Stures Pferd verladen? Ohne Stress?

6 Antworten

Je mehr Gewese man um die ganze Verladerei macht, desto mehr merkt sich das Pferd, welche Macht es in dieser Frage hat. 

Versteh mich nicht falsch - ich liebe Pferde und würde es nach mir gehen, dann würde ich nur mit Wattebausch-weichen dutzidutzi-Versuchen alles regeln wollen. Doch genau das geht nicht. So ticken Pferde nicht. 

Pferde lösen ihre Probleme untereinander immer sehr unmissverständlich und keinesfalls besonders zartfühlend. Sicherlich bilden sich innerhalb einer Herde Freundschaften, man betreibt Fellpflege, man sucht des anderen Nähe - ist man aber sauer auf den anderen, gibt es auch mal einen gezielten Tritt - egal wohin. Der andere weiß dann sehr genau, das irgendeine Grenze gerade überschritten wurde.

Verladen ist im Prinzip einfach nur Verladen. Und dieses ganze Gewese verstärkt in der Regel die Probleme nur noch mehr. Ein Pferd, das zögert und dem man dann mit ganz viel Brimborium alles ganz leicht machen will, bekommt damit nur die Bestätigung, dass Verladen wirklich gaaaaaaanz schlimm ist. Und auch, dass es die Macht hat, sich zu verweigern.

Du schreibst, dass Dein Pferd keine Angst vor dem Hängerfahren hat oder vor dem im-Hänger sein. Das bestätigt mich darin, Dir absolut davon abzuraten Wattebäuschchen-Heckmeck zu betrieben. Kein Futter im Eimer, kein Stück für Stück-versuchen reinzuführen und kein andauerndes Mantra-mäßiges Loben und keine Leckerlis für einen halben Schritt und kein Streicheln und Zureden und was man sonst noch so alles tut. Damit kultivierst Du das Ganze noch und wirst es nur noch schlimmer machen.

Ich hab diesen ganzen Quatsch mit meiner ersten Stute -extrem verladeschwierig- hinter mir und damals auch so ziemlich jeden Fehler gemacht den man nur machen kann und weiß, wovon ich hier schreibe.

Ich bin aber keiner dieser Pferdeflüster-Gurus, die mit verzweifelten Besitzern von verladeschwierigen Pferden ein richtig lukratives Geschäft machen. 3 davon habe ich selber damals am Pferd gehabt und mein Fazit heute ist: der Schlüssel bei mindestens 80% der Pferden ist der Mensch. Ich habe bewusst nicht 100% geschrieben, weil es tatsächlich klaustrophobische Pferde gibt, auf die das Ganze nicht zutrifft, oder so stark traumatisierte Pferde (z.B. nach einem schlimmen Unfall), auf die das auch nicht zutrifft. Dein Pferd ist nicht klaustrophobisch, denn es steht ruhig auf dem Hänger und lässt sich fahren, ist er dann endlich mal verladen.

Auch auf den Hänger draufzuprügeln ist sicherlich nicht richtig. Ich halte auch nichts von Besen-schwingenden Schreihälsen, die sich profilieren wollen.

Meiner Meinung nach kommt es immer auf die richtige Einstellung an und auch auf die Gesamt-Situation. Bei unproblematischen Pferden kann so ein Hänger stehen wo und wie er will, die latschen rein, sogar teilweise einfach mit dem Strick überm Hals. Unsere ganzen Pferde kann ich alleine auf diese Weise ohne Tamtam jederzeit verladen.

Doch bei einem schwierigeren Pferd muss der Hänger ideal stehen stehen. Am besten direkt an einer Wand, die auf dieser Seite schon einmal begrenzt. Es braucht dann Ruhe, am besten keine Gaffer und Leute, die ständig irgendwelche Ratschläge geben und dann einen, der weiß, was er tut, der konsequent ist und nicht verunsichert und der führt das Pferd in den Hänger. Meist reicht das schon. Manchmal braucht es auch auf der anderen Seite eine Begrenzung - durch eine andere Wand, einen Zaun, einen großen Strohballen, oder wenigstens eine Longe, die am Hänger befestigt wird und seitlich am Pferd vorbei hinters Pferd geführt wird und somit auch einen gewissen Druck von hinten ausüben kann. Mitunter benutzt man bei solchen Pferden auch zwei Longen, die hinterm Pferd über Kreuz gehalten werden und es gleichmäßig beidseitig von hinten unterstützen. Manchmal muss auch mal Stimme eingesetzt werden - an der richtigen Stelle ein "Hopp!Hopp!Hopp!" gibt zusätzlich Impulse, wenn es konsequent und bestimmt kommt.

