SVV- Therapie abbrechen?

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7 Antworten

Ganz ehrlich? Was erwartest du? Das du nach 6 Sitzungen geheilt bist?

So schnell geht das nicht. Das dauert. Wochen, Monate, machmal Jahre. Ich sage das jetzt nicht um dich zu entmutigen, im Gegenteil.

Ich würde an deiner Stelle auf jeden Fall weiter machen. Und ja, auch dein Untergewicht gehört da mit rein.

Allerdings: WEnn du meinst mit dieser Therapeutin nicht weiterzukommen, dann such dir eine neuen. Das wird aber nicht so einfach, die Wartezeiten sind da oft lang. Aber gerade zu einem Psychhologen muss man vertrauen haben, den muss man sympatisch finden.

Bei einem Knochenbruch ist das egal, wie man den Arzt findet, bei psychischen Problemen nicht.

Der Grund dafür, dass Du therapeutische Hilfe in Anspruch nimmst, ist, dass Du Dir über lange Zeit hinweg unbewusst (!) ein Bewertungs- und Reaktionsmuster angelegt hast, aus dem heraus Du heute handelst. Was so lange Zeit hatte, um sich zu entwickeln, lässt sich leider nicht innerhalb von kurzen zwei Monaten auflösen. Du wirst also ein bisschen Geduld mit Dir haben müssen. ;-)

Du sagst, dass Deine Therapeutin mit Dir die ganze Zeit darüber redet, wie Du Dich gerade fühlst und warum Du Dich so fühlst. Das, liebe Imagine01, ist Sinn und Zweck einer kognitiven Verhaltenstherapie.... das Bewusstmachen Deines Empfindens und seines Ursprungs, damit Du erkennen kannst, was zu Deinem (SV-)Verhalten führt. Man kann nur ändern, was einem bewusst ist. Die Prozesse, die zu Deinem SVV führten, liefen aber unbewusst in Dir ab.

Das, was Dir als lästige und zu nichts führende Wiederholung erscheint, ist durchaus so gewollt und nötig. Lernen lebt nun einmal von Wiederholungen. Genauso, wie Du früher in der Schule Deine Aufgaben immer wieder wiederholen musstest, damit sich ein Automatismus entwickeln konnte, verhält es sich auch jetzt mit der Bewusstmachung Deines Empfindens und des daraus resultierenden Verhaltensmusters. Dein Problem ist also gar nicht anders zu lösen, als durch immer wiederkehrende Wiederholungen.

Vielleicht gelingt es Dir ja, Deiner Therapeutin wieder zu vertrauen, wenn Du weißt, dass ihr Vorgehen einem üblichen therapeutischen Rahmen entspricht. Hierbei ist aber natürlich auch Dein Mitwirken nötig. Wenn Du also beispielsweise feststellst, dass Dir das Lösen einer Aufgabe, die Dir bis zum nächsten Termin gestellt wird, Probleme bereitet, so liegt es an Dir, das bei der nächsten Sitzung noch einmal anzusprechen. Tust Du es nicht, geht Deine Therapeutin davon aus, dass diese Aufgabe für Dich lösbar war. Sprich DU es also an, wenn die Herausforderung für Dich zu groß war oder wenn Du das Gefühl hast, keine Veränderung erzielt zu haben.

Und wegen des Versteckspiels gegenüber Deiner Chefin..... vielleicht lassen sich Deine Therapeuten-Termine ja auf eine Zeit außerhalb Deiner Arbeitszeiten verlegen? Frage doch einfach mal nach.

Kurzum: Halte durch und gib Dir mit etwas Geduld die Chance Dein Problem aufzulösen. Möglich ist es, denn Du bringst die aller wichtigsten Voraussetzungen mit: Du hast Dein Problem erkannt und Du willst es in den Griff bekommen. Es wird Dir gelingen, aber das braucht etwas Zeit. ;-) Es wird nicht mehr lange dauern, bis Du erste Veränderungen an Dir feststellen können wirst. Alles Gute! ;-)

Ich breche hier eine Lanze für den Abbruch. Und zwar weil du sagst

"Auch wenn ich eigentlich Anfangs ein gutes Gefühl hatte, fühle ich mich mittlerweile ziemlich unwohl bei ihr..."

und dir wohl auch ihre Vorgehensweise unangenehm.

Ein klares Zeichen!

Vielleicht wäre in deinem Fall eine Verhaltenstherapie besser geeignet.

Momo1965 14.07.2017, 12:26

Woraus schließt Du, dass in der jetzigen Therapie keine verhaltenstherapeutischen Methoden angewandt werden? Die Beschreibungen lassen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich um eine kognitive Verhaltenstherapie handelt.

