Sucht die Pflege wirklich Personal?

10 Antworten

Hohe Ansprüche, weil man mit und am Menschen arbeitet.

In diesem Fall mit Menschen, die oft nicht mehr alle ihre Bedürfnisse adäquat äußern können, die nicht mehr körperlich fit sind, die nicht gesund sind, aber ihre Befindlichkeiten, Schmerzen, Symptome eben auch nicht entsprechend und zeitnah äußern können.

Deshalb muss die Pflegekraft genug Hintergrundswissen haben, um viele Dinge aus der Beobachtung heraus rechtzeitig zu bemerken, sie muss sich mit den Besonderheiten behinderter, alter oder kranker Menschen auskennen.

Das kannst du nicht, wenn du nur mal einen Crashkurs zum Thema Pflege bekommst.

Ob die wirklich Leute suchen? Natürlich. Aber die Arbeitsbedingungen sind natürlich auch hart. Schicht, Feiertage, Wochenenden - das ist ein Job, der keine Betriebsferien, Brückentage, den auf "Standby" zurückgefahrenen Betrieb wegen Feriensaison kennt. Da läuft der Betrieb unverändert jeden Tag des Jahres.

Der Job ist mental belastend und körperlich schwer. Und er wird in der Gesellschaft immer noch viel zu wenig gewürdigt - ebenso wie medizinisches Pflegepersonal oder Pädagogen, die kennen das auch.

Bezahlung? Steht in keinem Verhältnis zu dem, was die Leute leisten.

Und da für die Betreiber von Pflegeeinrichtungen oder ambulante Pflegedienste eben auch ein Konkurrenzkampf besteht (wer nimmt dem anderen die Kunden weg, weil er billiger ist), da wird dann eben an den Kosten gespart, wo man nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt, weil man Leistungen nicht erbringt, sondern man dreht an der Schraube, an der ein Arbeitgeber bezüglich Kosteneinsparung immer drehen kann - Personalschlüssel und Bezahlung. Und vielleicht noch Zeitvorgaben. ------

Eine meiner Freundinnen in Berlin hat bei einem ambulenten Pflegedienst gearbeitet. Egal, ob ARWO, Volkssolidarität, Diakonie oder wer auch immer Träger war - stets 30 Stunden-Verträge für die MA und für den Weg von einem zum anderen Pflegekunden wurden 6 min bezahlt. Dabei hat der Pflegedienst einen Bereich in den Stadtbezirken Lichtenberg, Hohenschönhausen, Weißensee abgedeckt. (Wer Berlin kennt, weiß, was das für ein Riesenareal ist).

30 Stunden bezahlt bekommen, 45 Stunden wöchentlich auf Achse. Bezahlung 20 ct über Mindestlohn, dafür gibt es keinen Schichtzuschlag, sondern nur am Sonntag ein paar Cent dazu. Mindesturlaub - natürlich.

Eine Benzinpauschale für das eigene Auto, die meist wegen der (dienstlich) geschrubbten Kilometer meist gerade mal  für 2 Wochen gereicht hat.

Wer so einen Job macht, unter solchen Bedingungen, dem gehört von der öffentlichen Wahrnehmung her der rote Teppich ausgerollt.

Vielleicht sollten wir - wie in den skandinavischen Ländern - das Pflegesystem nicht über Versicherungsbeiträge und Eigenleistungen, sondern staatlich zentral aus Steuermitteln finanzieren.  Dafür sparen wir ein paar Politiker ein, dann passt das schon.

Pflege, medizinische Leistungen und pädagogische Angebote immer nach betriebswirtschaftlichen Zahlen und Gewinnorientierung zu gestalten, finde ich ohnehin menschenunwürdig.

Stimme ich voll zu. Vllt. sollte man aber auch noch erwähnen, dass die Arbeitgeber (z.B. die Pflegedienst- Betreiber) so schlecht bezahlen, weil die Honorare, die sie von den Kassen bekommen, noch immer lächerlich sind.

Vergleicht man die Hausbesuchspauschale mit dem, was ein Taxifahrer für den selben Weg bekommen würde, kommt man auf ca. 25 % der Taxikosten. Wie soll das auf Dauer funktionieren? 

Arbeitgeber sind nicht immer geldgierig. Manchmal können sie eben nur das weiter geben, was sie vom Kostenträger bekommen. 

Soziale, therapeutische und pflegerische Berufe sind in D grottenschlecht bezahlt. Solange sich daran nichts ändert, wird sich auch am Personalnotstand nichts ändern. Und an der Bezahlung wird sich so schnell nichts ändern, da die Osterweiterung dafür gesorgt hat, dass gut ausgebildetes Personal aus Osteuropa hier für Dumpinglöhne arbeitet. 

FZ

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Die Zugangsvoraussetzungen sind so, weil Pflegeberufe gewisse Fähigkeiten voraussetzen. Es geht nicht darum Quantität zu produzieren, sondern Qualität.

Das neue Gesetz, dass Alten- Kranken- und Kinderkrankenpflege in einen Topf wirft, wird dafür sorgen, dass es mehr Personal gibt mit weniger Kompetenzen, denn eine Kinderkrankenschwester braucht anderes Wissen als eine Altenpflegerin. Das ist aber politisch so gewollt und wird den Pflegenotstand nicht lindern.

Es gibt zu wenig Personal, zum Teil, weil Pflegeberufe von Frauen dominiert werden. Frauen bekommen Kinder und arbeiten danach nur noch eingeschränkt, weil man Kinder schlecht mit einem 3- Schicht- System kombinieren kann. Zudem kann man von einem Pflege- Gehalt schlecht eine Familie ernähren. Und man wird verheizt. Alles das führt dazu, dass dieser Beruf immer unattraktiver wird. 

Die Zugangsvoraussetzungen noch weiter herunter zu schrauben ist also keine Lösung. 

Deutschland ist in der Beziehung eh schon Schlusslicht. In anderen europäischen Staaten ist die Ausbildung akademisiert, die Ansprüche an die Bewerber also deutlich höher. Dafür sind die Kompetenzen hinterher auch andere. Hier beschäftigt man Pflegepersonal mit Hilfsarbeiten und unfassbarer Bürokratie.

FZ

Für den Pflegeberuf sollte man u.a. mitbringen:

Soziales Einführungsvermögen (Emphatie) Einsatzbereitschaft und Kommunikation. Auch die Belastbarkeit ist wichtig.

Sicher gibt es einen hohen Bedarf an Pflegepersonal, aber nicht jeder Bewerber bringt auch die Voraussetzungen für diesen Beruf mit sich.

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