Strahlbefall bei pferden?

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Strahlbefall = Strahlfäule? Da passt dann Eiter nicht dazu, Strahlfäule eitert nicht. Wenn da tatsächlich Eiter aus dem Strahl suppt, ist die Shice schon gewaltig am Dampfen!

Strahlfäule entsteht, weil anaerobe Bakterien (also solche, die unter Luftabschluss leben wollen!) sich in Taschen im Strahl ansiedeln und das zB durch Ammoniak angegriffene Strahlhorn zersetzen. Oft kommt zusätzlich noch eine miderwertige Hornqualität dazu, ausgelöst durch suboptimale Hufbearbeitung. Bis der geneigte Pferdebesitzer ohne Vorerfahrung mit dem Thema das bemerkt, haben sie sich sehr oft schon bis zur durchbluteten, fühlenden Lederhaut vorgearbeitet und das Pferd zuckt, wenn man die Schlitze ausputzt (das ist dann das untrügliche Zeichen dafür, dass es bis ans Leben geht).

Insofern sind beide Varianten deiner Stallkollegen nicht gut - Wasserstoffperoxid ist reizend, das brennt wie Hölle und greift auch das lebende Gewebe an, nicht nur die Bakterien. Pure Betaisodona ist zwar desinfizierend, aber nicht unbedingt wundheilungsfördernd - und man sieht an einem jodbraunen Huf viel weniger Details. Hufteer schließt die gammelnde Schicht noch luftdicht ab, die Bakterien freuen sich ein Bein aus und feiern Party. Zudem sind einige der Inhaltstoffe von Hufteer im Verdacht, krebserregend zu sein, das wäre dann schon dreimal nix, das ich auf einer offenen Wunde haben möchte.

Am besten lässt sich Strahlfäule bekämpfen durch Wundhygiene. Sprich das Pferd nicht in den vollgeschissenen Matschpaddock stellen, sondern wenigstens auf eine regelmäßig abgeäppelte Fläche (sauberer Matsch, also flüssige Erde, ist weniger ein Problem - die da reingerührten Ausscheidungen der Pferde sind das Problem!). Außerdem die Hufe sauber auskratzen, mit Wasser ausspülen (brennt nicht, kühlt und spült Keime und loses Horn einfach weg - wenn man keinen Schlauchanschluss hat, sind zB diese Unkrautmittel-Pumpflaschen super geeignet), auswischen mit Mulltupfern, dann ein mildes Desinfektionsmittel wie zB Octenisept (durchsichtig) einbringen. Wenn der Huf vom Hufmenschen gut ausgeschnitten ist, tut man sich nochmal leichter und die Bakterien finden keine Taschen, in denen sie sich verstecken können. Bei ganz hartnäckigen Fällen kann unter Umständen der Einsatz eines lokalen Antibiotikums nötig sein - Bislang war aber nur ein einziger von ca 30 Strahlfäulehufen so hartnäckig, die anderen waren durch richtige Pflege innerhalb einer Durchwachsperiode (=8-10 Wochen) wieder gesund.

Meine zwei hatten noch nie Strahlfäule. Mein Mann behandelt es bei seinem Pferd mit Zahnpasta. Am besten vermeidet man aber die Ursache, nämlich den Kontakt des Hufes mit Ammoniak. Also am besten keine Boxenhaltung oder zumindest eine immer saubere Box mit ausreichender Einstreu.

Die beste Behandlungsmöglichkeit hat der Tierarzt, der kann sich auch am Besten damit aus.

Was möchtest Du wissen?