Strafrecht - Angetäuschte/Versuchte Körperverletzung?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Menschen vom Ordnungsamt haben dir Müll erzählt, das mal vorab.

Es gibt "juristisch" keine 3-Sekunden-Regelung - und wenn du sehr zeitnah zurück trittst, ist das immer illegal (solange der Aggressor nicht weiter treten oder schlagen möchte). Einzig eine Handlung im Affekt könnte strafmildernd, im günstigsten Fall strafbefreiend berücksichtigt werden. Das bleibt aber Theorie.

Ebenso wie du als Radfahrer (oder auch Fußgänger) von Autofahrern einen Mindest- Sicherheitsabstand von 1,5 m erwarten kannst, können das Fußgänger von allen Fahrzeugen erwarten. Damit wäre die Gefahr eines Fußtritts schon mal weitaus geringer.

Du hast natürlich damit recht, dass es sich um den Versuch einer Körperverletzung handelt, wenn dich der Fußgänger treten wollte. Das betrifft aber nur die vorsätzliche KV. Du gehst aber selbst davon aus, dass die Person dich nicht treffen wollte - und den Versuch einer fahrlässigen KV gibt es nicht, das wäre ziemlich paradox, oder?

Der, von dir dargestellte Tatbestand reicht also wahrscheinlich nicht für eine Strafverfolgung. Zumindest wenn du dabei so ehrlich bleibst, wie das der Frage zu entnehmen ist.

Du hast etliches an Lauferei, Ärger und Stress, wenn du Strafantrag stellst. Gewinnen kannst du nichts greifbares dabei, Schadensersatz gibt es in Strafverfahren nicht, außerdem hast du keinen nachweisbaren Schaden erlitten. Abgesehen davon, dass de facto keine Straftat gegen dich vorliegt, wäre selbst bei falschen Angaben bezüglich der Absicht des "Täters" kaum ein Nachweis für dessen Willen/Vorsatz zu erbringen. Es käme vermutlich so oder so nichts dabei heraus.

Freu' dich an deiner guten Reaktion, dir ist nichts passiert — und spar' dir einfach die Mühe, da noch lange Arbeit und Stress reinzustecken.

Ich muss mich berichtigen:

Eine strafbare Handlung könnte trotz allem vorliegen, nämlich nach § 315b "Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr". Du bist deiner Angabe zu Folge auf der Straße gefahren, wenn da auch Kraftfahrzeugverkehr stattfand, muss der Täter es nicht mal beabsichtigen, dich zu treffen, es reicht wenn er dich absichtlich derart verunsichert, dass du einen Unfall verursachst. Hier ist auch der Versuch strafbar.

Aber wie oben gesagt: Ob sich die Lauferei und der Stress "lohnt" ist sehr fragwürdig, ich denke einfach, der Nachweis wird nahezu unmöglich und es kommt letztlich nix außer Ärger dabei raus.

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@Peterthb

Hallo Peterthb,

vom reinen Gesetzetext des 315b StGB würde ich Dir bald zustimmen. Aber es gibt zahlreiche Urteile, nach denen muss zumindest ein bedingter Schädigungsvorsatz vorliegen.

Gleichzeitig gibt es aber auch Urteile, in denen der Schädigungsvorsatz nicht vorliegen muss, wie z.B. beim nichtabsichern einer Baustelle.

Leider kenne ich kein einziges Urteil, was sich direkt dadrauf bezieht, dass jemand aufgrund eines fahrlässigen Verhaltens wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr bezieht.

Vorrangig wurde der 415b geschaffen um vrosätzliche Handlungen, wie z.B das Spannen eines Seiles in Kopfhöhe zu bestrafen.

Aber ich bin weiß Gott kein Volljurist, dass ich es mir hier anmaße eine sichere Aussage zu treffen..

Stimme Dir aber damit voll zu und bin auch der Meinung, dass sich der Stress und die Lauferei dafür nicht lohnt. Hinzu kommt, wer kann den von sich schon behaupten, er hätte noch nie was ausversehlich gemacht, was nicht einen Rad.- Motorrad.- oder Autofahrer erschreckt hätte und sei es nur ausversehlich einen Ball auf die Straße geschossen zu haben.