Wie gesagt - es braucht einen kundigen Menschen. Bei uns am Stall war es schließlich unser Stallbesitzer, der sich der Sache annahm und vorher aus meinem Kopf den Dutzidutzi-Mythos entfernt hat. ich alleine hätte diese Situation damals nicht gelöst, sondern das Ganze, ohne es zu wollen, nur noch weiter bestärkt und ihm noch mehr Raum gegeben.  Mach nicht meine Fehler von früher, sondern begreife, dass ein Pferd Dich nur noch mehr liebt, wenn es Dir vertrauen kann und das kann es sehr viel besser, wenn Du konsequent und nicht unsicher und schwach bist. Bei aller Liebe musst Du der Boss ein, die Leitstute sozusagen. Dann klappt sehr vieles sehr viel einfacher.

danke für die Mühe tolle Antwort. Was du schreibst stimmt , werde ich mir auf alle fälle annehmen

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Vom Einsatz der Longe und Hopp Hopp Hopp halte ich nix bei einem Pferd, das genau dabei bislang die Schwierigkeiten gemacht hat. Aber ich gebe Dir absolut Recht insoweit, dass viel zu viel TamTam um die Verladerei gemacht wird. Ist es für den Menschen selbstverständlich, mit dem Pferd auf den Hänger zu gehen, wird es auch für es auch für das Pferd normal. Kein Locken, kein Reden, kein Schimpfen, kein Ziehen........sondern Sebstverständlichkeit ist wichtig.

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@dasadi

Stimmeinsatz hat sich bei uns dosiert bewährt. Aber ich gebe Dir Recht - es hilft nicht immer. Konsequenz, Ruhe und Übersicht jedoch schon.

Das Schlimmste, was ich auf den Turnierparkplätzen immer sehe, dass sind diese absoluten Fachleute, die frontal zum Pferd im Hänger stehen, es unter Umständen noch anschreien und wie verrückt versuchen, das Pferd am Strick in den Hänger zu ziehen und absolut nicht auf dem Schirm haben, dass sie Körpersprache-technisch dem Pferd ja komplett diesen Weg mit ganzem Körpereinsatz verstellen.

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Stimme dir auch voll und ganz zu! Nur mit der Longe würde ich nicht bei sehr sensiblen Pferden machen! Mein Pony kommt mit Druck überhaupt nicht klar, der Versuch mit der Longe landete sogar fast in einem Unfall, aber dann hat eine selbstsichere Person ihn genommen, zielstrebig draufgeführt und fertig!

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Wir haben das immer mit zwei Alternativen bzw. Optionen gelöst...

Entweder einen erfahrenen und vertrauten "Kumpel" als Erstes in den Hänger geführt - meistens folgten die Uner"fahrenen" :) dann auf dem Fuß.

Wir haben auch gute Erfahrungen damit gemacht, einen Hänger auf die Koppel - in den Auslauf - zu stellen mit offener Rampe, einen Eimer mit Futter drauf und das entsprechende Pferd immer zur Futterzeit rausgelassen... Mensch geht natürlich weg und macht kein Brimborium darum - wie selbstverständlich !

Irgendwann traut sich jeder Pferd, einen Fuß draufzusetzen, um ans Futter zu kommen... Ein Lerneffekt erfolgt natürlich nur dann, wenn der Eimer peau a peau etwas höher bzw. weiter in den Hänger gestellt wird...

Nach kurzer Zeit wird es selbstverständlich für jedes Pferd, in den Hänger zu gehen, weil es damit etwas Positives = Futter verbindet...

Man sollte im Vorfeld etwas Zeit investieren, dann lösen sich sämtliche Probleme in Luft und Wohlgefallen auf...:)

Auch Pferde sind nicht "dumm" - die merken recht schnell, wie sie sich aus unschönen Situationen befreien und sich ihnen entziehen können - und sie lernen daraus ! ;)

Merke:

Ein vermeintlich "stures" Pferd (wenn man ihnen denn überhaupt menschliche Eigenheiten beimessen möchte) kann man nur mit den "eigenen Waffen" schlagen...:)

 

 

 

