Teleskop! Aber welches?

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2 Antworten

In diesem Fall sollte man scho so ein bissl wissen, was man sehen will. Der 90mm Refraktor gibt dan Deep-Sky-Objekten (Nebel, Galaxien, etc.) nicht viel her. Da bleiben auch M31 und M43 verwaschene Fleckchen. Man wird auf jeden Fall auch noch ein paar weitere Okulare brauchen, da hier lediglich ein 26mm Plössl beiliegt, mit dem man auf 35x Vergrößerung kommt. Da will man schon schnell definitiv mehr sehen. Jupiter und Saturn sind auch bei 35x Vergrößerung noch sehr kleine Scheibchen. Der Vollständigkeit halber sollte man hier wenigstens noch ein 20mm, ein 9er und ein 4er oder 5er Okular dazuholen. Pro Okular ist man aber selbst im unteren Preissegment wenigstens 50 bis 100 Euro los. Weniger als 50 sollte man keinesfalls ausgeben. Sonst hat man ein winziges Bild mit Farbsäumen und ohne Kontrast. Man sollte hier dann also mindestens den Okulartyp Erfle nehmen. Plössl nachzukaufen halte ich für rausgeschmissenes Geld. Sonst ist das Teleskop an sich nicht schlecht. Es ist immerhin ein Achromat mit reduzierten Farbfehlern und besitzt auch die Möglichkeit einer Motorisierung, was bei Planetenbeobachtungen bequem ist. Man muss hier also dazu erwähnen, dass das Teleskop anders als abgebildet keinen Computer an Board hat, der automatisch Nachführt oder Objekte anfährt (warum auch immer die das mit auf dem Bild haben).

Das Orion ist eher für Deep-Sky-Objekte ausgelegt. Es hat 150mm Öffnung bei kürzerer Brennweite als der Refraktor. Die Montierung ist Ok, aber nicht optimal. Die EQ-3 könnte etwas schneller zu wackeln beginnen und auch etwas nachschwingen bei einem 150mm Newton. Bei dem Teleskop hier ist ein 25mm Plössl und ein 10mm Plössl dabei, was 30x und 75x Vergrößerung zulässt. Es sind zwar wie bei dem Bresser auch nur Plössl-Okulare, aber hier halte ich den Vergrößerungsbereich dann doch schon etwas sinnvoller. Jedoch sollte man hier ein 30 bis 35mm Übersichsokular und nochmal ein 5mm Okular für Planetenbeobachtungen nachkaufen.

Allerdings muss ich auch bei dem Orion dazu erwähnen, dass Deep-Sky-Objekte nur sehr begrenzt Sinn machen. Wirkliche Deep-Sky-Beobachtungen mit dem Auge (also visuell) machen erst ab etwa 8 Zoll Öffnung (also 200mm) Sinn, es sei denn man wohnt wirklich in einer sehr dunklen Gegend ohne (größere) Städte in der Nähe. Am besten irgendwo bei einem Gebirge, wo man auch schnell mal in die Berge fahren kann, was die Lichtausbeute nochmal steigert. Ansonsten bleiben die meisten NGC- und Messier-Objekte doch im Dunkeln verborgen, oder es bleibt bei verwaschenen Fleckchen. Strukturen in Spiralarmen von Galaxien wird man keine Erkennen können.

Für den Anfang ist es aber auch immer schwer zu entscheiden, was man haben möchte. Meistens kommen die Forderungen nach "mehr" dann erst mit der Zeit auf. Ich kenne aber auch keinen, der bei seinem ersten Teleskop geblieben ist. Meistens kamen noch weitere Geräte hinzu. Ein ED- oder Apo für Planeten und ein größerer Newton für Deep-Sky-Objekte. Filter für Nebel-/Galaxien-Beobachtungen und eine gute Auswahl an Okularen. Aber das zeigt sich meist auch später. Natürlich lohnt es für den Anfang nicht, einige tausend auszugeben und dann merkt man, dass Astronomie doch nicht das richtige Hobby ist.

Gegebenenfalls könnte man dir aber auch einen Dobson ans Herz legen. Das sind Spiegelteleskope auf einer etwas eigenwilligen Montierung wie in Bild 1. Diese Montierung besitzt keine Nachführung, ist azimutal statt parallaktisch, hat aber einen großen Vorteil. Sie ist sehr günstig und trägt problemlos sowie wackelfrei auch große Teleskope. Man kann also das ganze Geld ins Teleskop und Okulare investieren, statt in die Montierung. Für 400 Euro bekommt man hier schon einen 8-Zöller mit bis zu 1200mm Brennweite und bis zu 3 Okularen, wo auch ein oder zwei Erfle dabei sein könnten. Man erhält damit auch ein wesentlich besseres und farbechteres Bild als vorallem bei Refraktoren in diesem Preissegment. Man benötigt halt nur etwas Übung um die Objekte im Blickfeld zu halten. Aber das geht irgendwann fast automatisch von der Hand. Dazu ist auch der Aufbau vollkommen unproblematisch im Gegensatz zu parallaktischen Montierungen, die man erst richtig einnorden muss. Man hat hier halt lediglich nicht so leicht die Möglichkeit der Fotografie, da keine Langzeitbelichtungen möglich sind, sondern nur Aufnahmen bis etwa 1/10 bis 1/5s Belichtungsdauer. Für Planeten aber mehr als Ausreichend. Dafür wird man eben mit einer hohen Lichtsammelleistung entlohnt. Und bis etwa 8" sind spätere parallaktische Montierungen auch nicht zu teuer. Aber denk trotzdem daran, auch hier sind Deep-Sky-Objekte meist nur graue, fluffige Etwasse. Für optimale Ergebnisse muss man sich fernab von Städten aufhalten und benötigt Übung um mehr Details zu erkennen. Der Himmel steht aber auf jeden Fall weitaus offener für Beobachtungen als mit 150mm oder gar nur 90mm Öffnung.