Ich glaube nicht, dass es wirklich so klare Zeichen gibt, die für einen Therapieabbruch sprechen. Ich denke, das ungute Gefühl entstand bei der Fragestellerin aufgrund einer unrealistischen Erwartungshaltung. Salopp formuliert geht es ihr "nicht schnell genug". Sie hatte sich vermutlich schnellere Erfolge gewünscht, was zwar nachvollziehbar ist, aber halt auch unrealistisch. Das sagt aber nichts über die Qualität der therapeutischen Arbeit oder über das grundsätzliche Vertrauensverhältnis aus. ...... Ich lasse mich aber auch gerne von Imagine01 korrigieren, falls ich mich irren sollte.

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miiilchcafe 14.07.2017, 15:31
@Momo1965

Ich weiß tatsächlich nicht, um welche Therapie es sich handelt!

Beeindruckt hat mich vor allem, dass sie sich dort anscheinend verloren und (vielleicht deswegen) unwohl fühlt... So wie ich scheint sie nicht zu wissen, was dort genau stattfindet und worauf es hinaus soll.

Vielleicht würde es schon helfen, wenn die Therapeutin ihr dies erklärt.

Warte: Habe gerade deine Antwort gelesen. Das hast du schon prima und nachvollziehbar getan! Jetzt soll die Fragestellerin entscheiden.

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Momo1965 14.07.2017, 17:46
@miiilchcafe

Trotz meiner Antwort vielleicht doch noch eine Ergänzung. .... Die Frage, worauf es hinauslaufen soll, wird mit dem Klienten nach erfolgtem szenischen Interview (hierbei beschreibt der Klient weitestgehend ohne Rückfragen des Therapeuten sein Problem) und der Anamnese herausgearbeitet. Dafür sind in aller Regel zwei bis drei Sitzungen notwendig, bei komplexer Problematik auch mehr. Der Klient wird üblicherweise dazu aufgefordert, seine Zielsetzung selbst zu formulieren. Was verspricht er sich von der Therapie? Was möchte er mithilfe der Therapie erreichen? Worauf es hinauslaufen soll, legt der Klient also selbst fest, denn nur er weiß, welcher Umstand ihn so belastet, dass er sich davon befreien möchte.

Etwas anderes ist hingegen die Frage, "was dort genau stattfindet", denn das ist für den Klienten meist wirklich nicht sofort erkennbar, sondern erst dann, wenn sich erste spürbare Veränderungen gezeigt haben.

Das, was bei einer kognitiven Verhaltenstherapie (die ich bei der Fragestellerin vermute) stattfindet, ist so leicht erklärt, dass es manch einem als ZU leicht erscheint, um glaubhaft sein können. Der Therapeut lenkt den Klienten durch gezieltes Fragen und Hinterfragen dahin, selbst die Hintergründe seiner Problematik aufdecken zu können.

Mit "sich verloren fühlen" hast Du eine sehr passende Formulierung gewählt. Für den Klienten fühlt es sich tatsächlich so an, als würde er etwas verlieren.... nämlich die Kontrolle darüber, was vermeintlich unkontrolliert durch alle diese Fragen aus seinem Unbewussten in sein Bewusstsein dringen könnte. Da dies nicht von jetzt auf gleich passiert, sondern es ein schleichender Prozess ist, dessen Wirkung nicht sofort spürbar wird, wächst - unbewusst - die Angst vor Kontrollverlust umso mehr und die Hoffnung darauf, dass die Therapie einen positiven Nutzen bringen wird.

Wozu neigt der Mensch bekanntlich, wenn er undefinierbare Angst in sich spürt? Er zieht sich zurück und versucht, dieser Situation aus dem Weg zu gehen. In diesem Fall äußert sich das häufig dergestalt, dass der Klient die Sinnhaftigkeit der Therapie und die Kompetenz des Therapeuten in Frage stellt, denn irgendeinen vermeintlichen Grund braucht sein natürlicher Schutzmechanismus, damit er seinen Rückzug rechtfertigen kann. .... Eine Tücke des Unbewussten, denn bei reflektierter Betrachtung stellt der Klient oftmals fest, dass seine Zweifel unbegründet sind.

Menschen, die bereits erfolgreich erfolgreich eine Therapie beenden konnten, beschreiben alle Dasselbe. Keiner von ihnen kann benennen, was genau zur Auflösung seines Problems geführt hat, auch nicht, ab welchem Zeitpunkt er sein Problem als gelöst ansehen konnte. Dies geschah nur nach und nach durch jeden einzelnen Gedanken und jede Erkenntnis, zu der der Therapeut mittels seiner Fragen angeregt hat. Ohne, dass jemand im Nachhinein sagen kann, was genau stattgefunden hat und was genau dazu geführt hat, hat sich der Erfolg eingestellt.

