Strafrecht: Warum Erfolgt eine Adressweitergabe der Opfer und Zeugen bei Gewalttaten?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Grundsätzlich ist das nicht so. Die Adressen werden auch nicht vor Gericht verlesen/erwähnt. Die Zeugen müssen lediglich Name und Geburtsdatum nennen.

Sie stehen in den Akten, damit man die Zeugen erreichen/vorladen kann. Der Rechtsanwalt bekommt Akteneinsicht, um seinen Mandanten verteidigen zu können. Die Adressen der Zeugen interessieren ihn dabei nicht und es gibt auch keinen Grund, sie an den Mandaten weiterzugeben. Seriöse Rechtsanwälte würden dies auch nicht tun. Der Mandant selber hat auch kein Recht, seine Akte einzusehen, nur der Anwalt darf dies.

Das Problem ist aber, dass es viele Rechtsanwälte gibt, die ihren Mandanten die Adressen weitersagen, obwohl sie genau wissen, dass es nur der Einschüchterung/Rache dienen kann. Das Prinzip dabei ist halt, dessen Brot ich ess, dessen Lied sing ich. Gibt ja auch Rechtsanwälte, die ihren Mandaten Waffen ins Gericht oder Drogen ins Gefängnis schmuggeln.

Danke für deine Antwort. Woher weißt du dass? Arbeitest Du in dem Bereich?

Ich finde, die Adresse gehört nicht in die Akten, ohne wenn und aber. Und den vollen Namen bei Gericht vorzulesen ist für Personen mit seltenen Namen genauso wie die Adressweitergabe.

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@nochnefrage

Ich arbeite nicht in dem Bereich, hatte aber schon mal mit befreundeten Anwälten drüber gesprochen. Natürlich gehört die Adresse in die Akte, aber man könnte sie schwärzen, bevor man die Akte an Täteranwälte gibt. Diese Möglichkeit besteht auch, allerdings nur wenn der Staatsanwalt eine besondere Gefährdung der Zeugen sieht.

Grundsätzlich steht bei Gerichtsverfahren Transparenz im Vordergrund, deswegen ist alles öffentlich. Ich stimme Dir aber zu. Man sollte hier umdenken und die Namen und Zeugen grundsätzlich anonymisieren.

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@cchrisa

Mit "gehört nicht in die Akte" meinte ich, dass es nach menschlichem Ermessen nicht in die Unterlagen gehört, die der Anwalt erhält. Die derzeigzeitge Rechtslage sieht anders aus, schon klar.

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@nochnefrage

Ja, aber es muss ja irgendwo in die Unterlagen von Polizei und Staatsanwaltschaft, die müssen ja wissen, wo der Zeuge wohnt. Und deren Unterlagen bilden "die Akte". Und der Rechtsanwalt hat Anspruch auf die vollständige Akte, es ist also nicht so, dass er nur eine Auswahl bekommen darf, das wäre ja willkürlich und in einem Rechtsstaat undenkbar. Einzige Möglichkeit wäre daher, die Adressen von Zeugen vor Weitergaben der Akte(nkopie) zu schwärzen.

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@cchrisa

Ja, das klingt klug. Vielen Dank für Deine Antworten!

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Als Zeuge wird man nach Name, Vorname, Alter, Beruf und Wohnort (nicht Adresse) gefragt. Die Adresse kennt das Gericht; schließlich haben sie dir eine Ladung postalisch zukommen lassen. Das Prinzip ist klar: Es muß bekannt sein, wer da eine Aussage macht. Schließlich hat Justizia die Augen verbunden und kann nicht erkennen, wer da vor ihr eine Aussage macht. Ansonsten kommt es so gut wie NIE vor, dass Angeklagte sich an Zeugen oder Opfer wagen. Das geht nämlich mächtig nach hinten los und verlängert die Haftstrafe deutlichst!

Danke für die Antwort:-) Soweit zur Theorie. Das ganze hat mehrere Ebenen. Zum einen die Emotionale. Traumatisierte Menschen müssen damit rechnen, wieder Opfer zu werden- das ist zunächst mal sehr real. Ob der Täter sie nach Haftentlassung oder vor dem Verfahren aufsucht, ist was anderes, die Gefahr jedoch wird durch die Praxis der Datenweitergabe geschafffen.

Dann ist da die Tatsache, dass immer wieder vorkommt. wer sich beispielsweise mit der organisierte Kriminaltität anlegt (Anzeigt) oder politisch Radikalen, wird dann vielleicht nicht vom Täter direkt, aber von seinen Kumpanen genötigt, Erpresst oder mehr. Und ist möglicherweise Lebenslänglich in deren Datenbanken als "Feind" gespeichert. Nicht immer sind sofort alle Hintergründe der Tat klar, somit kann ein späteres Zeugenschutzprogramm zu spät kommen. Von daher finde ich diese Praxis mehr als überholt.

