Studentenjob! Arbeiten auf Gewerbeschein oder mit Vertrag?

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6 Antworten

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Was du da machst bzw. was dein Arbeitgeber da macht, ist sehr gefährlich. Das Vorliegen eines Gewerbescheines hat, wenn überhaupt, nur sehr geringe Aussagekraft im Hinblick auf die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung deiner Tätigkeit. Die Rechnung "Gewerbeschein=selbständig" geht nicht auf. Genausowenig bedeutet "mehrere Auftraggeber", dass man selbständig ist.

Maßgeblich sind andere Dinge - Weisungsgebundenheit, Unternehmerrisiko etc. Als Reinigungskraft oder als Bedienung in einem Restaurant selbständig tätig zu sein ist nahezu unmöglich. Deine Tätikeit unterliegt den Weisungen des Arbeitgebers - insbesondere Arbeitszeit und -ort sind dir vorgeschrieben. Unternehmerrisioko hast du null. Unternehmerrisiko heißt nicht, kein Geld zu bekommen, wenn man nicht arbeitet, sondern Investitionen zu tätigen mit dem Risiko des Verlustes, aber eben auch der Aussicht auf Gewinn. Welche Investition tätigst du als Bedienung?

Genauso verhält es sich mit dem Argument "mehrere Auftraggeber". Merkmal einer Selbständikeit ist es, dass man mehrere Auftraggeber hat. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass jeder mit mehreren Auftraggebern selbständig ist. Wie bereits erwähnt, ist die Selbständigkeit anhand der Kriterien zu überprüfen, die das Bundessozialgericht dafür aufgestellt hat. Wenn du also in zwei Restaurants bedienst, tust du das nicht selbständig, sondern bist bei beiden abhängig beschäftigt. nicht nur Selbständige können mehrere Auftraggeber haben, beschäftigte können auch mehrere Arbeitgeber haben. Dieser Fall liegt dann bei dir vor.

Die Mitarbeiter der Gewerbeämter haben sozialversicherungsrechtlich keine bis wenig Ahnung. Die schauen, ob man theoretisch ein solches Gewerbe anmelden darf, stellen den Gewerbeschein aus und kassieren das Geld. Und eine Aussage wie "da kräht doch kein Hahn nach" zeugt von absoluter Unkenntnis. Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt - Staatsanwaltschaften, Finanzämte und Rentenversicherungsträger verstehen da keinen Spaß und die Strafen können empfindlich sein. Weniger für dich als Schwarzarbeiter, definitiv aber für deinen Arbeitgeber.

Um deine Fragen zu beantworten:

1. Es ist grundsätzlich keine gute Idee, als Bedienung auf Rechnung zu arbeiten.

2. Dein Stand hat keinerlei Auswirkung auf deine Tätigkeit als Bedienung in einem Restaurant, da das vollkommen unterschiedliche Dinge sind. Wenn du als Schmuckverkäuferin selbständig bist, heißt das nicht, dass du auch als Bedienung in einem Restaurant selbständig bist.

Hallo, danke für deine ausführliche Antwort!

Ich habe inzwischen entschieden, den Arbeitsvertrag zu unterschreiben, also als Beschäftigte zu arbeiten. Obwohl ich ein bisschen Angst vor der Verpflichtung habe, also davor, nicht mehr flexibel zu sein. Aber so ist das nun mal mit Jobs. Jedenfalls habe ich auch gelesen, dass man bei einer Selbständigkeit zwar einen Hauptauftraggeber und einen oder mehrere Nebenauftraggeber haben darf, aber von dem Hauptauftraggeber darf man anscheinend nicht mehr als 5/6 des Gesamteinkommens beziehen. Mit dem kleinen Weihnachtsmarktstand würde das - selbst wenn das rechtlich zusammengepasst hätte - dann sowieso nicht hinkommen, so wenig wie der wohl abwerfen würde, im Verhältnis zu dem regelmäßigen Kellnerjob.

Daher werd ich morgen den Vertrag unterschreiben, hab es ja eigentlich ganz gut erwischt dort. :)

Liebe Grüße,

Yulica

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@Yulica

Danke für den Stern :)

Die Entscheidung war richtig bzw. die einzig richtige. Eine Bedienung in einem Restaurant kann nicht selbständig arbeiten bzw. nur so lange, bis Zoll oder Rentenversicherungsträger zur Prüfung kommen - und dann wird es auch rückwirkend teuer... Man kann es sich schlichtweg nicht aussuchen, ob man in einem Job sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein möchte oder doch lieber auf selbständiger Basis.

Was die Selbständigkeit angeht und deine andere Auskunft, die du erhalten hast: Wenn jemand selbständig ist (also tatsächlich selbständig, wie du z.B. mit deinem Stand, aber nicht die Bedienung in der Kneipe, die nur meint, selbständig zu sein) dann ist er nicht versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Das sind die "richtig" Selbständigen, die eigene Arbeitnehmer beschäftigen und für viele Auftraggeber tätig werden. Der Handwerker um die Ecke zum Beispiel.

Dann gibt es aber noch die "arbeitnehmerähnlichen Selbständigen". Die sind dem Grunde nach auch selbständig, beschäftigen aber keine eigenen Arbeitnehmer und sind überwiegend (daher kommen dein 5/6) für einen Auftraggeber tätig. Die sind wie gesagt dem Grunde nach selbständig, aber nach §2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI versicherungpflichtig in der Rentenversicherung.

Dein Job als Bedienung hat hiermit aber überhaupt nichts zu tun! Als Bedienung bist du, egal was du macht, eben NICHT selbständig tätig. Du bis immer dem Grunde nach versicherungspflichtig in der Sozialversicherung, evtl. mit den Regelungen für Minijobs (Pauschalbeiträge durch den Arbeitgeber) oder für Studenten (nur Rentenversicherungspflicht).

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Was gegen den Gewerbeschein und für den Minijob spricht.

Als Minijobber hast du Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, sowie an Feiertagen die auf einen deiner Arbeitstage fallen.

Solltest du das Ganze auf Gewerbeschein machen, wirst natürlich nur dann bezahlt, wenn du auch arbeitest.  

Grundsätzlich bin ich bei solchen "Angeboten", auf "Gewerbeschein" zu arbeiten immer sehr skeptisch, weill damit oft das Sozialversicherungsrecht umgangen werden soll.

Wenn Du jedoch ein gutes Gefühl dabei hast - rein rechtlich ist das ohne weiteres möglich. Du musst dann nur ordentlich Deine Rechnung legen, Deine Einkommensteuererklärung machen und den Steuerbescheid ggf. auch bei der Krankenversicherung vorlegen, damit diese ermitteln kann, ob sich daraus Nachzahlungen ergeben.

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