Tandem Partner

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4 Antworten

Wie meine Vorredner schon sagten, ist das sehr schwierig pauschal zu beantrworten. Aber generell gilt, dass du schon über das Anfängerniveau hinaus sein solltest. Schließlich ist dein Lernpartner kein ausgebildeter Sprachlehrer und kleinere Dialoge solltest du führen können und ebenso einen Überblick über die Grammatik haben. Mit einem Tandempartner kanst du am besten das "Finetuning" angehen und sehr schnell ein besseres Sprachgefühl entwickeln.

Japanisch Tandempartner sind gar nicht so leicht zu finden. Ich habe mal für Spanisch einen gesucht und da gab es genug Angebote. Ich habe mal auf der Seite nachgeschaut, die ich genutzt habe, da gibts auch Japanisch Tandempartner, aber nicht viele : http://www.awali.de/tandempartner-japanisch . Vielleicht kannst auch an der nächstgelegenen Uni mal schauen.

Ach ja, zur Eingangsfrage, wenn du ne pauschale Antwort haben willst: Ab Sprachniveau B1 würde ich mit dem Tandemlernen anfangen.

In der Lernphase, in der du dich befindest, gibt es wichtigere Dinge, als die Besonderheiten eines natuerlichen Dialogs zu lernen. Gerade in den ersten Lernjahren geht es vielmehr darum sich sichere Grundlagen anzueignen, auf denen man dann spaeter im Selbststudium, in intensiveren Kursen oder sogar im natuerlichen Gespraech aufbauen kann. Diese Phase sollte man mit Begleitung gehen, aber nicht mit einem irgendwo aufgegabelten Japaner, sondern mit einer ausgebildeten Lehrkraft in einem vernuenftigen Sprachkurs.

Muttersprachler sind nicht automatisch gute Lehrer fuer ihre eigene Sprache. Erst recht dann nicht, wenn sie noch jung und nicht vom Fach sind. Deshalb halte ich das Tandempartner-System fuer eher wenig optimal. Der Partner, der mit der Sprache noch nicht aktiv umgehen kann, koennte ueberfordert werden, sich unnoetige Umgangssprache oder Dialekte aneignen oder mit Aspekten konfrontiert werden, die fuer das eigene Level noch gar nicht angemessen sind.

Japanisch ist eine Sprache, die man ganz lange sehr didaktisiert angehen muss, da sie ziemlich komplex ist und auch vom Denken her einiges an Eingewoehnungszeit braucht. Kann das der Tandempartner nicht gut vorbereiten, dann kann so ein Treffen manchmal sogar kontraproduktiv sein.

(Deshalb wuerde ich beispielsweise auch eher keinen Japanaufenthalt zum Spracherwerb empfehlen, wenn derjenige keine Vorkenntnisse hat. Die meisten Leute kommen dann mit einem Mischmasch aus Umgangssprache, Dialekt und 'so hoert sich das richtig an' wieder und haben dann grosse Probleme, sich eine theoretische Basis zu schaffen, die ihnen eine neutrale Sprechweise ermoeglicht.)

Ich hab beim Tandem auch die Erfahrung gemacht (sowohl eigene in Deutschland und in Japan, als auch aus Geschichten von meinen Kommilitonen), dass es am Ende darauf hinauslaeuft, dass sich die Gespraeche in die Sprache verlagern, die im Aufenthaltsland gesprochen wird. Meistens kann der Gast diese Sprache naemlich bereits besser (als der andere die Sprache des Gasts), weil er damit jeden Tag aktiv umgehen muss und oft ist es auch einfach natuerlicher, sich in der Sprache des Aufenthaltslandes zu unterhalten.

Man sollte also schon so gut sein, dass man sich zwingen kann, ueber eine laengere Zeit ein aktives Gespraech in der Fremdsprache aufrecht zu erhalten. Dann kann ein Tandem sicherlich eine gute Ergaenzung zum eigentlichen Sprachkurs sein, sollte aber auch immer kritisch gesehen und auch nachbereitet werden. Und neue Freundschaften knuepfen kann ja auch nicht verkehrt sein. Als die Super-Lernmethode empfinde ich es allerdings nicht.

Wenn du dir dann irgendwann einen Tandempartner suchen moechtest (wie gesagt wuerde ich dir das jetzt noch nicht empfehlen), dann guck beispielsweise mal auf die schwarzen Bretter von Unis. Dort gibt es manchmal Japaner, die fuer einen Austausch da sind und jemanden zum Ueben suchen. Da muss man dann aber auch immer so fair sein und die eigene Aufgabe, als Vermittler des Deutschen, entsprechend ernst nehmen.

Es hängt auch teilweise von den Sprachkenntnissen deines Gegenüber ab (der Partner sollte verstehen was du ihm mitteilen willst). Denn es wird sich schlecht üben lassen, wenn man kaum einen Satz hin bekommt. Das soll jetzt nicht heißen, dass man mit dem Tandempartner nicht die Aussprache der Vokabeln oder den Aufbau einfacher Sätze üben kann. Meiner Meinung nach, macht ein Tandempartner erst dann richtig Sinn, wenn man einfache Dialoge führen kann.

Ich würde Jemanden suchen der genau so wenig kann wie ich.

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