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@TheGrow

Naja, ich gehe davon aus, dass der Passant den Tritt in Kopfhöhe wohl vollkommen absichtlich ausgeführt hat, dass er den Fragesteller nicht verletzen oder treffen wollte, hat ja nichts mit der (vorsätzlichen) Ausführung seiner Bewegung zu tun. Er erschrickt den Radfahrer vorsätzlich, das müsste er wissen.

Wenn jemand einen Stein von der Autobahnbrücke wirft, macht er sich auch des gefährlichen Eingriffs strafbar, ob er ein Auto treffen will oder nicht. Maßgebend ist der Vorsatz des Steinwurfs - selbst wenn es sich um einen Styroporblock handelt, der nur wie ein Stein aussieht.

Meinem Rechtsverständnis zu Folge (ich bin auch kein Volljurist) nimmt er (so er alkoholbedingt noch dazu fähig ist) dabei mindestens billigend in Kauf (=bedingter Vorsatz), dass der Radfahrer ausweicht und zum Sturz kommt.

Fährt der Fragesteller nun auf einer Straße und die unerwarte Trittbewegung kommt vom Gehsteig, muss der Tretende damit rechnen, dass der Radfahrer in Richtung Straße ausweicht. Das kann selbstverständlich ganz erhebliche bis tödliche Unfälle verursachen.

Sieht sowas ein Streifenpolizist und ist entsprechend aufgelegt, könnte das dem Tretenden eine Menge Ärger einbringen und Geld kosten – meine ich jedenfalls.

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@Peterthb

Wer von uns beiden richtig liegt kann ich wirklich nicht sagen. Denke das ist für den Strafantrag allerdings auch unwichtig.

FunnyTamtam würde zumindest keinen Fehler machen, wenn er Strafanzeige stellt. Er stellt ja bei der Sachverhaltsangabe da, was genau vorgefallen ist. Im Endefekt wird die Polizei den Strafantrag annehmen, den Täter befragen und die Sache an die Staatsanwaltschaft weiterleiten.

Die ist dafür Zuständig um zu prüfen, ob hier eine Straftat vorliegt oder ob hier keine Vorliegt.

Habe ich mit meiner Vermutung recht, wird sie das Verfahren einstellen, hast Du recht, wird er eine geringe Strafe bekommen denke ich.

Danke für die Anregungen von Dir. Diese unterschiedlichen Sichtweisen sind schon interessant finde ich.

Schönes restliches Wochenende Gruß
TheGrow

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VIelen Dank für die Antwort. Das die Aussage des Ordnungamtes nicht korrekt sein kann, habe ich mir auch schon gedacht. Eine solche Ausage vom Ordnungsamt halte ich aber dennnoch für erschreckend. Das Rechtliche Mittel ergreifen einen höheren Aufwand als weiterfahren bedeuten war mir auch klar. Aber zumindest weis ich jetzt wie ich in Zukunft handeln kann wenn ich es denn möchte. Ich möchte meine Frage an dieser Stelle ergänzen:

Wenn ich mich jetzt entscheide doch Anzeige erstatten zu wollen. Wie gehe ich vor. Informiere ich den Übeltäter, bitte ihn nicht fortzugehen/laufen und rufe die Polizei? Und wie verhalte ich mich, falls er sich doch eintscheidet fortzugehen. (Auch wenn es bei einem hoffentlich nicht eintrtenden nächsten mal unwahrscheinlich ist, in diesem Fall waren zufällig zwei Freunde anwesend. Rein Technisch hätten wir den Übeltäter sicher festsetzen können.) lg

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@FunnyTamtam

Grundsätzlich hättet ihr das Recht, den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festzusetzen ("Jedermann-Festnahme"). Das ist zwar ein rechtlich sensibles und oft umstrittenes Gebiet, aber ich denke im o.g. Fall wäre es berechtigt. Er hat schließlich nicht nur dich gefährdet und kann im angetrunkenen Zustand ggf. auch der Allgemeinheit schaden.