Und Stalkingopfer werden ja auch nicht ordentlich geschützt. Nein, mein Vertrauen in das Rechtssystem ist klein.

Klar, es ist nicht einfach, die freiheitliche Grundordnung so zu gestalten, dass man möglichst allen Menschen gerecht wird. Aber ich finde, Opferschutz MUSS Vorrang haben vor Täterinteresse. Und da kann man von Beginn an die Daten schützen, das würde vielen Menschen eine große Hilfe im Alltag sein.

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@nochnefrage

Es kommt praktisch nicht vor, dass das Opfer durch den Täter angegangen wird. Mir ist kein Fall bekannt, wo ein Täter nach einem Gefängnisaufenthalt Rache an seinem Opfer genommen hat. (Ist jedoch ein beliebtes Filmthema)

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@nochnefrage

Das bezieht sich auf Presse und Fernsehen. Was da gelegentlich vorkommt ist, dass ein Vergewaltiger oder Familienvater nach der Haftentlassung abgemurkst wird, also genau die umgekehrte Täter/Opfer Folge.

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@Still

Ich habe vielfach Berichte in den verschiedenen Medien mitbekommen, in denen Täter ihre Opfer nach der Tat Bedrohten, sowohl vor der Gerichtsverhandlung als auch nach der Haftentlassung. Öffentlich rechtliches fernsehen und seriöse Zeitungen, keine Boulevardmedien. Kenne es auch mehrfach aus meinem persönlichen Umfeld. wo Schläger die Opfer trotz Auflagen weiterhin bedrohten und deren Nähe trotz Kontaktverbot aufsuchten. Gewalttäter halten sich oft nicht an gerichtliche Auflagen.

Deutschland geht zu lasch um mit Gewalttätern, das ist mein Überzeugung.

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@nochnefrage

Ein paar Assis, die Schwarz gefahren sind, machen am Telefon einen auf dicken Macker. Ein Anruf bei der Staatsanwaltschaft und die sitzen in U-Haft + Strafanzeige! Mein obiger Kommentar bezog sich auf auf Übergriffe nach einen Strafvollzug. Ferner werden in Deutschland jeden Tag tausende Straftaten (siehe Schwarzfahren, Ladendiebstahl o.ä.) begangen. Das "Angehen" von Opfern dürfte da im Promille-Bereich liegen und bestimmt nicht immer mit erfassten Adressen bei der Justiz im Zusammenhang stehen.

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@Still

Dazu gibt es keine Statistiken. Ich teile Deine Vermutung bezüglich der geringen Zahlen nicht, und um in Haft zu kommen, braucht es schon mehr. Siehe den Stalker Film. Die meisten werden wiederholt verwarnt.

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@nochnefrage

Dass es keine Statistik gibt bestätigt eher meine Annahme, dass es sich im absoluten Promille-Bereich gewegt und nicht weiter ins Gewicht fällt. Vom Stalker-Film weiß ich nichts, aber Stalker kennen ihre Opfer naturgemäß mit Wohnort und fallen somit unter die ursprünglich von dir vorgetragene Sorge der Identität.

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@Still

Habe ich verlinkt, siehe weiter oben, geht dabei vor allem um die Unwirksmkeit von Auflagen.

In Deutschland wird über vieles relevante keine Statistik geführt, dass sagt meienr Meinung nach erstmal gar nichts aus.

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Das sind Grundprinzipien unseres Rechtssystems, um eine faire Verteidigung zu ermoeglichen. Auch bei Gewalttaten gilt der oder die Angeklagte als unschuldig, bis die Schukld bewiesen ist.

Vielen Dank. :-)

Aber die volle Anschrift braucht er nicht, um sich zu verteidigen. Zumal viele Fälle eindeutig sind. Unschuldig im rechtlichen Sinne bis zur Verurteilung, aber oft ist die Sachlage schon vorher klar.

Und das Gewaltopfer oft erheblich traumatisiert sind und Lebenslage Folgeschäden haben, sollte ein Rechtssystem berücksichtigen. Denn die Begegnung mit dem Täter anch der Tat, der dann auch noch ein Drohszenario aufbaut, ist leider nicht im Sinne der "freiheitlichen Grundordnung", weil es die Freiheit des Opfers erheblich einschränkt.

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ist der anwalt verpflichtet akteneinsicht zu nehmen wenn der Mandant es fordert?

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Der Mandant ist hier der spielball. Hat der Anwalt keine Pflicht auf aufforderung die Akteneinsicht zu nehmen?

Bleibt dem Mandanten jetzt also nur noch zuzusehen wie er den Prozess deswegen verliert?

PS: Im Berufsrecht der Anwaltskammern steht dazu nichts. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sagt auch nichts dazu. Dagegen aber:"Im Einzelfall können jedoch der Schutz von Daten anderer Beteiligter und das ermittlungstaktische Interesse von Ermittlungsbehörden dem entgegenstehen."

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