Teilschuld wenn man Nachts einen Menschen überfährt, obwohl man ihn nicht kommen sieht?

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9 Antworten

Was Dein Kumpel damit meint dass die Versicherung sogar für Schäden aufkommen würde ist mir schleierhaft. Geht es um die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs widerspräche es der Aussage dass man schulfrei ist. Geht es um die Vollkasko würde die natürlich für Schäden am eigenen Auto aufkommen, Geht es um eine Privathaftpflicht des Typen der vors Auto springt kann man die nicht einfach voraussetzen.

Ob man eine Teilschuld erhält hängt von genaueren Umständen ab, so pauschal lässt sich das nicht beantworten. Tendenziell geht von einem Fahrzeug eine gewisse Betriebsgefahr aus, wenn man nicht nachweislich Nichts dagegen hätte tun können erhält man gewöhnlich auch eine Teilschuld.

So kenne ich einen Fall wo ein Kind mit seiner Mutter auf dem Gehweg lief. Warum auch immer, das Kind wollte scheinbar Etwas das die Mutter nicht wollte, das Kind riss sich von der Mutter los, lief im ungünstigsten Augenblick auf die Strasse und trotz sofortiger Notbremsung ist das betr Fahrzeug nicht davor stehen geblieben. Dieses Geschehen haben viele Passanten so bezeugt, dem Fahrer konnte kein Vorwurf gemacht werden und blieb ohne Teilschuld (wie der moralisch damit umgegangen ist, ist ne andere Sache).

Ich kenne aber auch einen Fall, da gibt es ausserorts eine Fussgängerampel die nur tagsüber bedarfsweise in Betrieb ist. Mitten in der finstersten Nacht kam da ein Besoffski auf die Idee da einfach so drüber zu gehen und wurde von einem Fahrzeug erwischt. Der Fahrer erhielt eine Teilschuld weil er sehr wahrscheinlich nicht die erlaubten 50Km/h eingehalten hat, diese Fussgängerampel angekündigt wird und er damit hätte rechnen müssen dass da Jemand über die Strasse gehen möchte.

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Kommentar von uni1234
15.08.2016, 07:10

Was Dein Kumpel damit meint dass die Versicherung sogar für Schäden aufkommen würde ist mir schleierhaft. Geht es um die
Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs widerspräche es der Aussage dass man schulfrei ist.

Die Haftpflichtversicherung des Autos muss grundsätzlich auch dann einstehen, wenn der Fahrer den Unfall nicht verschuldet hat. Der Halter (und damit auch die Versicherung) haftet nämlich verschuldensunabhängig (siehe § 7 Abs. 1 StVG).

Allerdings dürfte hier ein Fall sog. höherer Gewalt vorliegen, was dazu führt, das ganz ausnahmsweise doch die Haftung des Halters (und damit der Versicherung) entfällt.

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Wenn wir mal an Deinem Szenario nicht rütteln und wirklcih unterstellen, dass der Fahrer den Unfall nicht hätte verhindern können und ihm in diesem Zusammenhang in keiner Weise ein Vorwurf gemacht werden kann, dann macht der Fahrer sich insgesamt nicht strafbar.

Bei einer Tötung im Straßenverkehr steht im Regelfall der Vorwurf der fahrlässigen Tötung gem. § 222 StGB im Raum. Fahrlässiges Handeln heißt, dass man die erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. In Deinem Szenario ist das gerade nicht der Fall. Der Fahrer hat vielmehr alles getan, was er hätte tun müssen. Aus demselben Grund scheidet auch eine Bestrafung wegen Gefährdung des Straßenverkehrs gem. § 315c StGB aus.

Selbstverständlich entbindet das Verhalten vor dem Unfall nicht von der Pflicht, nach dem Unfall dem Verletzten zu helfen. Ansonsten würde der Fahrer sich doch strafbar machen wegen unterlassener Hilfeleistung gem. § 323c StGB.