Evtl. macht es auch Sinn, sich Hobby-Astronomen in der Nähe zu suchen und durch deren Optik zu schauen.

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Kommentar von Hellstorm
29.06.2013, 07:47

PS:

Später macht es auch Sinn, sich Nebel- oder Galaxienfilter zu holen. Sogenannte OIII- oder UHC-Filter. Diese Filtern per Interferenz das Licht, sodass nur Licht aus Galaxien oder Nebel das Auge erreicht und anderes Licht weitestgehend weggefilter wird. Das bringt meist eine enorme Kontraststeigerung und macht Deep-Sky-Objekte weitaus sichtbarer, auch bei kleineren Öffnungen. Kostenpunkt etwa 100 Euro pro Stück. Also relativ teuer, aber es bringt wirklich enorm was.

Bei den Dobson-Teleskopen wirst Du dich vielleicht fragen, wie komisch man da durchschauen soll, aber das geht sogar wesentlich bequemer als bei Teleskopen auf normalen Stativen, da bei denen der Okularauszug, wenn man Objekte "weiter oben" am Himmel betrachten will, gerne auch mal sehr hoch liegt. Das führt dann auch mal zu akrobatischen Meisterleistungen. Während man bei einem Dobson teilweise sogar bequem im Sitzen beobachten kann.

Dobson-Teleskope sind nun zwar kein Allheilmittel, aber für den visuellen Einsteiger wirklich mit das Beste, was man empfehlen kann. Eben weil man für relativ wenig Geld relativ viel Öffnung bekommt. Und diese bestimmt eben das Lichtsammelvermögen und auch die maximale Vergrößerung. Saturn zeigt sich an einem 8" Newton wesentlich schärfer und Detailreicher als an einem 90mm Refraktor. Bei entsprechend guten Bedingungen (ruhig Luft) und ausreichender Vergrößerung (so ab 200 bis 250x) kann man auch schon mal die Teilung der Saturnringe erkennen. Das wird dir unter 150mm Öffnung höchstwahrscheinlich nicht gelingen. Und selbst bei 150mm Öffnung nur sehr eingeschränkt für den fortgeschrittenen Beobachter.

Man hat bei Dobson, wie gesagt, natürlich auch nicht den Luxus einer automatischen Nachführung oder Objektdatenbank (Allerdings gibt es auch hier einige teuerere Sets mit Motoren an den Achsen). Aber dem Anfänger würde sowas nicht unbedingt ans Herz legen. Man sollte ja auch erstmal lernen, sich am Himmel selbst zurecht zu finden. Das, so meine ich, ist ja auch eine Triebfeder in der Astronomie: Stolz zu sein, etwas selbst gefunden zu haben. So ist die Lust auch ungleich größer, das Teil in geeigneten Nächten nach draußen zu schleppen und fleißig zu spechteln. Und wer wirklich Interesse hat, wird später Lust auf mehr bekommen und seine Ausrüstung erweitern.

Und was auch unabdingbar ist: Dicke Bekleidung. Man muss auf jeden Fall den WIllen haben, auch in kalten Nächten auszuharren. Zwei paar Socken, gute Handschuhe, eine warme Mütze und natürlich eine dicke Jacke und ggf. zwei Pullover. Die besten Sichverhältnisse hat man nunmal Nachts im Winter, wo es auch mal derbe kalt werden kann. ;-)

Und das ist dann auch der Knackpunkt, wo einige gern die Lust verlieren. Man friert sich Nachts einen ab, sucht verzweifelt nach Galaxien oder Nebeln um dann nach Sichtung eines grauen Fleckchens wieder zitternd nach drinnen zu gehen. Auch solche Nächte sollte man überwinden und sie eher als Herausforderung ansehen. Es ist noch kein Astronom vom Himmel gefallen.

Aber vielleicht suchst Du dir, wie auch schon erwähnt, erstmal ein paar Teleskopfreunde in deiner Nähe. Sternwarten sind ideale Anlaufpunkte. Dort kann man durch die verschiedensten Teleskope schauen. Und dann weißt Du auch eher, was dich erwartet. Auch diverse Foren wie Astronomie[punkt]de oder astrotreff[punkt]de sind gute Anlaufstellen und man wird dir dort gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen. :-)

So, das wars ersmal von mir. Wenn Du noch fragen hast, einfach stellen. :)

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Hallo, ich hoffe, du bekommst noch eine ordentliche Antwort.

Bis dahin kann ich dir schon mal das kostenlose Programm Stellarium empfehlen, das hat mir ganz viel geholfen beim Sternbilder und Planetenpositionen bestimmen. Aus Sternkarten bin ich nämlich zu anfangs gar nicht schlau geworden.

Mit Teleskopen kenne ich mich leider nicht so aus, aber ich glaube es ist auch wichtig zu wissen, was du sehen willst, also zum Beispiel eher Planeten oder mehr Deep-Sky-Objekte?

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