich) auf jedenfall weiterhelfen werden , muss das ganze erstmal sacken lassen und nochmal auflisten um zu schauen was wir alles "brauchen"

wenn ich nochmal ne frage / neue Idee hab kommentiere ich weiter hier drunter :)

Ganz lieben Dank !

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@Puawai

nochmal eine Frage :

Damit es nicht langweilig wird, sollten die Hauptfiguren sich verändern. Nebenrollen können (und müssen oft) einfarbig bleiben (die neugierige Nachbarin, der ungeschickte Diener, der dumme Polizist usw.), aber die Hauptrollen sollten eine wichtige Veränderung durchmachen (etwas entscheidendes lernen, den Mut verlieren, neuen Mut finden, sich verlieben, vom Liebenden zum Hassenden werden usw.)

da es ja keine Hauptfiguren gibt - fällt dieser teil dann sozusagen weg ? oder würdest du uns 3 als Hauptfigur sehen, weil unser Leerere will ja an sich keine Hauptfiguren …

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@charcutiere

Dankesehr ! bin grade beim googlen von "Heldenreise" - sehr guter Tipp !!!

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@Puawai

Wie ich schon schrieb: "Die Hauptfiguren sind die Figuren der Rahmenhandlung - falls Ihr Euch für Aliens entscheidet also die Aliens."

Natürlich sollten möglichst auch in den einzelnen Szenen die Figuren und/oder Situationen sich verändern - das ist aber nicht Euer Problem, wenn ich das richtig sehe? Ihr seid nur für die Rahmenhandlung zuständig?

Überleg doch mal: Wenn Du die Wahl hättest, Dir anzusehen, wie eine Raupe sich in einen Schmetterling verwandlet, oder wenn Du Dir in der gleichen Zeit eine Raupe ansehen könntest, die sich in gar nichts verwandelt - was würde Dich mehr interessieren? Was wäre spannender?
Und beim Theater hat man noch mehr Möglichkeiten als in der Natur: Da kann man einen Schmetterling zeigen, der sich in eine Raupe verwandelt. Oder in einen Adler. Oder in eine wunderschöne, aber bitterböse Prinzessin.

Also: Lasst Eure Figuren sich verändern. Was sich nicht verändert, ist tot.

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@heffenberg

Stimmt sorry habs beim 2. mal lesen auch gesehen ;)

Danke nochmals ! (ich würde mir natürlich auch lieber etwas ansehen was sich verwandelt /ändert ;))

alles notiert, jetzt habe ich gaaanz viele lehre weiße Seiten vor mir …

Liebe Grüße

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Soll die Katze die Maus fressen und sich dann vor Einsamkeit das Leben nehmen (vielleicht mit einer Mausefalle?)

Allein diese Idee ist schon einen Daumen wert :). Und der Rest sowieso.

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