Teleskop für Anfänger und Privatem Gebrauch?

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2 Antworten

Hi, wenn du von "Eigenstudien" sprichst hört sich das ja schon recht ambitioniert und zielgerichtet an. - Dann würde ich das "Sparschwein" nicht vorschnell für ein Gerät schlachten, dessen beste Perspektive die beigelegten Kataloge sind.  Da mußt du viele verschiedene aber wichtige Dinge beachten und brauchst noch sehr viel Detailwissen, um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können. Ganz sicher ist: Eigenstudien ohne ein grundsätzlich atrofotografie-fähiges Teleskop geht nicht. Da fängt der Bereich des "Selber-Entdecken" abseits vom bloßen Beobachten erst an. Und auch bei Letzterem gibt es Welten zwischen Beschreibung und Leistung des Teleskops. Und hierzu gibt es eine Menge von Anforderungen an Optik, Montierung und Zubehör. - Wenn du nur mal den Blick ins Weltall und auf den Mond genießen möchtest und mit kleinen "Andeutungen" zufrieden bist reicht auch ein guter Feldstecher um den Weltraum als "Gefühl" zu genießen.

Laß dir Zeit und mach dich in vielen guten Foren für Amateurastronomen mit vielen versierten Beiträgen schlau (auch wenn du manchmal übertriebene Fachsimpelei ausfiltern mußt).

Ich kopiere dir deshalb mal einen Beitrag rein, den ich Mitte März mal für einen anderen User mit einer ähnlichen Frage geschrieben habe und hoffe, daß er dir weiter hilft.

"Beim Teleskop fängt deine Frage mit der Bauweise an. Du hast zwei
grundsätzliche Typen: Linsen- und Spiegelteleskope und dazu Mischformen
(Refraktoren, Reflektoren, Katadioptrische Systeme). Also im Bereich der
Amateurastronomie je nach Interessensschwerpunkt bei der Beobachtung
(Deep Sky / Planeten, Mond) das klassische Linsenteleskop, das
Newtonteleskop oder Versuche, die Eigenschaften beider Teleskope
miteinander zu verbinden z. B. mit Schmidt-Cassegrain-Teleskopen und
ähnlichen Bauformen (R-C, Maksutov). Bei letzteren scheinen die
SC-Teleskope technisch wie preislich die aktuelle Optimierung
darzustellen.

Grundsätzlich gilt aber wegen der Bauweise, dass ein Newton-Spiegelteleskop das beste Preis-Leistungsverhältnis darstellt. Wichtige Leistungsdaten wie Öffnungsverhältnis, Abbildungs- und Trennschärfe, Bildfeldwölbung, Abschattung durch Fangspiegel, Farbfehleretc. etc. sind hier grundsätzlich vom Bauprinzip oder aber im Verhältnis zu Herstellungsaufwand und damit zum Preis von allen Systemenam besten. Allerdings steckt hier der Teufel auch im Detail denn du kannst - z. B. für 200,- Euronen eigentlich keinen guten Newton (nichtmal nur Tubus) bekommen - außer vielleicht als Gebrauchtschnäppchen wenn der Verkäufer nicht weiß was er da verkauft. - Da gehts dann um die Qualitätder Spiegel, die Verzugsstabilität des Tubus bei Temperaturschwankung, den Okularauszug ( Crayford vs. Monorail ) und dessen mögliche Abschattung, Größe der Sekundärspiegelhalterung (Obstruktion) usw. usw. ... .

Grundsätzlich fängt es bei allen Systemen für die Astrofotografie an
interessant zu werden ab 8 Zoll (manche sagen 10 Zoll) freier Öffnung.


Bei Alledem ist die Frage einer passenden Montierung noch gar nicht
dabei. - Sie muß für das jeweilige Teleskopgewicht z. B. 11 Kg ausgelegtsein und muß zwingend über eine mechanisch hochpräzise, elektrische Nachführung in beiden Achsen verfügen um "unverschmierte" Langzeitbelichtungen zu ermöglichen.

Zudem bleibt noch die Frage des Zubehörs(z.B. Leitfernrohr +
beleuchtetem Doppelfadenkreuzokular zur Nachführungskorrektur, Okular-
und Filtersatz, Korrekturlinsen (Barlow, Shapley, Flatfield etc.).


In Vorfreude auf den Tag "X" würde ich dir empfehlen, viel in den
Foren der Amateurastronomen zu stöbern (ohne sich von
Detailübertreibungen verrückt machen zu lassen). Folge dann deinem
gesunden Menschenverstand und dem was dein Portemonaie dazu im
Verhältnis zu deinem gefühlten Interesse an der Sache sagt. - Aber aus
meiner Sicht solltest du dann so "leidensfähig" sein, ca. 1.500,-
bis2000
,- Okkolyten im Minimum zusammenzusparen.


PS: Ganz wesentlich sind auch die Sichtbedingungen deines Wohnortes
(Lichtverschmutzung!!!!) Ein lichtstarkes Teleskop mit großer Öffnung
nutzt wenig wenn dir das Bild im Belichtungsmatsch absäuft bevor die
Details des Orionnebels drauf sind). Da gibts zwar auch Filter die
helfen (filtern Wellenlängen des Kunstlichts raus), reduzieren aber auch
die Leistungsfähigkeit des Teleskops (ein bischen).


Gruß


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Grautvornix16 06.04.2016, 17:33

PS: auf Vergrößerung kommt es bei einem Teleskop eigentlich garnicht oder nur sekundär an (außer bedingt bei Mond und Planetenbeobachtung (bis Saturn). Aber auch da entscheidet sehr stark die Qualität der Teleskop- und Okular-Optik und der Sichtbedingungen an deinem Beobachtungsort. Sterne bleiben Punkte. Viel wichtiger ist die Lichtstärke (Öffnung zu Brennweite) und das Auflösungsvermögen um Flächenstrukturen wie Orionnebel oder Andromedagalaxie etc. auflösen und abbilden zu können. Letzteres wird dann auch noch wesentlich von den Leistungsdaten der eingesetzten Kamera (DSLR?) bestimmt.

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ASTRONILS 06.04.2016, 17:34

Wow! Danke dir sehr für diese Antwort. Somit ist jetzt eigentlich meine Frage zu 100% beantwortet. 

Liebe Grüsse und einen erholsamen Abend,

Nils

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Grüezi wohl vo Züri!

Bei Teleskopen gibt es eine einfache Faustregel: doppelter Durchmesser
der Linse oder des Spiegels in mm ist die maximal mögliche sinnvolle
Vergrößerung.

Wenn Du also ein Teleskop kaufst, das 10 cm Spiegeldurchmesser hat, dann
kannst Du maximal 2 x 100 = 200 fach vergrößern. Damit die 525 fache
Vergrößerung Sinn macht, müßte das angepeilte Fernrohr einen
Spiegeldurchmesser von 270 mm haben!

Das hier wäre doch was:

http://www.astroshop.de/bresser-teleskop-ac-102-1000-messier-exos-2-goto/p,14205

En Gruess

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ASTRONILS 06.04.2016, 16:18

Danke viel mal für die ausführliche und sehr hilfreiche Antwort!

Ich werde mir genaueres zu diesem Teleskop durchlesen, und womöglich dann kaufen.

Gruess ^^

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