Auch die Therapeuten können im Vorfeld nicht erklären, was genau stattfinden wird, da dies immer davon abhängig ist, ob und inwieweit der Klient sich seinen Themen und seinem noch Unbewussten annähern kann und will.

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Momo1965 14.07.2017, 17:50
@Momo1965

Upps! Am Ende des vierten Absatzes fehlt eine Kleinigkeit. Richtig muss es heißen: ...  und die Hoffnung darauf, dass die Therapie einen positiven Nutzen bringen wird, schwindet.

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So eine Therapie dauert meistens JAHRE, wenn nicht Jahrzehnte. Und nur, weil es MÖGLICH ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch EINFACH ist.

Dir sollte klar sein , dass 6 Sitzungen auch praktisch nichts sind..
Die muss dich erstmal kennenlernen, Diagnosen stellen usw und dann erst nachdenken, wie man dir helfen kann.
Sowas geht nicht nach 6 Sitzungen weg. Wäre es so einfach, würden die kein Geld dafür bekommen.
Ich bin seit Februar in Therapie wegen mittelschwerer Depression unteranderem und ich merke eigentlich erst jetzt ein wenig etwas davon..
Mit Therapien muss man immer Geduld haben.
Genau wie mit Antidepressiva oder sonstwas. Da wirst du auch nicht nach 6 Tabletten wieder total Happy.

Es ist ein uralter bekannter Trick, daß Psychologen die Sitzungen in die Länge ziehen. Daß sie mind. 20 Sitzungen machen, bevor man ernsthaft arbeitet.

Psychologen, die so unseriös arbeiten, erwecken wenig Hoffnung, jemals dem Problem Herr zu werden.

Lösung 1 wäre, sofort zu kündigen und bei einem neuen Psychologen VOR Therapiebeginn sagen, daß man in wenigen Sitzungen fertig werden will.

Lösung 2 wäre, die Verzögerungstaktik offen anzusprechen und um deutliche Änderung zu bitten.

Wissen solltest Du noch, daß ca. 80% der Psychologen kaum was taugen. Eine "Seele" hat der Mensch eigentlich gar nicht. Daher packen die meisten Psychologen die Dinge von Grund auf falsch an.

Momo1965 14.07.2017, 12:34

Das ist eine ziemlich unqualifizierte Antwort; schon deshalb, weil sie pauschalisierend ist.

Es ist sehr schade, wenn Du schlechte Erfahrungen gemacht haben solltest. Deshalb aber von einem oder einigen wenigen Therapeuten auf jedenfalls 80 % aller Therapeuten zu schließen, finde ich äußerst grenzwertig und sachlich unangemessen.

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TanjaHere 14.07.2017, 13:25
@Momo1965

Ich habe in der Tat so im Alter 20 bis 24 miserable Erfahrungen mit Psychoklempnern gemacht. Dergestalt, daß für mein ganzes Leben von dieser unwissenschaftlichen Quacksalberzunft bedient bin.

Die meisten Psychofälle wären schnell gelöst, wenn reife Erwachsene mit viel Bildung und ohne Gewinnabsicht diese betreuen würden.

Es gab schon mehrere Artikel von STERN und SPIEGEL, die das Gesagte bestätigen - daß die Psychozunft miserabel arbeitet.

"Unqualifiziert" ist an meiner Antwort gar nichts. "Pauschalisiert" habe ich auch nicht, da ich eingeräumt habe, daß 20% was können. Ich bleibe bei jedem Wort. Ende.

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Momo1965 14.07.2017, 13:41
@TanjaHere

Die meisten Psychofälle wären schnell gelöst, wenn reife Erwachsene mit viel Bildung und ohne Gewinnabsicht diese betreuen würden.

Damit hast Du sicherlich Recht, wenngleich ich bezogen auf "schnell" nicht uneingeschränkt zustimmen kann. Manches braucht halt einfach Zeit. Als Kompromiss biete ich ein "schneller" an. ;-)

Nichtsdestotrotz, es gibt auch viele, für die ihr Job nicht einfach nur Beruf, sondern Berufung ist. Und die leisten durchaus lobenswerte Arbeit. Außerdem hängt der Therapie-Erfolg auch nicht nur von der Kompetenz des Therapeuten ab, sondern mindestens ebenso von den Möglichkeiten des Klienten.

Tut mir leid, dass Du nicht an einen der von Dir genannten 20 % geraten bist. Bleibt Dir sehr zu wünschen, dass Du Dein Problem auf andere Weise lösen konntest...

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