Zunächst müsstest du dich allerdings nach den Personalien (durch Ausweisdokument gesichert) erkundigen, ggf. die Pass- oder Ausweisnummer aufschreiben - wenn der Täter mitspielt. Eine Durchsuchung ist m.E. nicht erlaubt, wohl aber das Festhalten, wenn keine Feststellung der Personalien möglich ist.

Das zu schützende Rechtsgut ist hier der "Strafanspruch des Staates", Ermittlungen zur Person würden durch Flucht maßgeblich erschwert. Außerdem ist die unmittelbare Tat in deinem Fall bezeugt und geschehen, so dass die Jedermann-Festnahme recht sicher begründbar ist.

Ob sich das lohnt, ob die Gefahr einer heftigen Schlägerei im Raum steht, ob der Täter sich vielleicht sogar erfolgreich wehren würde, zu flüchten versucht … all das wäre dann dein/euer Risiko. Wenn er sich einem unerlaubten Angriff gegenüber sieht, könnte er ggf. einem Erlaubnistatbestandsirrtum unterliegen und Verletzungen gegen dich oder deine Mitstreiter blieben möglicherweise ohne Folgen für ihn.

Wie gesagt, du würdest gerade bei einem Betrunkenen ein erhebliches Risiko eingehen und musst ziemlich schnell entscheiden, ob es wirklich Sinn macht.

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@Peterthb

Deine Aussage ist hundertpozentig richtig.

Aber ich würde persönlich die Sache anders angehen.

Ich würde über 110 die Polizei rufen, kurze Sacherhaltsschilderung am Telefon und oft sind die auch innerhalb von wenigen Minuten da. Meist ist der Täter dann immer noch da und kann gezielt von der Polizei angesprochen werden. Sollte sich der Täter weg bewegen kann man nochmal die 110 wählen und die Richtung angeben in der er sich wegbewegt. Kleine Personenbeschreibung ist da ganz hilfreich.

In den meisten Fällen kann die Polizei den Täter noch stellen. Aber das wichtigste, so umgeht man selbst das Risiko beim Festhalten des Täters verletzt zu werden. Naja außer Du bist der Undertaker oder Dein Name ist John Rambo :-)

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@TheGrow

Danke für die Tipps =). Jetzt kenne ich beim nächsten mal meine Handlungsmöglichkeiten und weiß wo zwischen ich mich entscheiden muss.

lg

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Hallo FunnyTamtam,

ich möchte noch eine Hinweis zu dem Satz: "sie haben mir nur gesagt ich hätte juristisch drei Sekunden zurückzutreten" loswerden.

Das ist völliger Schwachsinn, was die Menschen vom Ordnungsamt gesagt haben. Es gibt keine 3 Sekunden Reglung.

Es gibt zwar den §32 StGB der die Notwehr beschreibt. Aber der ist Ausschließlich zur Abwehr vorgesehen.

Auf den §32 hättest Du Dich allenfalls berufen können, wenn Du mit Deinem Tritt seinen Tritt abwehren wolltest. Tritts Du nach dem Motto zurück Du hast versucht mich zu treten, so trette ich auch Dich, dann machst Du Dich selbst strafbar.

Hallo FunnyTamtam,

wenn sich die Sache so zugetragen hat, wie Du beschrieben hast, liegt hier rechtlich gesehen der Versuch einer Körperverletzung bzw. ggf einer gefahrlichen Körperverletzung (falls der Tritt mit einem Schuh [was ja meist der Fall ist] vorliegt) vor.

Allerdings wird ein Tritt gegen einen Radfahrer nicht als ""das leben gefährdende Behandlung"" angesehen, sondern die Qualifizierung von einer (einfachen) Körperverletzung zur gefährlichen Körperverltzung in der Regel erfolgt, weil bei einem Tritt der Schuh als angriff mit einer Waffe zu sehen ist. Viele denke bei Waffe immer an eine Schusswaffe. Im Sinne des § 224 StGB gilt jeder Gegenstand, der geeignet ist durch die Art der Anwendung schwere Verletzungen zu verusachen, als Waffe.

Aber die Einstufung ob es sich um eine gefährliche oder nur um eine einfach Körperverletzung handelt ist für die Stellung eines Strafantrages unwichtig.

