Studie: Sollen im Deutschunterricht regelmäßiger längere Gedichte auswendig gelernt werden?

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Jugend debattiert: Sechs Gymnasien machten mit
Schülerinnen und Schüler von sechs Gymnasien machten bei "Jugend debattiert" mit.

Wer hat die besseren Argumente? Vier Schülerinnen debattieren um die Wette. | Foto: Ingo Schneider
Wer hat die besseren Argumente? Vier Schülerinnen debattieren um die Wette. Foto: Ingo Schneider
"Nicht zur Strafe – nur zur Übung", so könnte man Sofia Flothes Argumente, die sie am Mittwochnachmittag beim Regionalwettbewerb von "Jugend debattiert" anbrachte, wohl am besten zusammenfassen. Im Veranstaltungsraum des Kepler-Gymnasium argumentierte sie mit und gegen ausgewählte Schülerinnen und Schülern aus sechs Freiburger Gymnasien um den Einzug in den Landeswettbewerb.

Sollen in der Schule regelmäßig längere Gedichte auswendig gelernt werden? Das ist eine der Fragen, mit denen sich die jugendlichen Teilnehmer am Mittwoch auseinandergesetzt haben. Seit einer Woche kannten sie ihre Themen, seit zwei Tagen wussten sie, auf welcher Seite sie stehen würden. Bei Jugend debattiert vertritt man nämlich nicht seine eigene Meinung – ob pro oder contra, das wird ausgelost.

Am Start waren in diesem Jahr Schüler von gleich sechs Freiburger Gymnasien – das sind zwei mehr als im vergangenen Jahr. Jugend debattiert kommt an: "Man kann einiges, was man durch regelmäßiges debattieren lernt, in seinen Alltag übertragen", erklärt Lisanne Jeschke vom Berthold-Gymnasium die Beliebtheit des Wettbewerbs, "wie man Argumente stichfest aufbaut und auch entkräften kann, zum Beispiel." Sie ist in ihrer ersten Debatte auf Regionalebene an der Seite von Sofia Flothe vom St. Ursula Gymnasium. Die beiden bekamen die Pro-Seite zugelost. Zum Glück, denn das deckte sich mit ihren eigenen Meinungen. Auch wenn sie sich in der Debatte als Einheit präsentieren – am Ende kämpft jede für sich, denn bewertet werden die Teilnehmer einzeln.

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Nervös waren aber nicht nur Sofia Flothe und Lisanne Jeschke vor ihrer Debatte. Auch ihre Gegenspielerinnen, Malin Reinhard vom Kepler-Gymnasium und Anna Orzel vom Goethe-Gymnasium, waren aufgeregt. In ihrem Eröffnungsstatement merkte man das Sofia Flothe allerdings überhaupt nicht an:

Im März geht’s weiter mit dem Landeswettbewerb

"Gerade einmal 40 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland, wir sprechen von insgesamt 8,5 Millionen Jugendlichen, würden in ihrer Freizeit zu einem Buch greifen", legte sie fachmännisch die Fakten einer Studie dar. Erschreckend finde sie das, weil die jungen Erwachsenen doch an das Kulturgut der deutschen Sprache herangeführt werden sollen.

Auf der anderen Seite begann wenige Augenblicke später die 13-jährige Malin Reinhard, sich gegen regelmäßige Gedichtvorträge im Unterricht auszusprechen: Sie habe sich in ihrem Freundeskreis umgehört, dort sähe man das eher als zusätzlichen Ballast. Und dann plötzlich die Pause: "Blackout, sorry", meinte die Achtklässlerin und versuchte, den roten Faden wiederzufinden. "Kein Problem, fang einfach nochmal an", hieß es aufmunternd aus der dreiköpfigen Jury. Und dann lief es rund für die vier jungen Frauen: insgesamt 24 Minuten debattierten sie, brachten unterschiedlichste Argumente für und wider das regelmäßige Auswendiglernen von Gedichten an: "Damit geht viel Unterrichtszeit verloren", fand Malin Reinhard, die von ihrer Contra-Partnerin Anna Orzel unterstützt wurde: "Das erhöht für die Schüler doch nur den Schulfrust." Sofia Flothe und Lisanne Jeschke widersprachen gekonnt: Sie wollten lediglich 10 Minuten zu Beginn der Deutschstunde aufwenden, um Gedichte von vier bis sechs Strophen Länge vortragen zu lassen. Und Auswendiglernen helfe schließlich auch im späteren Leben, Memo-Techniken könnten sogar Demenz vorbeugen.

Auch wenn nicht alles so lief, wie sie es sich vorgestellt hatten, konnten die vier 13- und 14-Jährigen nach der Debatte stolz auf sich sein. Für das Weiterkommen hat es nicht ganz gereicht: In der Finalrunde, in der die Schülerinnen und Schüler mit der insgesamt höchsten Punktzahl teilnehmen durften, gewannen am Ende in der Altersstufe eins Niklas Koch vom Kepler-Gymnasium und Lilly Hermann vom St. Ursula. Die Gewinner der Altersstufe zwei stellte ebenfalls das Kepler-Gymnasium: Für Carl Gutmann und Boyan Mladenow geht die Reise weiter. Erst steht ein Rhetorikseminar in Bad Urach an, anschließend folgt am 24. März der Landeswettbewerb im Stuttgarter Landtag.

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