Studiengebühren über steuer absetzen?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Studienkosten für ein Erststudiums stellen laut Gesetzeswortlaut keine Werbungskosten dar. Sie können höchstens bis zu 6.000 € im Jahr als Sonderausgaben abgezogen werden.

Der Unterschied ob es sich um Werbungskosten oder Sonderausgaben  handelt, liegt darin, dass lediglich Werbungskosten als Verlust vortragsfähig sind.

Wenn neben dem Studium steuerpflichtige Einnahmen erzielt werden, werden die Studiengebühren immer im ersten Schritt mit den Einnahmen verrechnet. Übersteigen die Studienkosten die steuerpflichtigen Einkünfte,
entsteht ein Verlust - aber eben nur wenn es sich um ein Zweitstudium handelt.

Gegen diese Ungleichbehandlung läuft derzeit ein Verfahren beim Bundesverfassungsgericht. Wenn dies positiv entschieden wird, werden die Steuerbescheide in diesem Punkt automatisch geändert.

Das hängt teilweise davon ab, welche Universität das ist.

Bei solchen Summen würde ich mich aber definitiv zumindest einmal von einem Steuerberater beraten lassen.

suzanee 29.06.2017, 11:07

Vielen Dank 😊 ja das wäre echt das beste. 

0

Wenn das eine Zweitausbildung/Zweistudium ist, dann sind das auf jeden Fall Werbungskosten.

Zweitausbildung = vorher abgeschlossenes (Bachelor)-Studium oder abgeschlossene Berufsausbildung.

Wenn man keine sonstigen steuerpflichtigen Einkünfte hat, dann kann man einen entsprechenden Verlustvortrag geltend machen; dieser wird dann verrechnet, wenn man zukünftig steuerpflichtige Einnahmen erzielt.

Wenn nicht, dann geht das über Sonderausgaben; diese sind aber auf max. 6.000 € begrenzt.

Die Sonderausgaben wirken sich aber nur aus, wenn man auch steuerpflichtige Einkünfte hat - das haben die meisten Studenten aber nicht.

Ob man demnächst Werbungskosten auch beim Erststudium absetzen kann, entscheidet das Bundesverfassungsgericht (wahrscheinlich noch dieses Jahr).

Für die vergangenen Jahre sollte man den Verlustvortrag aber schon beantragen - dann muß man abwarten, wie das BVerfG entscheidet.

suzanee 29.06.2017, 11:17

Das ist unsere erstausbildung. Arbeiten nebenbei als studentische aushilfen. 

Kennen uns leider gar nicht damit aus. 

Sollten wir eher mit einem Steuerberater uns in Verbindung setzen oder doch erst beim Finanzamt? 🤔

0
DerSchopenhauer 29.06.2017, 11:26
@suzanee

Ein Steuerberater braucht ihr hier erst einmal nicht - wenn die steuerpflichtigen Einkünfte im Jahr Brutto ca. 11.000 € nicht übersteigen, zahlt ihr sowieso keine Steuern.

Die Lohnsteuer, die ggf. bei den Jobs abgezogen werden, erhaltet ihr dann auch so wieder zurück, wenn eine Einkommensteuererklärung abgegeben wird - da nutzen die Sonderausgaben nichts.

Ihr müsst nun das Urteil des BVerfG abwarten.

Sollte das BVerfG positiv entscheiden ist zu beachten:

Wenn das steuerpflichtige Jobs sind, dann würden die Werbungskosten auch direkt abgezogen, selbst wenn keine Steuern zu zahlen wären - das würde dann auch nichts bringen, wenn die Einnahmen höher als die Werbungskosten wären - denn dann entstünde kein Verlust und somit auch kein Verlustvortrag.


Pauschal versteuerte Minijobs wären aber keine steuerpflichtigen Einkünfte - dann wären die Einkünfte 0 und die Werbungskosten können zu einem verlust führen.

2
suzanee 29.06.2017, 11:32
@DerSchopenhauer

Danke für ihre Hilfe.  Sie haben uns schon ein ganzes Stück weiter gebracht. ☝️

0

Was möchtest Du wissen?