Du gehst zur Polizei, schilderst denen was passiert ist und die sagen Dir schon, welcher Straftatbestand hier zutrift.

Um es mal kurz zu fassen. Egal ob gefährliche oder nur einfache Körperverltzung. In beiden Fällen ist der Versuch strafbar und kann beanzeigt werden.

Schöne Grüße
TheGrow

Sorry Grow, will nicht klugscheißen, aber ich sehs genau andersrum :)

Bei einem Tritt wird der Schuh nur als gefährliches Werkzeug angesehen, wenn dieser geeignet ist, erhebliche Verletzungen zu verursachen. Also Beispielsweise Arbeitsschuhe mit Stahlkappen.

Eine das Leben gefährdende Behandlung liegt - meiner Meinung nach - hier schon vor, da sich der Tritt gegen einen fahrenden Fahrradfahrer richtet. Den damit zu erwartenden Sturz vom Fahrrad kann man schon als gefährdende Behandlung ansehen.

Bei einer einfachen Körperverletzung ist die Stellung eines Strafantrags notwendig... bei einer gefährlichen Körperverletzung jedoch nicht, meines Wissens ist das ein Offizialdelikt.

Gruß, red

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@redelephant

Hallo red,

mit Schuh hast Du bedingt recht. Ein Arbeitsschuh mit Stahlkappen wird ganz sicher als gefährliches Werkzeug angesehen, aber auch ebenfalls ein fester Straßenschuh.

Ein leichter Turnschuh in der Regel nicht, aber selbst da gehen die Gerichte oft als gefährliches Werkzeug / Waffe im nichttechnischen Sinne angesehen, wenn die Wucht des Trittes ausreicht oder den Körperteil gegen den er Tritt (z.B. Weichteile / Bauch) um die von Dir angesprochenen erheblichen Verletzungen zu verursachen.

Bei der das lebens gefährdenten Behandlung kann man bei einem Tritt nicht sprechen, denn die Wahrscheinlichkeit dabei ums Lebens zu kommen ist äußerst gering. Aber auch da kommt es auf die Ausführung an. Stürzt derjenige z.B durch den Tritt auf die Straße und es besteht die Gefahr durch ein Auto überrollt zu werden sieht es schon wieder ganz anders aus.

Aber ich habe eine wichtige Sache im Sachverhalt von FunnyTamtam überlesen. Ich habe gerade eben erst gelesen, dass er geschrieben hat:

"Ich gehe davon aus, dass die Person alkoholisiert war und nicht beabsichtigte mich zu treffen"

Mit dieser Aussage kommt weder der Tatbestand der Körperverletzung noch der gefährlichen Körperverltzung in Betracht.

Hier käme allenfalls eine fahrlässige Körperveltzung in Betracht, wenn es zu einer Verletzung gekommen ist. Es gibt keinen fahrlässigen Versuch. Das sagt ja schon der Satz aus. Fahrlässig bedeutet ja, Du es es eben nicht versucht, sondern Du hast etwas fahrlässig und ohne Absicht getan.

Schöne Grüße
The Grow

PS Mit "Bei einer einfachen Körperverletzung ist die Stellung eines Strafantrags notwendig... bei einer gefährlichen Körperverletzung jedoch nicht, meines Wissens ist das ein Offizialdelikt." hast Du selbstverständlich recht.

Und.... "will nicht klugscheißen" Das hat doch nichts mit klugscheißen zu tun, Deine Antwort war doch durchaus gerechtfertigt. Vor allem gerade in dem Themenbereich was als Waffe bzw. als gefährliches Werkzeug angesehen wird, genauso in der Auslegung was eine lebensbedrohende Behandlung ist, sind sich ja nicht einmal die Gerichte einig.

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@TheGrow

@ TheGrow: Schöne Einlassung insgesamt. DH - und ich habe überlesen, dass du bereits geschrieben hast, dass nach der Fragestellung eigentlich keine strafbare Handlung vorliegt weil der "Versuch einer fahrlässigen KV" nicht möglich ist. Hätte mir meine Antwort sparen können.

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