Der Versuch mit einem erfahrenen Kumpel haben wir bereits probiert ist aber auch gescheitert bzw. mit viel disskussionen und losreißen dan doch irgendwann. Das mit dem Hänger auf die Koppel stellen mit Futter hatte ich auch schon überlegt ob das funktioniert

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@Sunny28022015

Dann geh halt in die Offensive und zieh deine letzte Trumpfkarte -  was hast du denn groß zu verlieren ? :)

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Dann kannst Du nur das bisherige Muster durchbrechen. Dazu brauchst Du aber eine weitere Person, viel Zeit, und einen Hänger, der Dir ständig zur Verfügung steht und mit dem Du jeden Tag üben kannst. Ich würde den Hänger in Bodenübungen einbauen, die er mit und ohne Strick mit Dir können muss. Wie ein Zirkeltraining, in das dann ein Hänger mit eingebaut wird Es muss ohne Stress und Zwang ablaufen und es ist zunächst auch nicht wichtig, dass er in den Hänger rein geht. Jeder zusätzliche Schritt auf der Rampe ist ein weiterer Erfolg. Öffne die vordere Tür des Hängers und plaziere dort gut sichtbar Möhren. Eine weitere Person, die ohne Longe hilft, ist dabei, um entweder auf die Möhren aufmerksam zu machen oder aufzupassen, dass er keine Fehltritte auf der Rampe macht und sich verletzt. Nicht fluchen, nicht schimpfen, einfach mit einer absoluten Selbstverständlichkeit mit ihm die Rampe raufgehen, dann wieder runter und weiter die anderen Bodenstationen machen. Er wird iwann aufhören, darüber nachzudenken, ob jemand will, dass er in den Hänger geht. Ich hatte das Problem mit meiner Stute mal, was die Abspritzbox betraf. Da hab ich das so gemacht und ich hatte ein kleines Zwiegespräch mit ihr, als ich schon aufgeben wollte, Stirn an Stirn, mit Gedanken rüber schicken und absoluter Ruhe. Das ist nicht für jeden was, aber in seiner Verzweiflung tut man alles und kann sich manchmal nur über das wundern, was geschieht.

MIT VIEL GEDULD.

Und für jeden Schritt auf den Hänger zu belohnen. Und loben. Kurz üben, aufhören, das nächste Mal wieder etwas üben.

Bei mir im STall gibt es einige Parellifans.Die haben mit Abstand die meisten Probleme beim Verladen, obwohl (weil) sie üben, üben, üben.Das kann dann schon mal drei Stunden dauern. Und wenn das PFerd sich dann losreißt, weil es der ganzen Überei so überdrüssig ist, wird erst recht weiter geübt.
Ich halte mich da raus, tippe nur diskret mit dem Finger an die Stirn. Aber, ich mag Parelli auch nicht.

Ich habe mein Pferd immer mal an einen leeren Hänger - mit Erlaubnis der Besitzer - herangeführt, schnuppern lassen, Leckerli und "FEIN" und weggebracht. Dann irgendwann wieder mal geübt und das Pferd gefragt, ob es Lust hat, mal einen Huf auf die Rampe zu setzen. FEIN, Leckerli und Schluss für diesen Tag.

Es gibt meiner Meinung nach nichts Schlimmeres als dieses stundenlange Üben.Grauenvoll.Da würde ich als Pferd auch "NEIN" sagen.

natürlich geht meine Methode nicht, wenn man eine Woche später wegfahren will. Ein Pferd, das durch Spaziergänge etc.. gelernt hat, seinem Menschen überallhin zu folgen, folgt ihm dann auch in den Hänger.

Meine Stute mag den Hänger auch nicht. Sie rollt mit den Augen, wenn sie den offenen Hänger sieht. Trotzdem hat sie eine Verladezeit von vielleicht 5 Sekunden. Vermutlich weil sie nie mit stundenlangem Parelligeübe traktiert worden ist. Bei den Parellianern muss das Pferd einsteigen,aussteigen, einsteigen,aussteigen, einsteigen,aussteigen, einsteigen,aussteigen,
einsteigen,aussteigen, einsteigen,aussteigen... solange bis es sich vor Überdruss übergeben könnte und beschließt: das mach ich nicht mehr. (Recht hat das Pferd.)

Ruhe und Geduld, beim Führen nicht das Pferd anschauen, auch nicht, wenn es stehen bleibt, kein Zug auf dem Führstrick, eventuell Bestechung mit Futter (Futterspur in den Hänger).

Danke für die Antwort :) Probier ich aus :)

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