Auch zivilrechtlich könnte man wohl keine Ansprüche gegen den Fahrer oder den Halter des Fahrzeugs durchsetzen. Eine Haftung des Fahrers nach § 18 StVG scheidet schon deshalb aus, weil er nicht fahrlässig handelte. Eine Haftung des Halters nach § 7 Abs. 1 StVG dürfte in Deinem Fall auch zu verneinen sein, da es sich bei dem Unfall um höhere Gewalt handelte.

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Hallo jingi1,

die Frage kann man so pauschal nicht beantworten, denn es kommt ganz auf die Umstände an.

Insbesondere kommt es da drauf an, ob Du gegen die beiden folgenden Paragraphen verstoßen hast:

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§ 1 StVO - Grundregeln

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

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§ 3 StVO - Geschwindigkeit

(1) Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m, darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, dass dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden könnten, muss jedoch so langsam gefahren werden, dass mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke gehalten werden kann.

(2) Ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern.

(2a) Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.

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Die Schuld oder Teilschuld an dem Unfall bekommst Du aber nur, wenn Du

  • vorsätzlich oder
  • fahrlässig

gegen die StVO verstoßen hast.

Was vorsätzlich bedeutet ist ja wohl klar, aber was versteht man unter Fahrlässigkeit?

Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er nach den konkreten Umständen und nach seinen persönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten verpflichtet und imstande ist

Und deshalb habe ich geschrieben, es kommt auf die Umstände an.

Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob Dir die Person an einer Stelle vor das Auto läuft, von der Du weißt,

  • dass dort viele Personen die Fahrbahn überqueren (Beispiel Straße an der Disco, zu einer Zeit wo viele schon volltunken die Disco verlassen oder
  • ob es sich beispielsweise um eine einsame Landstraße handelt, wo nicht damit zu rechnen ist, dass Fußgänger die Straße überqueren

Im ersten Punkt, würde man Dir wahrscheinlich einen fahrlässigen Verstoß gegen die StVO vorwerfen und zumindest eine Teilschuld an dem Unfall geben.

Im zweiten Punkt würde man Dir wahrscheinlich keine Fahrlässigkeit bei einem Unfall vorwerfen und somit auch keine Teilschuld.

Hast Du keine schuld oder Teilschuld an dem Unfall, muss Deine Versicherung auch nicht zahlen.

Schöne Grüße
TheGrow

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Also Autofahrer hast du immer die Sorgfaltspflicht das heisst das du deine Fahrweise so anpassen musst das du in der Lage bist u. a. auf solche Situationen zu reagieren. Ich weiss nicht ob du nur eine Teilschuld bekommst oder ganz die Schuld aber ich gehe von mindestens einer Teilschuld aus in so einem Fall

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Lässt sich pauschal nicht beantworten, da es immer auch auf die Hintergründe und Umstände darauf ankommt.

KaterKarlo2016

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Wenn der Fall so eintritt wie beschrieben und der Fahrer nicht zu schnell und keine Drogen im Spiel sind wird er ohne Strafe davonkommen aber das Ereigniss wird ihn das ganze Leben begleiten. 

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Das kommt auf den Einzelfall an. EIne allgemeine Antwort kann es nicht geben.

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Wenn der Autofahrer nicht zu schnell war oder sonstige Verstöße begangen hat passiert ihm nix was auch gut so ist

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Man hat als Autofahrer immer eine teilschuld geguber Fußgängern, weil man einfach schon diese Gefahr Auto bewegt und man der Stärke Verkehrsteilnehmer ist. Da gibt es auch ein Fachwort zu was ich gerade nicht kenne.

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Kommentar von JanRuRhe
15.08.2016, 00:11

Gefährdungshaftung.
Gibt es seit einigen Jahren, vorher konnte man sich fragen, ob ein idealer Fahrer den Unfall hätte vermeiden können.

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