Symptome interpretieren vermeiden.

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1 Antwort

Bei Stress / Angst aktiviert sich in in deinem Hirnstamm der Sympathikus, also der Teil deines vegetativen Nervensystems der den Körper auf "kämpfen und flüchten" einstellt. Hierdurch wird deinen Nebennieren der Auftrag erteilt Adrenalin in die Blutbahn auszuschütten. DIe α1-Adrenozeptoren in deinen Blutgefäßen reagieren mit Vasokonstriktion was zur Nachlaststeigerung und zur vermehrten Herzarbeit sowie zur Minderversorgung der Peripherie führt. Durch die periphere Minderdurchblutung entsteht später das kribbeln in den Armen. Gleichzeitig wird das Atemzentrum stimuliert. Durch die vertiefte Atmung wird zuviel CO2 abgeatmet, es kommt zur pH-Verschiebung in den alkalischen Bereich. Durch diese Alkalose entsteht ein relativer Calzium-Mangel, der zusätzlich Gefäßkontraktionen auslöst und weitere Symptome wie Atemnot, Beklemmungsgefühl, kribbelnde Finger und sogar Angina pectoris ("Herzanfall") verursachen kann...

Warum ich das alles (noch immer äußerst oberflächlich) beschreibe?

In gut der Hälfte aller Einsätze im Rettungsdienst stellen sich die vermeintlichen "Herzinfarkte", "Schlaganfälle" und sonstigen "Notfallsituationen" als harmlose Hyperventilationen, Kopfschmerzen oder sonstige "kleine Wehwehchen" heraus.

Dummerweise haben die Patienten vorher mal ein bisschen "gegoogelt" und empfangen uns mit einem bunten Bouquet an lebensgefährlichen Diagnosen.

DIe Internet-Suche nach "Atemnot, Beklemmungsgefühl und Herzstolpern" , wird mit reichlich "Herzinfarkt" belohnt.

Eine respiratorische Alkalose (wegen dieser "passenden Diagnose" einfach mal zu viel geschnauft) wird aber mangels Kenntnis natürlich übersehen.

War das jetzt alles schon zuviel?

EBEN... Ein Mediziner hat einige Jährchen solche Zusammenhänge gelernt. Das lässt sich nun mal nicht mit 5 Minuten Internet-Recherche gleichsetzen!

Die beste Methode gegen dein "kribbeln im Arm" lautet also:

Mach dich locker, lies ein Buch, geh joggen oder trink ein Bierchen;

Aber konsultiere SIe niemals "Dr. Google" - vor allem nicht wenn Du über keine fundierte medizinische Vorbildung verfügst!

Dankeschön für diese sehr ausführliche Beschreibung. Ich werde mir die tipps zu Herzen nehmen.

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